Borussia: Neue Zielsetzung droht – die Mannschaft geht an sich selbst zugrunde

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Auch in Mönchengladbach hält man viel von der einstigen Aussage des alten Trainers Sepp Herberger. Alles wird gut. Bald schon. Wenn nicht nächste Woche dann halt in der übernächsten. Die Borussia benötigt Zeit für ihren Umbruch nach dem Verlust ihres Rückgrates. Sämtliche Protagonisten werden nicht müde für jene zu werben.

Doch hat die Mannschaft diese Zeit? In der Bundesliga werden Phasen wie die aktuelle gnadenlos bestraft. Ein Punkt in Leverkusen, nun einen zuhause gegen den HSV – noch ist dem VfL das Glück holt. Noch. Das Reservoir für die Saison dürfte dahingehend beinahe aufgebraucht zu sein. Bereits in der letzten Woche mahnte Granit Xhaka: „Wenn wir so weitermachen, müssen wir richtig aufpassen.“ Sein Trainer Lucien Favre warnte bereits einige Tage zuvor: „Die Mannschaft ist in seriöser Gefahr.“

Favre weiß um die Situation – Eberl sieht gefährliche Entwicklung

Nun ist sie auch für diejenigen, die den Schweizer nicht verstanden haben, greifbar. Die Gefahr. Sechs Punkte hat die Borussia bislang auf dem Habenkonto – zwei Punkte mehr als es die eigene Leistung gebietet. Gut so. Denn in Mönchengladbach kommt man langsam aber sicher auf den harten Boden der Tatsachen zurück. „Die Spieler lassen sich von den Erwartungen beeinflussen, die von Außen hereingetragen werden, sagte Sportdirekor Max Eberl und ergänzte: „Das sieht man auf dem Platz. Es ist eine gefährliche Entwicklung, die in den letzten Spielen zu sehen war. Jeder muss sich an die eigene Nase fassen, alle müssen hellwach sein und an die Leistungen der Vorsaison anknüpfen. Sie können ja Fußball spielen.“

Desolate Quote: Jeder 4. Pass zum Gegner

Sie können es. Vielleicht. Ganz bestimmt sogar. Aktuell scheint indes jegliche fußballerische Klasse verschüttet zu sein. Das Passspiel – eine einzige Katastrophe und erstligawürdig. Die Laufwege sind zudem entweder nicht bekannt oder werden schlichtweg nicht verstanden. Borussia steckt in der Falle des eigenen unzulänglichen Aufbauspiels. Unglaubliche 25 Prozent aller Zuspiele landen beim Gegner. Jeder 4. (!!!) Pass. Dabei sind die leichten Ballverluste der teils schwachen Zweikampfführung nicht eingerechnet.

Borussias Spiel geht an sich selbst zugrunde – ohne das der Gegner großartig etwas dazu könnte. Die Gegner, die der Mannschaft von Trainer Lucien Favre richtig wehtun könnten, kommen erst noch. Am Samstag geht es für die Fohlen vor über 80.000 Zuschauern gegen den BVB. Die aktuelle Schwächeperiode des Meisters dürfte für Gladbach dabei nicht unbedingt zuträglich sein. Die Mannschaft von Trainer Jürgen Klopp will den Bock unbedingt umstoßen und wird demnach keinen Grashalm im Signal-Iduna-Park kampflos hergeben.

34 Punkte sollten das vorrangige Ziel sein

Dabei ist die Elf vom Niederrhein beinahe zum Punkten verdammt. Ein Blick auf die Tabelle genügt. Mit einer möglichen Niederlage in Dortmund begänne in Mönchengladbach, so hart das klingt, der Abstiegskampf. Geht man nach dem Entwicklungsstand und der momentanen Verfassung des Teams, darf man aktuell nur eine Zielsetzung zulassen: Möglichst zügig 34 Punkte sammeln. Dass sich diese „neue“ Mannschaft schnell findet, ist derzeit nicht abzusehen. Gründe dafür sind nicht ersichtlich, vielversprechende personelle Alternativen zudem Mangelware.

Von Spiel zu Spiel schauen und sich langsam der eigenen Stärken besinnen – die Mannschaft muss in diesen Tagen den Kopf oben behalten. Ähnlich sieht es auch Martin Stranzl, der wegen seiner unberechtigten Roten Karte für ein Pflichtspiel gesperrt wurde: „Es ist eine schwierige Phase, aber wir dürfen uns nicht zu schlecht machen. Selbstkritik ist okay, aber es bringt nichts, sich selbst herunter zu ziehen.“

„Borussia Barcelona“ aus den Köpfen streichen

Am Samstag geht es zum BVB, danach sind Fenerbahce Istanbul und die Überraschungsmannschaft aus Frankfurt zu Gast im Borussia-Park. Drei Spiele also um den Team-Charakter unter Beweis zu stellen und den Weg zurück zu alter Stärke zu finden. „Jetzt müssen wir dahin kommen, uns wieder die Sicherheit und die Möglichkeiten zu erarbeiten. Das geht nur über die Grundtugenden des Fußballs: Zweikämpfe führen, Zweikämpfe gewinnen und aktiv im Spiel sein. Darüber können wir uns auch das Selbstvertrauen zurückholen“, unterstreicht Max Eberl den Weg der kommenden Wochen.

Geschenkt wird den „Himmelsstürmern“ der vergangenen Saison nichts. „Borussia Barcelona“ ist Geschichte – das sollte langsam jedem Protagonisten auf der grünen Wiese klar sein. (Foto: jdp-fotos.com)

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 27. September
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