Borussia: Aus der Tiefe des Bierdeckels?!

Es war der Knall-Auftakt der Hinrunde und ein Schmankerl für jeden Fan des gepflegten Fußballs. Gut, zugegeben – für die erfolgsverwöhnten Anhänger des FC Bayern war es eher ein Abend zum vergessen. „Ihre“ Helden gingen an diesem herrlichen Fußballabend gegen eine stark aufspielende Gladbacher Mannschaft baden und wurden auf eine erfrischende Art und Weise nahezu vorgeführt…

Borussia Mönchengladbach zeigte am Freitagabend vor über 54.000 Fans im Stadion und den vielen Millionen Fans weltweit an den Bildschirmen, (das Spiel wurde in über 200 Länder übertragen) warum diese Mannschaft 2011/2012 derart positiv auftritt und zurecht unter den besten vier Teams der Liga mitmischt.

Auf dem Papier sprechen die Zahlen eine klare, eine ganz andere Sprache, als es das nackte Ergebnis erahnen lässt. 67 Prozent Ballbesitz für den deutschen Rekordmeister, dazu 17:9 Torschüsse und 8:4 Ecken. Und dennoch: Der VFL hatte das Spiel zu jeder Zeit unter Kontrolle, ohne dabei, bis auf einen Torschuss von Mario Gomez in der ersten Viertelstunde, auch nur annähernd in Gefahr zu geraten. Von den 17 Torschüssen der Bayern fanden lediglich sieben wirklich ihr Ziel.

Bayerns große Waffe, Arjen Robben, wurde von Gladbachs Linksverteidiger Filip Daems beinahe gänzlich aus dem Spiel genommen. War der Belgier einmal nicht zu 100 % auf der Höhe, kochte der starke Venezolaner Juan Arango Bayernstar Robben eiskalt ab. Die Außenspieler der Elf vom Niederrhein zeigten ein Doppeln auf allerhöchstem Niveau.

Tony Jantschke mit seiner wohl besten Leistung

Wie Filip Daems auf der linken Seite zeigte auch Tony Jantschke als rechter Verteidiger eine ganz starke Partie. Mehr noch. Der 21-jährige stoppte die arrivierten Bayernstars Lahm, Kroos und Müller reihenweise auf eine beinahe erschreckend kühle sowie nüchterne Art und Weise. Ein ganz starker Auftritt des Youngsters – Nationaltrainer Joachim Löw wird sich seinen Namen an diesem Abend gemerkt haben.

Es war eine Glanzleistung im Kollektiv, vor allem in der Defensive. Die Innenverteidigung um Martin Stranzl und Roel Brouwers – eine Bank. Das eigentliche Herz schlug aber vor allem am Freitagabend im zentralen Mittelfeld. Auch hier zeigten die Protagonisten – Havard Nordtveit und Roman Neustädter – eine hervorragende Partie.

Vom Läuferischen und der Antizipation her, war es wohl die beste Leistung der beiden auf der Position der „Doppelsechs“. Lediglich im Passspiel können und müssen sich die beiden noch verbessern, vor allem Roman Neustädter zeigte einmal mehr eine große Streuung seiner Pässe und damit eine hohe Fehlpassquote.

Borussias Offensive – kaltschnäuzig und permanent gefährlich

Die Offensive der Gladbacher war auch gegen die Bayern, wie so oft in dieser Saison, brilliant. Während die Defensive wieder einmal hervorragend stand und intelligent verteidigte, ging bei jedem Konter der Borussia im wahrsten Sinne des Wortes die Post ab. Ob über den pfeilschnellen und glänzend aufgelegten Patrick Herrmann über rechts, dem strategischen Großhirn Arango über links, oder über Arbeitsbiene Mike Hanke sowie Zauberfuß Reus durch die Mitte – Gladbachs Abteilung Attacke ist kaum auszurechnen.

Diese Schnelligkeit, Technik sowie Polyvalenz ist immer wieder Türöffner für hervorragende Ballstafetten, die nicht selten gefährlich bis tödlich für den Gegner enden. Bei einigen Aktionen der oben genannten Protagonisten kann man nur mit der Zunge schnalzen und genießen – selbst auf einem Bierdeckel wäre man in der Lage, so manchen Gegner auszuspielen.

Zählbares aus Stuttgart und Wolfsburg mitbringen

Nun folgen für die Mannschaft von Trainer Lucien Favre zwei Auswärtsspiele in der Liga in Folge. Mit nun 36 Punkten kann man diese Aufgaben mit Ruhe und einer riesen Portion Selbstbewusstsein angehen. Und wer weiß: Vielleicht muss man nach den beiden Gastauftritten die Ziele neu definieren.

Ähnlich sah es nach dem Spiel auch Fohlen-Legende und Bayern-Coach Jupp Heynckes: „Ob es für ganz oben reicht, sei einmal dahingestellt, aber den Europacup lässt sich dieses Mönchengladbach nicht mehr nehmen“. Lucien Favre nahm diese Worte lächelnd zur Kenntnis. Wohlwissend das, dass bislang an den Tag gelegte Understatement nicht mehr lange auch nur annähernd glaubwürdig klingt…

 

 

 

 

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 23. Januar
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