Borussia war der Leidenschaft des Aufsteigers nicht gewachsen

Der VFL verliert in Augsburg verdient mit 0:1 und muss sich böse Fragen bezüglich des Mannschaftscharakters gefallen lassen. Eine Niederlage gegen einen Abstiegskandidaten und zum wiederholten Mal eine Niederlage gegen einen aktuellen Tabellenletzten. Kann der VFL nur die Kür? Alleine schon die Frage ist müßig. Bei 30 Punkten nach 16 Spielen muss man auch mal „fünf gerade“ sein lassen und mit Demut auf die letzte Spielzeit blicken…

Galaauftritte gegen vermeintlich große Gegner, dazu ein Sieg gegen den Erzrivalen. Spiele wie die in Freiburg und Augsburg werden da schnell zur Charakterfrage. Könnte man meinen. In Wirklichkeit sind sie eher als Reifeprüfungen zu verstehen. Eine „echte“ Spitzenmannschaft ist der VFL (noch) nicht, denn als diese würde man die Pflicht (ein Sieg in Augsburg) nach den „Wahnsinnswochen“ souveräner angehen. Dass die Mannschaft von Lucien Favre aber eine richtig gute Truppe ist und zurecht oben steht, hat sie bereits mehrfach mit starken Leistungen nach Niederlagen gezeigt. Die Frage nach vermeintlicher Charakterschwäche ist also überflüssig.

Die Niederlage der Borussia in Augsburg hatte ganz andere, ganz einfache Gründe. Augsburg war an diesem Nachmittag einfach heißer, galliger und leidenschaftlicher. Geradezu ins Spiel reingebissen haben sich die Jungs vom ehemaligen VFL-Trainer Jos Luhukay, geradezu festgebissen an ihren Gegenspielern. Was die Schwaben läuferisch sowie kämpferisch geboten haben, verdient zweifellos höchsten Respekt.

Augsburg hat der Borussia ihre Geschwindigkeit, ihren Zauber genommen. Das die Borussia im Kollektiv nicht ihren besten Tag hatte ist da nur eine beiläufige Randnotiz. Eine Elf vom Niederrhein in Bestform hätte ebenfalls ordentlich strampeln müssen, um im Hexenkessel „SGL arena“ zählbares mitzunehmen.

Eine schwache Mannschaftsleistung – der VFL hat das Spiel im Kollektiv abgegeben

(Fotos: jdp-fotos.de)

Das Spiel der Borussia war ohne Esprit, ohne den absoluten Willen (den die Augsburger mit ihrer Spielweise brachen) und einfach zu statisch. Sichere Ballstafetten von hinten heraus, mit maximal zwei Kontakten, fanden nicht statt – zudem fiel die Zentrale des VFL in Augsburg nahezu komplett aus.

Thorben Marx tut sich unheimlich schwer im schnellen System der Borussia. Zu statisch in den Bewegungen, zu langsam im Umschalten. Marx bewegt sich meist, wenn er dem Gegenspieler wie so oft hinterherlaufen muss. Die Mittelfeldzentrale ist und bleibt Gladbachs größte Baustelle – erst recht im Fall eines Ausfalls (Nordtveit).

Der FC Augsburg hat mehr investiert, einen großen Kampf abgeliefert und hat, indem das Team über sich hinaus gewachsen ist, völlig verdient gewonnen. So etwas kann und muss man als Borussia Mönchengladbach dann auch einfach mal neidlos anerkennen. Lucien Favre konnte genau dies im Anschluss an das Spiel und fokussiert sich wohl gerade schon auf den Gegner am kommenden Wochenende. Mainz 05 ist zu Gast im Borussia-Park. Bei 30 Punkten kann man der hervorragenden Hinrunde, vor dem noch folgenden DFB-Pokalspiel, eine ordentliche Krone aufsetzen. Was schlimmes passiert ist mit der Niederlage in Augsburg nämlich nicht…

 

PS: Kennst du schon unseren kostenlosen Newsletter? »Hier« kannst du unseren kostenlosen Newsletter abonnieren.

veröffentlicht von Björn Brodermanns am 12. Dezember
Diesen Artikel empfehlen:
 
Kommentieren via Facebook neu