Achtelfinale – Mund abwischen?! So einfach ist das nicht

Erst Hoffenheim, dann Heidenheim  – nein, dem VFL scheinen diese Mannschaft nicht zu liegen. Obwohl sich der VFL vor allem spielerisch gegenüber dem Ligaspiel am Samstag steigern konnte, war das Spiel der Mannschaft enttäuschend. Am Ende reichte das Glück des tüchtigen, die individuelle Klasse und ein starker Rückhalt im Tor…

 

Es war nicht alles Gold was glänzte. Genauso aber auch nicht alles Blei was eben nicht gerade Glanz versprühte. Es war ein Spiel zwischen genial und peinlich, ein Spiel wie es sich oftmals eben nur im Pokal entwickelt. Vor allem aber war es das vorhergesagte Kampf- und Geduldspiel gegen einen starken Drittligisten. Am Ende steht statistisch eine Zweikampfbilanz von 50:50 auf dem Papier und so ganz nebenbei der Einzug ins Achtelfinale des DFB-Pokals.

50 % gewonnene Zweikämpfe – es hat halt auch ein Gegner mitgespielt. Ein Gegner dem absoluten Respekt für starke 120 Minuten zu zollen ist. Die Borussia aus Mönchengladbach hingegen zeigte nicht ihr bestes Spiel. Wie schon 3 Tage zuvor im von Heidenheim nicht weit entfernten Hoffenheim, bestand das Spiel der Mannschaft von Lucien Favre aus einer Vielzahl von Fehlpässen.

Einfache Analyse: Die Borussia macht sich derzeit das Leben selbst schwer. Statt selbst zu agieren, läuft die Mannschaft verlorenen Bällen hinterher. Das die 11 vom Niederrhein am gestrigen Abend dennoch auf 27 (!!!) Torchancen kam ist nur damit zu erklären, das die Truppe immer in der Lage ist spielerisch zu glänzen und enorm viele Torchancen zu kreieren. Das sie dazu in der Lage ist, ist nichts neues. Das sie dieses trotz einer fürchterlichen Passstreuung schafft – auch eine Stärke.

Alles andere als stark: Borussias Chancenverwertung. Konnte man am Samstag in Hoffenheim aufgrund des spielerischen Totalausfalls kaum bis gar keine Chancen herausspielen, zeigte man sich in Heidenheim da stark verbessert. Dennoch standen den 27 Chancen – 0 Tore gegenüber. Alleine Marco Reus vergab 9 (!!!), teils hochkarätige Gelegenheiten. So langsam müsste man ihn an dieser Stelle für die Aktion „Tore gegen Krebs und Depressionen“ selbst zur Kasse bitten. Er alleine hätte das Konto gestern und in den letzten Wochen reichlich füllen können…

 

Hadert mich sich selbst und seiner Chancenauswertung – Marco Reus  Foto: jdp-fotos.de

Woher kommt plötzlich die Angst vor dem Tor? Woher vor allem die in Hoffenheim und nun Heidenheim an den Tag gelegte (nicht vorhandene) Körpersprache? Betrachtet man das Spiel ganz genau, erkennt man nicht die Körperspannung und Entschlossenheit der ersten 8 oder 9 Saisonspiele. Bestes Beispiel: Mike Hanke. An dieser Stelle oft für sein Spiel gelobt, muss man ihm nun „innere Leere“ und Lethargie vorwerfen. Kaum Bewegung, kaum verarbeitete Bälle die nicht einen Meter wegspringen und im Grunde kaum eine gelungene Aktion.

Es geht auch anders, denn absolut erfrischend und Lobenswert an diesem Pokalabend: Juan Arango und Martin Stranzl. Während der Österreicher von Trainer Lucien Favre für den zuletzt schwachen Jantschke auf die rechte Abwehrseite beordert wurde und seine Sache mehr als zufriedenstellend machte (Flanken muss man bekanntlich in der Innenverteidigung selten), überraschte der Venezolaner Arango auf ganzer Linie.

In den letzten Wochen zum wichtigsten Spieler mutiert, in Hoffenheim kurz abgetaucht und nun in Heidenheim das getan was man sich so sehr von ihm erhofft: Er war Borussias Leader, Borussias Kopf, Borussias Dreh- und Angelpunkt. Wie er das Spiel versuchte an sich zu reißen war imposant. Es ist der „neue“ , ganz starke und in der Form völlig unverzichtbare Juan Arango.

4:3 nach Elfmeterschießen, Achtelfinale – Keeper Marc-André ter Stegen, der 2 Elfer hielt, sei Dank. Nun folgt das so eminent wichtige Heimspiel gegen Hannover 96, in dem sich zeigen wird wo die Reise in den nächsten Wochen bis Weihnachten hingeht. Mund abwischen und ans nächste Spiel denken? So einfach ist das nicht. Die Köpfe müssen wieder oben sein, die Körpersprache eine andere, positive und vor allem Siegessichere werden. Wenn man dazu noch die Konzentration in Passspiel und Torabschluss wiederherstellt, sind endlich wieder 3 Punkte drin.

Die Mannschaft befindet sich nicht in einer Krise, das wäre vermessen – höchstens in einem kleinen Zwischenloch. Ein Loch das jedem klar sein musste, das es irgendwann kommt bei dem was die Mannschaft in den letzten 8 Monaten erlebt und vor allem geleistet hat. Die Spieler sind Menschen, keine Maschinen – Menschen die sich ihre Konzentration wieder erarbeiten werden. Vielleicht ja schon bis Samstag, zum Heimspiel gegen Hannover 96.

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 26. Oktober
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