Borussia mit dem falschen System? Trainer Lucien Favre macht sich Gedanken

Seit Wochen moniert Gladbachs Trainer Lucien Favre die fehlende Durchschlagskraft und mangelnde Geschwindigkeit seiner Elf. Was gegen Gegner wie Norwich oder Alemannia Aachen noch so gerade ausreichte, wurde gegen eine Mannschaft wie Dynamo Kiew zum Stolperstein…

Die Erkenntnis des Champions-League-Playoff-Spiels ist klar und deutlich: Gladbach spielte sehr ordentlich mit – mehr auch nicht. Erneut fehlte es den Schützlingen von Trainer Lucien Favre neben der nötigen Erfahrung vor allem an der Offensivkraft und der Schnelligkeit zwischen den Linien. „Wir haben zu wenig richtige Bewegung in unserem Spiel – offensiv und defensiv. Es fehlt die Schnelligkeit in die Tiefe“, beschreibt der Schweizer das Problem.

Es fehlt an der richtigen Bewegung

Auf dem ersten Blick fehlt einer wie Marco Reus. Ein schneller, unberechenbarer Faktor im Spiel nach vorne. Bei der Borussia agiert man derzeit in einem recht straffen 4-4-2 mit Luuk de Jong und Igor de Camargo als rochierende Doppelspitze. Der Versuch, der schon in Aachen eher mäßige Resultate lieferte, dürfte mit dem Spiel gegen Kiew beinahe als gescheitert angesehen werden.

Der Niederländer und der Belgier werden in Zukunft wohl kein Pärchen auf Dauer werden, zu ähnlich sind sich beide in ihrer Spiel- und Laufweise. Luuk de Jong benötigt zweifelsfrei Zeit. Der Neueinkauf ist jedoch vor allem auf einen schnellen sowie agilen Zuspieler angewiesen. De Jong ist einer für die Box, keiner für die ganze Wiese – trotz seiner hervorragenden kämpferischen Fähigkeiten.

De Camargo wieder auf die Bank?

So könnte der eigentlich fitte Igor de Camargo schon bald wieder ins zweite Glied rücken. Lucien Favre wird bei aktuellem Ertrag nicht mehr lange mit zwei vollwertigen Stürmern spielen lassen. „Ich probiere weiter mit einem 4-4-2 zu spielen, aber unsere Stürmer sind zu ähnlich“, sagte er nach dem Spiel gegen Kiew und signalisierte zumindest bereits erste Gedanken an eine Systemänderung.

Gut möglich, das Hoffenheim die letzte Bewährungsprobe für das allzu gleiche Duo ist. Doch in welche Richtung denkt Favre? Wird der Schweizer das System erneut auf eine „echte“ Spitze umstellen? Geht er zurück auf das altbewährte System? Kandidaten für die alte „Reus-Position“ gibt es nicht viele. Alexander Ring wäre jemand der die schmerzlich vermisste Geschwindigkeit ins Spiel bringen und so für die nötige Durchschlagskraft sorgen könnte.

Younes nicht im Profikader – „Borussia Barcelona“ brauchte Zeit

Auf der Außenbahn zeigte der Finne jedenfalls mehrfach dementsprechende Ansätze. Die restlichen Kandidaten scheinen aktuell noch nicht so weit zu sein das Spiel der Borussias zu beschleunigen. Branimir Hrgota braucht Zeit, Patrick Herrmann ist auf der Suche nach Form und Physis und Peniel Mlapa hat nach seiner Verletzung noch Trainingsrückstand. Der Vierte im Bunde – Supertalent Amin Younes – ist aktuell nicht einmal im Kader der Profis. Stattdessen tankt der 19-Jährige in der U23 Spielpraxis.

4-2-3-1 oder 4-4-2 – Lucien Favre und seine Schützlinge haben noch einiges zu tun. Der Schweizer wirbt insgeheim bereits um Geduld. „Es wird noch dauern“, sagt Favre und meint damit die Feinabstimmung seiner Mannschaft. Den wenigen ungeduldigen Fans sei gesagt, dass der Schweizer auch in der vergangenen Spielzeit einige Spieltage gebraucht hat, um das Feintuning der Fohlen abzuschließen.

Vor dem 10. Spieltag war von „Borussia Barcelona“ nirgendwo die Rede. Lucien Favre wird wissen, was zu tun und an welchen Stellschrauben zu drehen ist. Der Erfolgstrainer bleibt deshalb auch ziemlich gelassen. „Ich bin sehr optimistisch“, sagt der Romand mit funkelnden Augen und seinem sympathischen, verschmitzten Lächeln. Es ist dieser typische Blick des Schweizers. Dieser Blick, der viel Hoffnung und Zuversicht verbreitet. (Foto: jdp-fotos.com)

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 22. August
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