Borussia spielt Rasenschach: Lucien Favre hat es immer gewusst

Die Gladbacher Borussia kam gegen Hertha BSC Berlin nicht über ein 0:0 hinaus und verbleibt weiter in einer „Ergebniskrise“. Vier Heimspiele ohne Sieg, und nur ein „Dreier“ aus den vergangenen sieben Partien – die Krönung der so starken Saison droht noch zu platzen. Gegen Berlin zeigte die Borussia Rasenschach von der ganz üblen Sorte. Dass dies so kommen würde, wusste Lucien Favre  schon vor Monaten …http://www.nach-dem-spiel-ist-vor-dem-spiel.com/wp-includes/js/tinymce/plugins/wordpress/img/trans.gif

„Wir dürfen in Mönchengladbach nie vergessen, wo wir noch vor Monaten waren. Es ist die gleiche Mannschaft.“ – so oder im ähnlichen Wortlaut konnte man Gladbachs Trainer Lucien Favre beinahe nach jedem Spiel reden hören. Manch einer der anwesenden Journalisten als auch viele Fans mochten da nicht mehr zu hören. Der allgemeine Satz war: „Wann hört dieser Mann eigentlich auf tief zu stapeln?“

Aus der anfänglichen sympathischen Zurückhaltung wurde mit der Zeit ein leicht nervendes Statement. Spätestens am 15. Spieltag,  eine Woche nach einem herausragenden 3:0 Derby-Erfolg in Köln, als die Borussia ohne den verletzen Marco Reus ein Wahnsinnsspiel gegen Borussia Dortmund hinlegte (1:1), galt der VfL als absolutes Spitzenteam der Liga. Meistertrainer Jürgen Klopp adelte damals: „Falls es noch irgendeines Beweises bedurft hätte, dass Gladbach eine Spitzenmannschaft ist, dann war es dieses Spiel.“

Lucien Favre hatte für die Aussage Klopps nur ein müdes Lächeln übrig. Wie so oft, wenn Borussia Mönchengladbach in dieser Spielzeit in den Himmel gelobt wurde. „Es war verdient, das ist klar“, war stets die Aussage des Romands, um schnell hinterher zu fügen: „Es kommen noch andere Spiele. Wir dürfen nicht vergessen, wo wir waren. Die selbe Mannschaft hatte Mühe die Klasse zu halten.“ 

Dem Schweizer war klar, dass seine Mannschaft dieses Level nicht würde halten können. Gladbach spielte monatelang am absoluten Maximum und darüber hinaus. Wann die Elf vom Niederrhein einbrechen würde, war die Frage. Nicht ob. Vor allem aber wie sehr. Lucien Favre sollte recht behalten. Nun, in den letzten Wochen der Saison, erlebt Borussia Mönchengladbach eine Art „Einbruch“. Das Wort Einbruch ist eigentlich zu hart gewählt. Viel mehr sind es marginale Werte, die derzeit in der Leistung fehlen.

Für Lucien Favre machen jene marginalen Unterschiede multipliziert mit zehn Spielern immerhin 15 % Leistungsverlust aus. So äußerte sich der Schweizer Coach vor dem Spiel gegen die Berliner Hertha: „Die fehlenden 15 Prozent müssen wir schnell wieder finden. Wir dürfen jetzt aber nicht vergessen, wo wir herkommen und müssen weiter um jeden Punkt kämpfen.” 

Negativer Höhepunkt gegen Berlin erreicht

Da war er wieder. Dieser Satz, der bei einigen Fans der Gladbacher in den letzten Monaten bereits Zornesröte hat ins Gesicht steigen lassen. Und dennoch: Lucien Favre hatte recht. Wie so oft. Wie eigentlich immer. Das Heimspiel gegen die abstiegsbedrohten Berliner war der wohl bislang negative Höhepunkt, in dieser ansonsten so hervorragenden Spielzeit. Beim schwachen 0:0 bot sich den Beobachtern Rasenschach der ganz üblen Sorte. Rehhagels Berliner konnten nicht – Favres Fohlen konnten nicht mehr. Die Beine müde, der Kopf schwer: Borussia mühte sich ohne jegliche Kreativität durch die 90 Minuten und ließ dabei zudem jede Art von Präzision sowie Genauigkeit in den Aktionen vermissen.

Sein frühes Ausscheiden darf nicht als "Entschuldigung" für ein schwaches Spiel herhalten - Marco Reus (Foto: jdp-fotos.com)

Die frühe verletzungsbedingte Auswechslung von Marco Reus kann und darf da nicht als Entschuldigung herhalten. Immerhin standen zehn weitere, teils hoch veranlagte Akteure auf dem Platz, die in der Lage sein sollten, eine Mannschaft wie Berlin, auch wenn sie derart tief steht, zumindest in Verlegenheit zu bringen. Aus Gladbacher Sicht besitzt leider derzeit niemand nur annähernd die Form vergangener Monate. Lucien Favre hatte also recht.

Und da der Schweizer bekanntlich recht hat, sollte man auch nicht weiter auf die Mannschaft eindreschen. Immerhin muss man „bedenken, wo diese Mannschaft herkommt“. Trotzdem ist aufpassen angesagt. Während der dritte Tabellenplatz in immer weitere Ferne rückt, sollte die Mannschaft dennoch noch einmal alle Kräfte bündeln, um in den verbleibenden fünf Partien wichtige Punkte zur Verteidigung des aktuellen Tabellenplatzes zu sichern .

Derzeit ist es also mindestens genauso wichtig den Satz „Man sollte nicht vergessen zu punkten, sonst sieht man in vier Wochen, wo man plötzlich steht und nicht mehr stehen wollte.“ hinterher zu schicken …

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 09. April
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