Borussia in der Einzelkritik: Zu viele Fehler und eine gewisse Langsamkeit

Schmeichelhaft Teil II. Wie schon gegen Bayer Leverkusen erreichte die Borussia aus Mönchengladbach mit viel Glück ein Remis. Wir haben ein bisschen genauer hingesehen und den Spielern ein Zeugnis ausgestellt.

Marc-André ter Stegen: Gladbachs Keeper stand einmal mehr öfters im Rampenlicht als ihm lieb sein dürfte. Dabei zeigte ter Stegen eine weitestgehend ruhige und abgeklärte Partie. Stark eine Aktion in der 10. Minute, als er dem heranstürmenden Rudnevs den Ball wegluchste. Bei Flanken des Gegners zeigte sich der 20-Jährige zudem gegenüber den vergangenen Spielen verbessert und fokussierter. Eine grobe Unkonzentriertheit leistete sich ter Stegen dennoch: In der 64. Minute spielte er einen eigentlich sicheren Ball ins Toraus und fabrizierte somit eine Ecke, die glücklicherweise ohne Folgen blieb. Beim Tor durch Rafael van der Vaart sah ter Stegen schlecht aus, ohne jedoch eine wirkliche Abwehrchance gehabt zu haben. Gladbachs Schlussmann konnte nicht mit einem Schuss des Niederländers rechnen. Zudem flatterte der Ball arg. Magisch: Niemand versenkt einen Elfmeter gegen Marc-André ter Stegen. Lionel Messi, André Schürrle und nun Rafael van der Vaart – sie alle scheiterten vom Punkt. Note: 2-

Tony Jantschke: Erst Schatten, dann Licht und dann Licht aus – der 22-Jährige hatte einen ziemlich gebrauchten Tag. Die erste Aktion des Rechtsverteidigers ging gleich daneben, als er sich von Rudnevs viel zu einfach übertölpeln lies. Danach folgten zwei blitzsaubere Aktionen gegen Marcell Jansen – die einzigen guten Aktionen gegen den ehemaligen Borussen. Vor dem 1:0 verlor Jantschke dann den entscheidenden Luftkampf gegen Westermann, der mit seiner Ballweiterleitung die gesamte ohnehin aufgerückte Defensive der Borussia aushebelte. Auffällig und irgendwie positiv ist jedoch die Tatsache, dass der 22-Jährige immer wieder den Weg nach vorne sucht. Leider ohne wirkungsvolle Akzente dabei zu setzen. In der Folgezeit summierte sich die Fehlerzahl bei Jantschke enorm. Erst war er beim 1:2 ganz schlecht positioniert, so dass er Rudnevs nicht nachhaltig stören konnte, dann unterlief dem Rechtsverteidiger ein desaströser Ballverlust, der zur Elfmetersituation führte. Nach einem weiteren gravierenden Ballverlust gegen Ilicevic in der 74. Spielminute war dann kurz darauf Schluss für Jantschke. Duschen, Mund abputzen und neu fokussieren dürfte die Devise nun heißen. Note: 4-

Martin Stranzl: Was für ein Tag für den Österreicher. Erst köpfte er irregulärerweise das 1:1 nach einer Ecke (Stranzl hatte sich aufgestützt), dann „verschuldete“ er den Elfmeter durch van der Vaart, im Zuge dessen er dann auch noch die Rote Karte sah. Die TV-Bilder Beweisen: Stranzl hatte Kollege Ilicevic nicht berührt. Dennoch sollte ein derart erfahrener Innenverteidiger im eigenen Sechszehner so nicht zu Werke gehen, auch wenn man dem 32-Jährigen zugutehalten muss, das gestreckte Bein im letzten Moment eingezogen zu haben. Am Ende steht ein Spiel Sperre zu Buche – Hamburgs Ilicevic wird für seine Schwalbe nicht bestraft. Vielleicht tut dem Burgenländer die Pause einmal gut. In den letzten Wochen war Stranzl ohnehin ein wenig auf der Suche nach der eigenen Sicherheit. Note: 3

Alvaro Dominguez: Am Anfang des Spiels sichtlich unsortiert, steigerte sich der Spanier zusehends. In der 10. Minute unterlief Dominguez ein grober Fehlpass, der den Hamburgern einen verheißungsvollen Konter einbrachte. Fortan steigerte sich der 23-Jährige jedoch zu Gladbachs stabilstem Defensivspieler und zum besten Zweikämpfer auf dem Platz. 79 Prozent seiner Zweikämpfe konnte Dominguez am Ende für sich entscheiden. Apropos Ende: Sein Lucky Punch in der 91. Minute zum 2:2-Ausgleich dürfte ihm weiteren Auftrieb geben. Einziger Wehrmutstropfen: Die Gelbe Karte aufgrund seines Tor-Striptease. Note: 2-

Filip Daems: In der Spielanalyse des Kapitäns klafft ein großes Loch. Es war nicht viel zu sehen vom 33-Jährigen. Weder nennenswert erfolgreiche Aktionen nach vorne, noch allzu negative Momente in der Defensive. Daems spielte solide und seiner aktuellen Form entsprechend. Dennoch wünscht man sich aktuell einen echten Typen auf dem Platz. Ein Leitwolf. Jemand der den Ton verschärft und die Truppe zusammenhält. All das vermag Daems mit seiner eher ruhigen Art nicht zu erfüllen. Note: 3

Havard Nordtveit: Das Spiel gegen den Hamburger SV war eines seiner besseren. Zu Buche stehen u.a. ein starker Zweikampf in der 3. Minute gegen Ivo Ilicevic und ein unheimlich wichtiger gegen Son im eigenen Strafraum. Son hatte zuvor Jantschke getunnelt und stand danach relativ blank im Sechszehner. Neben einigen weiterhin gravierenden Abspielfehlern muss Nordtveit in einzelnen Situationen mehr Ruhe bewahren. So unterlief ihm beispielsweise in der 35. Minute ein dummes Foul unmittelbar an der Strafraumgrenze. Dumm deshalb, da Tony Jantschke abgesichert hatte und den Gegner hätte stellen können. Gegen den HSV gelang dem Norweger ein Assist – er schoss die Ecke zum 1:1. Nach der Roten Karte für Martin Stranzl agierte der 22-Jährige in der Innenverteidigung. Dabei machte er seine Sache für die gegebene Situation ordentlich. Note: 3

Granit Xhaka: Am 20-Jährigen Neuzugang scheiden sich langsam aber sicher die Geister. Der Schweizer verfügt ohne Wenn und Aber über eine hohe spielerische Klasse und große technische Möglichkeiten. Umsetzen konnte er dies im Trikot mit der Raute bislang allerdings nicht wirklich. Neben vielen Fehlpässen, die ihren vorläufigen Höhepunkt bei einem 15-Meter-Pass ins Aus fanden, gesellen sich immer wieder völlig pomadige Aktionen. In diesen Situationen –beispielsweise in der 42. Minute, als er einen Ball von Hanke in aller Seelenruhe annahm und verarbeitete – gibt er den Ball einfach so her und bringt seine Hinterleute in Bedrängnis. Geschieht dies durch eine fehlende Grundschnelligkeit oder aufgrund einer mentalen Langsamkeit? Vielleicht sollten ihn die Mitspieler einfach mal vor einem Hintermann warnen. Wäre man bösartig, würde man von der besten Aktion schreiben, als der 20-Jährige van der Vaart nach einem Foul vom Boden half.

Granit Xhaka leistete gegen Hamburg nichts Gewinnbringendes fürs Aufbauspiel, zeigte keine Ideen und nur selten so etwas wie Initiative. Vollkommen überflüssig war zudem eine Grätsche gegen den herauseilenden René Adler. Dies war nach seinem unnötigen Frustfoul im Spiel bei Bayer Leverkusen bereits die zweite Verfehlung dieser Art. Solche Aktionen will kein Fußballfan sehen. Über eine Rote Karte hätte sich Xhaka erneut nicht beklagen dürfen. Ohnehin hatte der 20-Jährige Glück nicht des Feldes verwiesen geworden zu sein. Unmittelbar nach seiner Verwarnung hätte der Schweizer die zweite Gelbe Karte wegen Trikothaltens sehen müssen. Granit Xhaka sollte sich in den kommenden Tagen auf die eigene Leistung konzentrieren – aktuell liegt seine größte Stärke eher im Geben von Interviews. Note: 4

Patrick Herrmann: Ein völlig verkorkster Tag für den 21-Jährigen. Dem Flügelflitzer gelang nicht eine nachhaltige Aktion. Der Höhepunkt in einem Spiel zum Vergessen war eine völlig verunglückte Flanke in der 20. Minute und ein grobes Missverständnis mit Granit Xhaka zehn Minuten später. Danach tauchte Herrmann völlig ab. In der 60. Minute musste der 21-Jährige dann, praktisch ohne einen weiteren Zweikampf gewonnen zu haben, verletzt raus. Note: 4-

Juan Arango: Wo ist „König Juan“ aus den ersten Partien der Saison? Die Analyse für das Spiel Arangos ist kurz beschrieben: Kaum Initiative, keine gelungene Aktionen bis zur 76. Minute, als er einen Freistoß ans Außennetz des Gehäuses setzte. In der 91. Minute machte der Venezolaner dann doch noch auf sich aufmerksam. Er spielte die Freistoßflanke in den Sechszehner, die Dominguez zum 2:2-Ausgleich nutzen konnte. Note: 4+

Mike Hanke: „Trainer du machst einen Fehler, wenn du mich draußen lässt“ – so ähnlich dürften die Gedanken des 28-Jährigen aussehen. Mit einer Leistung wie gegen den HSV wird das allerdings auch in den kommenden Wochen nichts mit einem Stammplatz. Was auf dem ersten Blick vielleicht teilweise noch ganz ordentlich und bemüht aussah, kann man auf dem Zweiten aber mal richtig vergessen. Mike Hanke ist aktuell nicht in der Lage einen Ball ordentlich anzunehmen, geschweige denn unter Kontrolle zu bringen. Auch die Bewegungen des Stürmers erscheinen oftmals völlig indisponiert. Am Ende des Tages stehen zwei Halbchancen und ein unglaublicher Wert von 75 Prozent verlorener Zweikämpfe auf dem Zettel. Damit war Hanke mit Abstand der schwächste Spieler auf dem Platz. Note: 5

Luuk de Jong: Er bricht durch, er bricht nicht durch, er bricht – das Einzige was bricht ist das Spiel der Borussia auf dem Weg zum Niederländer. De Jong ist und bleibt die ärmste Sau im Fohlenstall. Solange der Rekordeinkauf nicht die nötigen Anspiele von seinen Mitspielern bekommt, ist dieser auch bis auf weiteres nur bedingt zu bewerten. Gute Ansätze zeigte de Jong demnach in der 8. Minute, als er den Ball im Hintergrund aufnahm und einen Schuss aus dem Lauf einen knappen Meter neben das Tor von René Adler setzte. Zudem gelang ihm ein guter Doppelpass mit Mike Hanke in der 26. Minute. Völlig daneben war allerdings sein tödlicher Ballverlust unmittelbar vor dem 1:2. De Jong wollte den Ball abschirmen, verlor diesen aber am Hamburger Mancienne. Seine Auswechslung in der 57. Minute konnte man nur mit einem Achselzucken kommentieren. Lucien Favre wollte nach der Roten Karte mit Cigerci die Defensive stärken. So weit, so gut. Weshalb aber der erschreckend schwache Hanke statt des Niederländers auf dem Feld bleiben durfte , dürfte das Geheimnis des Schweizer Trainers bleiben. Note: 4+

Cigerci ab 57.: Der Deutschtürke erhielt während seiner Einsatzzeit zu keinem Zeitpunkt wirklichen Zugriff aufs Spiel. Zudem leistete er sich wie so oft einige teils tödliche Fehlpässe. Positiv ist nur, das der HSV die sich daraus ergebenen Konterchancen nicht ordentlich zu Ende spielte. Note: 4

Hrgota ab 60.: Der Schwede fügte sich relativ schnell ins Spiel ein. So spielte er einen ordentlichen Doppelpass mit Mike Hanke. Die anschließende Flanke reichte leider „nur“ zu einer Ecke. In der 91. Minute wollte der emsige Hrgota unbedingt einen Freistoß aus aussichtsreicher Position haben, den er schließlich auch herausholte, indem er sich geschickt in den Gegner hineindrehte. Den fälligen Freistoß nutze Juan Arango dann zur Torvorbereitung zum 2:2 durch Alvaro Dominguez. Note: 3-

De Camargo ab 76.: Der Belgier konnte sich nichtmehr nennenswert ins Spiel seiner Mannschaft einbringen. Dennoch auffällig: Der Stürmer kam trotz körperlicher Frische nahezu keinem Ball entgegen. Ohne Note

 

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 27. September
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