Borussia Mönchengladbach: Ist nach der Rotation vor der Rotation?

Dass spielerisch schwache 0:0 auf Zypern ist beinahe vergessen. Szenen, die normalerweise dazu führen, das ein schnödes Fußballspiel länger in Erinnerung bleibt, gab es gegen den AEL Limassol wenig bis gar nicht zu verzeichnen. Im ersten Europapokal-Spiel nach 16 Jahren trat die Borussia mehr als farblos auf. Vorbei ist jene Herrlichkeit, die den VfL vor dieser Saison erst auf europäisches Terrain brachte.

In Nikosia hatte man beinahe den Anschein als wolle Lucien Favre politisch Flagge zeigen. Er, der aus dem Land kommt, das naturgemäß eine neutrale Haltung an den Tag legt, scheint nicht viel für Europa übrig zu haben. Zumindest im Fußball. Sechs Punkte gegen den vermeintlich schwächsten Gegner sind auf dem Weg ins Achtelfinale eigentlich vonnöten – Borussia rotierte sich lediglich zu einem Punkt.

Die Verantwortlichen wollen Kritik nicht gelten lassen

Mit Filip Daems, Juan Arango und Luuk de Jong blieben gleich drei „Stars“ in Mönchengladbach. Mit Martin Stranzl und Granit Xhaka saßen zu Beginn des Spiels zudem zwei weitere Stammkräfte nur auf der Bank. Für viele Beobachter hat sich Lucien Favre deshalb klassisch verzockt und eine gewisse Arroganz an den Tag gelegt. Diesen Vorwurf will man im Borussia-Park allerdings nicht so stehenlassen.

Der Schweizer Coach erklärt seitdem ununterbrochen, das diese Maßnahme von längere Hand geplant gewesen sei  und auch gegen die beiden anderen Gruppengegner – Olympique Marseille und Fenerbahce Istanbul – so betrieben worden wäre. Sportdirektor Max Eberl wurde derweil weitaus deutlicher und ging medial in die Offensive: „Die Leute, die das sagen, haben keine Ahnung. Wenn man einem Trainer, der hier 18 Monate fantastisch arbeitet, eine Entscheidung übelnimmt. Ein Trainer, der tagtäglich mit der Mannschaft trainiert, tagtäglich die Jungs sieht und das Gespür hat, was das Beste am heutigen Tage ist.“

Favre selbst wollte das knappe Unentschieden dann auch nicht an der frühen Rotation festmachen. „Es war ok. Sie sind viel gelaufen, sie haben viel gekämpft. Wir haben probiert das Spiel zu machen, aber wir müssen auch sehen, dass wir die Chancen nicht genutzt haben.“ Die Situation der Borussia lässt deshalb gleich mehrere Sichtweisen zu. Das Unentschieden an der Rotation des Trainers festzumachen, wäre wohl zu einfach. Es ist geradezu hypothetisch zu sagen, das Borussia Mönchengladbach in Bestbesetzung auf Zypern gewonnen hätte. Der Hauptkritikpunkt dürfte vielmehr die fehlende Eingespieltheit der Mannschaft sein.

Favre warnt vor Bayer Leverkusen

Woche für Woche schlägt Favre in dieselbe Kerbe. Seine Mannschaft sei noch nicht so weit. Es fehle die Abstimmung, es fehlen die Laufwege – das alles bräuchte Zeit. Limassol wäre ein guter Gegner zum Probieren, Studieren und Einspielen gewesen. Doch das wohl spielerisch schwächste Spiel in der Amtszeit des Schweizers ist nun abgehakt.

Nur drei Tage nach dem mageren 0:0 steht schon das nächste wichtige Spiel auf der Agenda. Am Sonntag ist die Borussia in der Leverkusener BayArena zu Gast. Ein Spiel zwischen zwei Teams, die bislang eher mau in die Saison gestartet sind. Die Werkself steht mit drei Punkten aus drei Spielen lediglich einen Punkt schlechter da als die Elf vom Niederrhein. Zudem enttäuschte Bayer am vergangenen Donnerstag in der Europa-League ebenfalls. Gegen Metalist Charkow kam die Mannschaft lediglich zu einem schwachen 0:0.

Und so geht es für beide Mannschaften am Sonntag bereits um eine ganze Menge. Dem Verlierer drohen nicht gerade stressfreie Wochen. Lucien Favre warnt bereits naturgemäß vor der starken Leverkusener Mannschaft. „Leverkusen ist zu Hause sehr kompakt und wird versuchen, ein Pressing gegen unsere zentralen Abwehrspieler zu spielen“, weiß Favre und fügte hinzu: „Ich habe das letzte Heimspiel von Leverkusen gesehen. Da hatte Freiburg keine einzige Torchance, weil Bayer sehr gut verteidigt hat.“

Findungsphase in der die Findung erschwert wird – rotiert Favre erneut?

Das Team des Trainerduos Sami Hyypiä und Sascha Lewandowski dürfte nicht das Kernproblem der Borussia sein. Favre weiß vielmehr um die aktuellen Schwächen seiner Mannschaft. Innenverteidiger Martin Stranzl, der gegen Limasoll von der Ersatzbank aus den perfekten Blick gehabt haben wird, spricht die Gedankenwelt der Mannschaft derzeit knallhart aus: „Bei uns läuft noch nicht alles rund. Wir sind dabei, uns gerade zu finden und eine andere Spielanlage zu entwickeln. In einer solch schwierigen Phase muss man in der Bundesliga punkten. Darauf wird es für uns ankommen.“

Borussia Mönchengladbach befindet sich in der Findungsphase und darf sich doch nicht finden. Favre, der die Formation für das wichtige Gastspiel am Rhein bereits im Kopf hat, wird die Mannschaft möglicherweise erneut ordentlich durcheinanderwirbeln. Während Filip Daems, Juan Arango und Luuk de Jong wieder in die Mannschaft zurückkehren werden, stehen die bislang wenig beachteten Lukas Rupp und Thorben Marx auf dem Sprung in die Elf.

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 22. September
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