3:0 in Stuttgart – zwischen Genie und Wahnsinn der nachdenklich stimmt

Auf dem ersten Blick ist der 3:0 Sieg in Stuttgart hoch verdient. Natürlich. Auf dem Zweiten auch. Doch da man mit eben diesem Zweiten bekanntlich besser sieht, sah man neben einem hoch verdienten Sieg auch einige sportliche Aspekte in der Offensive, die ein wenig nachdenklich stimmen …

Borussia Mönchengladbach steht nach dem 3:0 beim VfB Stuttgart mit nun mehr 39 Punkten auf Platz 4 der Bundesligatabelle glänzend da. Was sich gestern Abend in der Mercedes-Benz-Arena abspielte, erfrischte das Borussenherz. Phasenweise zeigte die Borussia genialen Fußball – insbesondere in der 2. Halbzeit, in der sich die Mannschaft von Trainer Lucien Favre reihenweise teils hervorragende Chancen erspielte.

Dass eben genau diese Chancen zwischen Minute 45 und 81 ungenutzt blieben, gilt es einzuordnen. Aufkommende Unkonzentriertheit? Erste Anzeichen von Arroganz? Die Art und Weise wie der VfL in diesen gut 35 Minuten agierte, grenzte jedenfalls an Wahnsinn. Positiv wie negativ.

Es war spielerisch einer der besten Leistungen des VfL in dieser so hervorragenden Spielzeit. Wie dort teilweise aus der sicheren Defensive heraus gekontert wurde – einfach phänomenal und mit das Beste, was die Liga zu bieten hat. Die Abwehr des VfB muss sich vorgekommen sein wie in einer Achterbahn auf der Cannstatter Wasen. Schnell, trick- sowie variantenreich. Die Gladbacher Offensive spielte in der 2. Spielhälfte Katz und Maus mit den Stuttgartern.

 Der schmale Grat zwischen Genie und Wahnsinn

Bis zum gegnerischen Strafraum war Borussias Angriffsspiel phasenweise meisterlich. Perfekt. Genial. Doch zu der Genialität der äußerst variablen und für den Gegner unausrechenbaren Angriffe gesellten sich zum ersten Mal deutliche Zeichen von Wahnsinn – negativer Natur. Wie die Elf vom Niederrhein mit ihren Chancen umging, war im höchsten Maß fahrlässig bis arrogant. So etwas kann auch mal nach hinten losgehen.

„Es war eine ordentliche Leistung von uns, aber wir hätten schon früher die Entscheidung herbeiführen müssen, da haben wir bei den Kontern die letzte Konsequenz vermissen lassen.“ – Trainer Lucien Favre scheint die Situation am besten erkannt und analysiert zu haben. Von einer genialen Leistung zu einer ordentlichen. Der Schweizer holt seine Mannschaft bereits kurz nach dem Spiel zurück auf den Teppich. Genial wäre die Leistung der Borussia gewesen, hätte  man bereits frühzeitig den Deckel drauf gemacht.

Am Ende ist das 0:3 für die Schwaben schmeichelhaft. Man hätte sich nicht beklagen dürfen, wäre man mit einigen Toren mehr so richtig untergegangen. Für die Borussia heißt das, dass in den nächsten Spielen die Konter wesentlich effektiver ausgespielt und Torchancen besser genutzt werden müssen, wenn man weiter ganz oben mitmischen möchte.

Und dennoch: In den nun noch verbleibenden 15 Spielen wird es für jeden Gegner schwer, diese Mannschaft zu schlagen. Drei Tore gegen die Bayern und nun gegen den VfB Stuttgart – da muss man schon eine Menge richtig gemacht haben. Dazu steht hinten die beste Abwehr der Liga, gar die Beste Europas und vorne wirbelt nicht nur Marco Reus, der in Stuttgart nicht einmal seinen besten Tag hatte.

Dieser bekannte nach dem Spiel: „Wir freuen uns über den Sieg, das ändert aber nichts an unserer Denkweise. Wir gucken wirklich nur von Spiel zu Spiel. Nächstes Wochenende wartet mit Wolfsburg eine sehr unangenehme Mannschaft auf uns, wo wir wieder hart kämpfen müssen, um auch dort drei Punkte zu holen.“

Trotz des Wahnsinns von Minute 45 bis 81 scheinen Favres Jungs noch immer geerdet. Eine Tatsache, die zum Träumen einlädt. Träume von Europa – mindestens. Vielleicht auch mehr. Mal schauen was die kommenden beiden Ligaspiele ohne jeglichen Druck  hergeben…

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 30. Januar
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