Borussia: Ter Stegen bester Gladbacher – Doppelsechs desaströs

Die Partie zwischen Bayer Leverkusen und Borussia Mönchengladbach war für die Gäste eine spielerische Bankrotterklärung. Das 1:1 war dementsprechend mehr als nur schmeichelhaft. Wir haben ein bisschen genauer hingesehen und den Spielern ein Zeugnis ausgestellt.

Marc-André ter Stegen: Borussias Keeper hatte einen ereignisreichen Tag zu verleben. Sofern es so etwas wie einen Matchwinner in der Mannschaft gab, kann dieser nur ter Stegen heißen. Bis auf das 1:1 durch Kadlec, bei dem der 20-Jährige nicht den Hauch einer Abwehrchance hatte, wehrte er alle Torschüsse der Leverkusener ab. So kam Marc-André ter Stegen auf insgesamt acht teilweise hervorragend entschärfte Chancen. Zudem spielte Gladbachs Keeper wie gewohnt hervorragend mit und antizipierte einige gefährliche Situationen.

Doch auch beim 20-Jährigen gibt es Kritikpunkte: Das Training mit Uwe Kamps scheint „Früchte“ zu tragen. Ter Stegen flattert immer öfters im Stile des einstigen Keepers durch die obere Etage des Sechszehners. Dies hat erhöhtes Herzinfarktrisiko bei Ecken des Gegners zufolge. Auch bei den Abstößen lässt sich eine gewisse Streuung nicht von der Hand weisen. Bei Marc-André ter Stegen ist die Kritik allerdings Meckern auch ganz hohem Niveau. Ohne ihn hätte seine Mannschaft in der BayArena wohl vier, fünf Gegentore bekommen. Note: 2

Tony Jantschke: Borussias Rechtsverteidiger war maßgeblich am Gegentor durch Kadlec beteiligt, ohne jedoch allzu große Schuld daran zu haben. Auf dem ersten Blick ging der Treffer der Leverkusener ganz klar auf die Kappe des 22-Jährigen. Jantschke war zu weit nach innen gerückt – so stand Kadlec in dessen Rücken blank. Die ganze Wahrheit sieht allerdings anders aus. Kollege Patrick Herrmann hätte in dieser Situation eigentlich bei Kadlec sein müssen. Als Rechtverteidiger hast du die Aufgabe weiter in die Mitte zu rücken. Herrmann war allerdings nicht beim Torschützen und kam erst im letzten Moment hinterhergehuscht. So trifft Jantschke allenfalls eine Teilschuld.

In der Folgezeit hatte der 22-Jährige dennoch immer wieder arge Probleme mit dem Tschechen, der in dessen Rücken immer wieder mit viel Geschwindigkeit agierte. In der 53. Unterlief Gladbachs Rechtverteidiger zudem ein gravierender Fehler, als er Schürrle am Seitenaus aufgrund einer überhasteten Abwehrbewegung gewähren ließ und Martin Stranzl so in einen harten Zweikampf zwang, der letztlich die Gelbe Karte für den Österreicher zur Folge hatte. Note: 3-

Roel Brouwers: Bademeisteralarm Teil I: Wie alle Beteiligten in der Situation rund um den Ausgleich ohne Zugriff und nicht Herr der Lage. In der 55. Minute hatte der Niederländer noch Glück, als er im Sechszehner reingrätschte und den Ball nicht traf. Hier hätte es gereicht, wenn sich Brouwers seinem Gegenspieler entgegengestellt hätte, statt unsauber am Boden zu agieren. Die spätere Elfmeterentscheidung gegen ihn war dann völlig korrekt. Der zunächst angelegte Arm des Abwehrspielers ging im letzten Moment noch einmal raus und hinderte Bayer so an einer Flanke. Roel Brouwers hatte zu keinem Zeitpunkt wirklich Zugriff auf seine Gegenspieler und war nur selten Herr der Lage. Allerdings muss man ihm, genauso wie seinen Kollegen zugutehalten, dass die Fehler bereits im extrem schwachen Aufbauspiel gemacht wurden. Note: 3-

Martin Stranzl: Bademeisteralarm Teil II:  Der Österreicher spielte eine für seine Verhältnisse unglaublich unkonzentrierte und schwache Partie. Bei Stranzl reihte sich Fehler anFehler. Vor allem in der 41. Minute, als er Schürrle gewähren ließ und dieser frei vor dem Gladbacher Gehäuse auftauchte. Der Österreicher sah in der 53. Spielminute die Gelbe Karte, als er Schürrle „gnadenlos“ umgrätschte. Kollege Jantschke hatte ihn allerdings mit einem groben Schnitzer erst in diese Situation gebracht. Note: 4

Filip Daems: Der Belgier hatte an jenem Nachmittag eine denkbar schwere Aufgabe zu meistern. Auf seiner Seite tummelten sich zumeist die extrem schnellen Karim Bellarabi und Daniel Carvajal. Obwohl das Duo ordentlich „Musik“ machte, hatte Daems die beiden Sprinter vor allem im Verlauf des Spiels mehr als ordentlich unter Kontrolle. Am Ende war der Oldie so Gladbachs bester Mann in der Abwehr. Ganz stark dabei seine Rettungstat(en) in der 26. Spielminute, als er zweimal auf der Linie rettete. Note: 3+

Havard Nordtveit: Viel zu sagen gibt es über Borussias Norweger nicht. Zwei Worte würden genügen: erschreckend schwach. Zu keinem Zeitpunkt hatte Nordtveit einen ausreichenden Zugriff auf das Geschehen im defensiven Mittelfeld. Absolut gravierend ist seine extrem hohe Fehlerquote im Spielaufbau. Der Norweger schaffte es einmal mehr nicht, den Ball über fünf Meter an den Mitspieler zu bringen. Einzige positive Aktion: In der 60. Minute grätschte er den einschussbereiten Bellarabi erfolgreich ab. Dennoch ist die (Nicht-)Leistung von Havard Nordtveit, die sich schon seit Wochen andeutete, durch nichts zu entschuldigen. Note: 5

Tolga Cigerci: Die Leihgabe vom VfL Wolfsburg ist ähnlich einzuschätzen wie Kollege Havard Nordtveit. Auch er hatte zu beinahe keinem Zeitpunkt einen Zugriff aufs Mittelfeld und zeigte dabei ein ligauntaugliches Passspiel im Aufbau. In der momentanen Verfassung hat Cigerci in der Startelf der Borussia nichts zu suchen – leider fehlen Favre die adäquaten Alternativen. Seine Auswechslung in der 65. Spielminute war die einzig richtige und logische Maßnahme. Note: 5

Patrick Herrmann: Das Spiel des Flügelflitzers ist schnell erklärt. Die Ballmitnahme nach Arangos Pass vor dem 1:0 war technisch hervorragend. Zudem nutzte er die Chance eiskalt. Danach passierte nicht mehr viel. Kaum eine Aktion ging noch von Herrmann aus, kaum ein Zweikampf wurde von ihm gewonnen. Zudem war es der 21-Jährige, der beim 1:1 bei Torschütze Kadlec hätte sein müssen. Patrick Herrmann zeigt einmal mehr, dass ihm die nötige Klasse ohne einen Marco Reus an seiner Seite fehlt. Das Spiel an sich zu reißen gelingt ihm nicht, stattdessen zeigt sich Herrmann als klassischer Mitläufer. Note: 3-

Granit Xhaka: Nach dem ordentlichen Auftritt im Spiel gegen Nürnberg waren die Stimmen nach einer Beorderung Xhakas auf die „Zehn“ oder „Neuneinhalb“ groß – auch von dieser Seite aus. Möglicherweise zu unrecht. Dem Schweizer gelang bei Bayer Leverkusen nahezu nichts. Kaum gewonnene Zweikämpfe und nur wenige Impulse. Entschuldigend ist lediglich die Tatsache, dass es kaum ein Ball überhaupt zu ihm schaffte. Von einem selbsternannten „Anführer“ darf dennoch mehr erwartet werden. Überflüssig war eine Aktion in der 62. Minute, als er einen Leverkusener mit einem völlig übertriebenen Frustfoul von den Beinen holte. Dafür gab es die Gelbe Karte. Über den roten Karton hätte sich Xhaka allerdings nicht zu wundern brauchen. Note: 4

Juan Arango: Der Start des Venezolaners war genial. Mit einem sensationellen Außenristpass über 50 Meter hebelte er die gesamte Hintermannschaft der Leverkusener aus. Patrick Herrmann erziele im Zuge dieser Aktion dann das 1:0 für den VfL. In der Folgezeit gelang Arango allerdings nicht mehr viel. So wurde der abgetauchte 32-Jährige zunehmend zum Problem von Filip Daems. Arango schaltete sich nur selten in die Defensive ein und öffnete somit vor allem Carvajal über die linke Außenbahn sämtliche Türen. Note: 3-

Luuk de Jong: Der Niederländer war einmal mehr die „ärmste Sau“ auf dem Platz. Kaum ein Ball fand den Weg zu ihm in die Spitze und wenn ja, verlor er ihn umgehend. Am Ende steht der unglaubliche Wert von 87 Prozent verlorenen Zweikämpfen. Bei den wenigen Aktionen gelang de Jong nichts. Ungenaue Ballablagen, klägliche Fehlpässe und Bälle, die er nicht zu kontrollieren vermochte, waren die Regel. Seine Auswechslung in der 65. Minute war dahingehend logisch. Note: 4-

Igor de Camargo ab 65.: Machte es nicht besser als Kollege de Jong. Einzige positive Aktion war eine ordentliche Flanke aus dem Halbfeld auf Mike Hanke in der 70. Spielminute. Ohne Note

Mike Hanke ab 65.: Brachte es nur zu zwei Halbchancen durch Kopfbälle. Ohne Note

Lukas Rupp ab 81.: Direkt nach seiner Einwechslung verlor er den Ball in der eigenen Hälfte gegen Carvajal. Im Verlauf lediglich defensiv beschäftigt – mit ordentlicher Arbeit. Ohne Note

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 24. September
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