Als Frau in der Kurve

„Frauensache“ – eine neue Rubrik auf  „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“. In der Rubrik werden ausschließlich Frauen zu Wort kommen – wie ist der Blick einer Frau auf Fußball? Auf Borussia? Was geht Frauen durch den Kopf in dieser „Männerdomäne“ ? Heute schreibt für Euch Jana Balk aus Oberhausen, die auch in den kommenden Wochen immer mal wieder ihre Sicht aus weiblichen Augen niederschreibt. Als Frau in der Kurve…

Samstag Nachmittag, die Tore zur Nordkurve öffnen sich, langsam aber sicher wird es voller. Ein Pulk von Männern beginnt sich schon langsam auf den Rängen warm zu singen. Der Rest steht noch draußen, isst was, trinkt was, kauft den 100. Aufnäher oder Pin – doch zwischen all den Männer entdeckt man sie, eine Frau. Und wo findet man diese? Natürlich vor einer der zwei Frauentoiletten. Allein die Tatsache das es jede Menge Männertoiletten gibt und ganze zwei Frauentoiletten, ist schon ein wenig deprimierend.

Dort hält „Frau“ dann ein wenig Smalltalk, wie zum Beispiel,  warum eigentlich die Seife immer leer ist , oder ob man, ähm Frau zufällig einen „o.b.“ über hat. Verlässt man aber dann das kleine aber feine Reich der Frau, ist man wieder mitten unter ihnen – den Männern. Ich möchte dieses wunderbare Geschöpf hier ganz sicher nicht schlecht reden, aber als Frau fühlt man sich schon ein bisschen verloren in einer Welt in der das männliche Geschlecht deutlich dominiert.
Natürlich weiß man als Frau das man in der Nordkurve eher als Ausnahmeerscheinung gilt, ist man jedoch das erste Mal dort, ist es doch etwas gewöhnungsbedürftig. Warum?  Als Frau hat man, dank Klischeedenken, ein Bild von einem Mann in seinem Element, dem Fußball, vor Augen.
Dieses Bild besteht nun mal aus einem hohen Bierkonsum, Gegröle, dummen Sprüchen sowie komischen Gerüchen – das besondere an uns Frauen ist es aber, dass wir versuchen erst mal nicht an dieses von uns selbst erschaffene Bild zu glauben.

Doch schon bei Betreten der Nordkurve wird einem klar: Man, ähm Frau hatte Recht. Zumindest teilweise… Wie hypnotisiert beginnt Frau sich nun zu akklimatisieren was uns, so denke ich, hervorragend gelingt. Denn schaut man sich so um, beginnen wir Frauen uns ein wenig anzupassen. Natürlich behalten wir Stil, wie wir unser Bier trinken und wie wir genüsslich in die Bratwurst beißen können, ohne das der Nebenmann direkt andere Gedanken bekommt. Man kann dieses Verhalten auch als Chamäleon-Verhalten beschreiben – wir passen uns unserer Umwelt an…

Auf den Rängen, vor dem Spiel, ist es für eine Frau perfekt. Steht oder sitzt Frau gut, kann sie viele fremde Menschen beobachten, analysieren und eventuell mit der mitgenommen Freundin oder auch Freund, Tatsachen austauschen. Tatsachen liebe Männer, keine Lästereien… Ich möchte uns Frauen nicht als „Lästermäuler“ darstellen, aber zugegeben mögen wir es schon sehr gerne andere Leute, naja, nennen wir es von oben bis unten zu analysieren. Männer darf man in dieser Disziplin jedoch auch nicht unterschätzen – dies  ist jedoch ein anderes Thema.

Ein großer Vorteil der Frau in der Nordkurve: Es gibt jede Menge gut aussehende und attraktive Männer, die durch ihr Erscheinen in der Nordkurve schon mal guten Charakter beweisen – also ideal für alle Single-Ladies, aber auch wenn man nur guckt, versüßt es einem die Zeit bis zum Anstoß.
Ca. zehn Minuten vor Anpfiff, kommt dann auch der geringe weibliche Anteil der Kurve auf seine Kosten. Jetzt heißt für uns Frauen: Mitmachen und die Borussia zum Sieg schreien.Ja das können auch Frauen!!!
Es beginnt eigentlich schon mit der Aufstellung, denn hier können wir die Männerwelt schon beeindrucken  wenn wir alle Spieler ankündigen können, ohne auf die Anzeigetafel zu schauen. Weiter geht es dann mit der auswendig könnenden „Elf vom Niederrhein“ – auch hier kann man an Anerkennung und Akzeptanz gewinnen.

Sind dann die ersten Minuten gespielt, sollte man sich als Frau angewöhnen nicht alle Beschimpfungen seitens der Männer ernst zu nehmen, denn das könnte das allgemeine Männerbild weiter negativ beeinflussen. Aber auch da beweist Frau großes Anpassungsvermögen, denn auch wir versuchen unseren Gefühlen freien Lauf zu lassen. Unsere Beschimpfungen sind zwar etwas harmloser ausgedrückt, aber im Grunde wollen wir das selbe sagen wie der Typ vier Reihen vor uns. Womit wir Frauen dem anderen Geschlecht aber zeigen können das wir es drauf haben, ist wenn wir Abseits richtig erkennen und das laut bekannt machen. Man mag kaum glauben wie viele Männeraugen plötzlich das Gesicht zu dieser Frauenstimme suchen. Wie ein Adler der über das Feld fliegt und seine Beute sucht. Haben dich diese Augen gefunden, kannst du dich vor Lob und Anerkennung nicht retten. Interessant ist es dann noch zu beobachten wie der „Besitzer“ dieser Augen anderen Männern darüber berichten und sich immer mehr unbekannte Gesichter zu dir umdrehen – spätestens dann ist eine Frau in die Nordkurve integriert.

Woran man sich als Lady jedoch gewöhnen muss, ist die Tatsache das uns ab und zu sehr unangenehme Gerüche in unser ach so zartes Näschen steigen. Ich möchte jetzt nicht weiter darauf eingehen woher diese Düfte kommen, ich glaube das kann man(n) sich denken und wenn nicht ist es auch nicht so schlimm…
Was übrigens ein schöner Nebeneffekt beim Fußball ist, ist das wir Frauen nicht perfekt gestylt sein müssen, denn es ist nicht schlimm, wenn deine Haare mal nicht perfekt liegen oder du den Pickel deines Lebens hast.  Im Grunde sind wir alle nur da um unsere Borussia zu unterstützen – egal ob Mann oder Frau. Wir halten alle zusammen. Singen, hüpfen, tanzen, feiern, beschimpfen, jubeln, verlieren und siegen tun wir alle – nur jedes Geschlecht auf seine Weise.

Ach übrigens: Was für Frauen kurz nach Abpfiff noch ganz interessant ist, wofür Männer wahrscheinlich keinen Blick haben, ist der Trikottausch…. Hrhrhrhrhrhrhrhrrrrrr 🙂

In diesem Sinne hoffe ich auf ein gemeinsames Siegen gegen die Geißböcke, und falls jemand Kontakt zur Chefetage hat –  ein drittes Frauenklo hinter der Nordkurve wäre schon ganz nett! : )


Eure Jana 🙂

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 06. April
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