Borussia und die Suche nach der Sicherheit

Sicherheiten sind im Fußballgeschäft rar gesät. Eine Saison ist im Normalfall von einigen Höhen und auch Tiefen geprägt. Eine andere Sicherheit, die des eigenen Spiels, ist der Borussia aus Mönchengladbach abhandengekommen. Die Mannschaft von Trainer Lucien Favre macht sich das Leben durch leichtfertige Fehler im Spielaufbau aktuell schwerer als es ohnehin schon ist. Der Schweizer hat das Problem erkannt und mahnt nun alte Tugenden hervorzuholen.

„Wir hatten zu viele Ballverluste. Manchmal haben wir den Ball zu einfach verloren. Dann musst du dem Ball hinterherlaufen. So ist es schwer, das Spiel zu machen“, sagte Lucien Favre im Rahmen der PK vor dem Spiel gegen den Hamburger SV und legte die Finger in die Wunde der Mannschaft. Es ist eine klaffende, immer wieder aufreißende. Die Borussia lähmt sich mit ihrem eigenen Spiel, lähmt sich durch den eigenen, teils desaströsen Spielaufbau.

Alte Tugenden gefordert

Was sich Woche für Woche immer mehr steigerte, fand beim Gastspiel in Leverkusen seinen vorläufigen Höhepunkt. Nun fordert Gladbachs Erfolgstrainer alte Tugenden neu zu beleben. Damit meint er jene Fähigkeiten, die der Mannschaft seit seinem Amtsantritt im Februar 2011 eine hervorragende Ordnung auf dem Platz bescherten.

Richtige Verteidigung, die richtigen Bewegungen in die Tiefe, Kampf und Leidenschaften – die einfachen Grundlagen des Fußballs, die in Perfektion den Unterschied ausmachen. Im Hinblick auf den Hamburger SV sagt Favre: „Sie haben eine gute Mannschaft, aber wir müssen auf uns schauen und unser Spiel machen. Nach Möglichkeit müssen wir mehr Druck erzeugen und sicherer in der gegnerischen Hälfte sein, um Chancen zu kreieren.“

„Müssen höher spielen“

Mehr Druck und die alte Sicherheit – ist das der Schlüssel zu alter und neuer Stärke? Für den Schweizer ist dies nur die halbe Miete. „Wir dürfen nicht vergessen, richtig zu verteidigen“, prangert der Romand (zurecht) an. Gladbachs Abwehr ist gefragt. „Wir müssen probieren höher zu spielen“, nennt Favre die Problematik in der Defensive.

Damit die Verteidigung in der Lage ist höher zu stehen, muss Borussias „Doppelsechs“ allerdings erst einmal die Zentrale weitestgehend dicht  halten und eine geringere Fehlerquote im Spielaufbau an den Tag zu legen. Eine der Überlegungen Favres dürfte deshalb sein, Granit Xhaka wieder in den defensiveren Part zurückzubeordern. Der Schweizer ist noch der sicherste Protagonist aus dem Kreis der favreschen Möglichkeiten.

Richtige Bewegung von höchster Wichtigkeit

Doch auch das Spiel nach vorne kommt aktuell noch etwas verlangsamt daher. Lucien Favre fordert diesbezüglich Geduld, nimmt aber auch die Spieler in die Pflicht und gibt eine klare Marschroute vor: „Es gibt verschiedene Möglichkeiten – mit zwei Stürmern oder mit der „Neuneinhalb“. Wichtig ist für mich, egal wer spielt, die richtige Bewegung und die Läufe nach vorne.“

Die richtige Bewegung, der Lauf in die Tiefe und ein sauberes Passspiel – es käme nicht zuletzt Sturmhoffnung Luuk de Jong zugute. Der Niederländer benötigt dringend Zuspiele um jene Leistung auszubauen, die er im vergangenen Heimspiel gegen Nürnberg bereits mehr als andeutete. Mittelfeldspieler Havard Nordtveit hat die Worte seines Coachs derweil anscheinend verstanden und gibt sich gegen den Bundesliga-Dino dementsprechend angriffslustig: „Wenn wir unsere beste Leistung zeigen, können wir jede Mannschaft in der Bundesliga und Europa schlagen. Gegen den HSV müssen wir die Lücke finden.“

„Müssen die drei Punkte holen“

Wahre Worte des Norwegers, doch nun gilt es das (noch) versteckte Potenzial endlich abzurufen. Sonst droht langsam aber sicher Ungemach. Ähnlich sieht auch der Schweizer Granit Xhaka: „Es ist erst der fünfte Spieltag, wir wissen aber, dass wir die drei Punkte holen müssen. Das wäre sehr wichtig für uns, um den Abstand in der Tabelle nach unten zu wahren und den Kontakt nach oben herzustellen.“ Dem ist beinahe nichts mehr hinzuzufügen.

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 26. September
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