Borussia: „Wenn wir so weitermachen, müssen wir richtig aufpassen“

Es gibt Tage, an denen man am besten im Bett geblieben wäre. Der vergangene Sonntag war so einer für die Borussia aus Mönchengladbach. Ganze drei Minuten nahm die Mannschaft von Lucien Favre aktiv am Geschehen auf dem grünen Rasen Teil. Ein Außenristpass von Juan Arango über 50 Meter mit der Präzision eines Chirurgen riss die Abwehr der Leverkusener in Stücke – der einlaufende Patrick Herrmann musste „nur“ noch gekonnt zum 1:0 für den VfL einschieben. Mehr Positives gab es nicht zu berichten.

Eigentlich. Positiv ist einzig die Tatsache, das die hoffnungslos unterlegene Borussia irgendwie noch einen völlig unverdienten Punkt über die Zeit rettete. 29:6 Torchancen für die Mannschaft aus Leverkusen und eine unfassbar schlechte Zweikampfquote vor allem in der ersten Halbzeit (36 Prozent) zeigen, wie schwer die Probleme der Elf vom Niederrhein derzeit wiegen.

Bademeisteralarm in der Defensive

Borussias Defensive – ein Hühnerhaufen. Alvaro Dominguez, der in den Planungen der Verantwortlichen die Rolle des neuen Abwehrchefs bekleiden soll, kann diese Aufgabe bislang nicht einmal annähernd ausfüllen. Gegen Bayer Leverkusen fand sich der Spanier sogar auf der harten Ersatzbank wieder.

Seine Kollegen Martin Stranzl und Roel Brouwers hatten gegen Bayer Leverkusen dagegen Schwimmunterricht. Ohne Bademeister. Bei den Angriffen der Leverkusener zeigte sich allen voran der sonst so stabile Österreicher Stranzl als Unsicherheitsfaktor.

Probleme beginnen weiter vorne

Das Problem alleine an der Innenverteidigung festzumachen wäre allerdings zu einfach. Der Knackpunkt ereignet sich bereits weiter vorne. Der Spielaufbau der Borussia ist aktuell kaum ligatauglich. Vor allem Gladbachs Doppelsechs ist diesbezüglich in „seriöser Gefahr“. Haben Havard Nordtveit oder Tolga Cigerci den Ball, ist er auch schon wieder weg. Besonders haarsträubend: Beide Protagonisten schaffen es oftmals nicht den Ball über fünf Meter an den eigenen Mitspieler zu bringen.

Für das auf Ballbesitz ausgerichtete Spiel der Mannschaft von Lucien Favre sind genau diese unglaublichen Fehler pures Gift. „Wir haben keine zwei Bälle nacheinander spielen können“, unterstrich Granit Xhaka die Problematik. „Ich weiß nicht, was wir heute gemacht haben. Im Training spielen wir nur Kurzpässe, hier haben wir jeden Ball hoch gespielt oder weggehauen.“

Sportdirektor Max Eberl, der von der Bank wohl einen der besten Blickwinkel hatte, sagte deutlich: Leverkusen konnte eine Welle nach der anderen spielen, weil wir zu viele Ballverluste hatten. Wir müssen bei Ballbesitz wesentlich sicherer agieren.“ 29 Torchancen für den Gegner – unter der Ägide Lucien Favres wohl ein Novum. Auch in der noch jungen Bundesligasaison ist dieser Wert ein ligaweiter Rekord.

Ter Stegen hält den Punkt fest

Dass Borussia Mönchengladbach dennoch den fünften Punkt im vierten Bundesligaspiel feiern konnte, lag einzig und alleine am Glück (Elfmeter an den Pfosten) und in Person von Torhüter Marc-André ter Stegen. Der 20-Jährige warf sich aufopferungsvoll in jeden Ball, der auf sein Gehäuse kam. „Leverkusen hatte fast im Minutentakt Chancen. Wäre Marc nicht gewesen, hätten wir 5:1 oder höher verloren“, sagte Granit Xhaka.

Mike Hanke führte den Gedanken weiter: „Ich kann mich nicht erinnern, dass wir hinten mal so viele Chancen zugelassen haben.“ Das Duell der beiden Rivalen – Bernd Leno und Marc-André ter Stegen – es war ein verdammt einseitiges. Der junge Bayer-Keeper musste in 90. Minuten nicht einmal wirklich eingreifen.

Die seriöse Gefahr ist nicht wegzudiskutieren

„Wenn wir so weitermachen, müssen wir richtig aufpassen“, gab der zuvor 90 Minuten lang enttäuschende Granit Xhaka zu Protokoll. Und er hat recht. „Die Mannschaft ist in seriöser Gefahr“, hatte sein Trainer Lucien Favre nach dem verlorenen Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg gesagt. Was er damit meinte, war den meisten Beobachtern bis Sonntag nicht klar. Was erzählt der Schweizer da? Borussia Mönchengladbach ist in Gefahr?

Ist sie. In der aktuellen Verfassung kann und darf nicht über das obere Tabellendrittel gesprochen werden. Die Qualität ist nicht gegeben. Vielleicht ist sie noch verschüttet – eine rasche Zutageförderung ist allerdings nicht abzusehen. Und so wird das Heimspiel gegen den Hamburger SV am kommenden Mittwoch zu einem echten Schlüsselspiel. Vielleicht ist dies, ohne künstliche Brisanz reinzubringen, das wichtigste Spiel des VfL seit der Relegation vor knapp eineinhalb Jahren.

Schlüsselspiel gegen den HSV

Gewinnt die Mannschaft von Trainer Lucien Favre diese Partie, ist sie mit acht Punkten völlig im Soll. Verliert sie, könnte mit einem weiteren Genickbruch bei Borussia Dortmund am kommenden Samstag, so hart das klingt, erst einmal der Abstiegskampf für Borussia Mönchengladbach beginnen. Eine Situation, die durch die Dreifachbelastung und die fehlende Balance innerhalb des Teams, wirklich gefährlich werden könnte.

Es gilt nun also alle Kräfte zu bündeln und die einfachsten aller Tugenden hervorzuholen. Leidenschaft, Kampf und ein sauberer Spielaufbau – drei Zutaten für ein ordentliches Spiel gegen den wiedererstarkten Hamburger SV. „Gegen den HSV am Mittwoch müssen wir sehr vieles besser machen“, sagte Granit Xhaka in den Katakomben der BayArena. Lucien Favre hat nun die undankbare Aufgabe in der Kürze der Zeit wieder die nötige Ordnung in das Spiel von Borussia Mönchengladbach zu bekommen. (Foto: jdp-fotos.com)

PS: Kennst du schon unseren kostenlosen Newsletter? »Hier« kannst du unseren kostenlosen Newsletter abonnieren.

veröffentlicht von Björn Brodermanns am 24. September
Diesen Artikel empfehlen:
 
Kommentieren via Facebook neu