Borussia wie sonst nur die großen Bayern

Nein, es war kein gutes Spiel der Gladbacher, klammert man einmal die ersten 35 Minuten aus. Kritisch betrachtet waren insbesondere die zweiten 45 Minuten das mit Abstand schlechteste, was die Mannschaft von Lucien Favre in dieser Saison zeigte. Und dennoch: Das Spiel in Kaiserslautern hebt die Mannschaft des Schweizers in neue Sphären …

Der Auftritt der „Fohlen“ auf dem Lauterer „Betze“ war einer vermeintlichen Spitzenmannschaft nicht würdig. Oder doch? Die Tatsache, dass die Mannschaft von Trainer Lucien Favre in den ersten 15 Minuten mit zwei sehenswerten Spielzügen für ein 2:0 sorgte, um dann spielerisch geradezu einzubrechen, unterstreicht kurioserweise die „neuen“ Ambitionen der „neuen“ Borussia.

Es war ein Arbeitssieg. Ein Sieg wie man ihn nur einfährt, wenn man ganz oben steht. Die Elf vom Niederrhein zauberte in den ersten 15 Minuten, trotz des katastrophalen Zustands des Rasens, wie ein kommender Meister. Mit feinstem Kurzpasspiel und durchdachten Aktionen drängte man verunsicherte „rote Teufel“ an die Wand und erzielte folgerichtig zwei hervorragende Treffer. Der Höhepunkt: Arangos Zaubertor zum 2:0, als er ein feines Zuspiel von Marco Reus dazu nutze, den Ball filigran mit dem Außenrist ins lange Eck zu zirkeln.

Ohne Hanke keine Struktur nach vorne

Borussia furios, das „weiße Ballett“ schien den „Betze“ zu überrollen. Der Bruch im Spiel der Gladbacher kam kurioserweise durch die Verletzung von Patrick Herrmann. Der 21-jährige musste den Platz in der 38. Spielminute aufgrund eines Schlüssbeinbruchs verlassen und wurde durch den Australier Mathew Leckie ersetzt. In der Folgezeit gelang der Überraschungsmannschaft der Bundesliga, die auf ihrem, neben Marco Reus, wohl wichtigsten Offensivfaktor – Mike Hanke – krankheitsbedingt verzichten mussten, nichts mehr. Gladbach agierte zunehmend kopflos, ungeordnet und hatte keinerlei Zugriff aufs Spielgeschehen.

Fehlte der Borussia vor allem im Spielaufbau - Mike Hanke

Ein Grund: Marco Reus fehlte ohne eben diesen Mike Hanke der kongeniale Anspielpartner und nach Adduktorenproblemen unter der Woche, auch die nötige Frische. Zudem war erkennbar, das der gesamten Mannschaft der „Faktor-Hanke“ fehlte. Jegliche Bindung zwischen Mittelfeld und Sturm war unterbrochen – mit Hanke fehlte einer, wenn nicht der Kopf der Mannschaft. Spätestens durch sein Fehlen wird seine Wertigkeit, vor allem für das strukturierte Spiel nach vorne, als ständige Anspielstation aus der Defensive heraus, unterstrichen.

Mathew Leckie – ein Spiel mit 10 gegen 11

Dass sich die Borussia gegen sich aufreibende Lauterer aber derart vom Kurs abbringen ließ, war auch der Hereinnahme Mathew Leckies geschuldet. Der Australier fand von der ersten Sekunde seiner Hereinnahme nicht ins Spiel und ließ darüberhinaus jegliches Spielverständnis vermissen. Leckie wirkte systemfremd und völlig überfordert. Selbst seine Mitspieler wussten weder etwas mit ihm anzufangen, noch ihn ins Spiel einzubinden. So entwickelte sich praktisch ein Spiel zwischen 10 Gladbachern und 11 Spielern des 1.FC Kaiserslautern.

Wenn Borussia Mönchengladbach einmal die Flucht nach vorne antrat, um für eigene Entlastung zu sorgen, endete der Weg spätestens beim Australier – ein Umstand, der Lucien Favre dazu brachte auch einmal öffentlich seine „harte“ Seite zu zeigen. Nach 83 Minuten wechselte er den zuvor eingewechselten Leckie völlig entnervt wieder aus, ohne den sonst üblichen Handschlag. Ein Denkzettel, den der junge Australier so schnell nicht vergessen wird.

Das Spitzenteam gewinnt nach viel, viel Arbeit

Die Gladbacher gewannen dennoch mit 2:1 und es bleibt neben den 3 Punkten die Erkenntnis, das in der Liga wirklich jeder jeden schlagen kann, Mike Hanke ein unglaublich wichtiger Baustein dieser Mannschaft ist und die Borussia trotz aller fußballerischen Glanzpunkte in dieser Saison das Kämpfen sowie Ackern nicht verlernt hat.

Mittlerweile ist die Mannschaft sogar soweit, sich den „Bayerndusel“ und damit das Prädikat „Spitzenteam“ erarbeitet zu haben. Das 2:1 in der „Hölle“ Betzenberg war der Sieg einer echten Spitzenmannschaft – ein Sieg, wie ihn sonst nur die Bayern feiern.

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 19. Februar
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