Borussia mit Licht und Schatten: Xhaka, Herrmann und de Jong zeigen positive Entwicklung

Die 2:3-Niederlage gegen den 1. FC Nürnberg war eine ebenso ärgerliche wie vermeidbare. Trotz vieler Schwächen zeigten einige Spieler der Mannschaft von Trainer Lucien Favre auch eine positive Entwicklung. Wir haben ein bisschen genauer hingesehen und den Spielern ein Zeugnis ausgestellt.

Marc-André ter Stegen: Borussias Keeper war meist damit beschäftigt, seine wackeligen Vorderleute zurecht zuweisen. An den drei Gegentoren hatte ter Stegen keine direkte Schuld. In der Situation zum 0:2 musste er spekulieren, beim 3:2 für den „Club“ wurde der Nationaltorhüter schlichtweg auf dem falschen Fuß erwischt. Was dennoch auffällt: Der 20-Jährige bringt derzeit wenige Abstöße passgenau an den Mitspieler. Daran muss ter Stegen dringend arbeiten. Note: 3

Filip Daems: Gladbachs Kapitän spielte eine relativ solide Partie – ohne dabei nennenswert zu glänzen. Seinen Gegenspieler Timothy Chandler hatte Daems weitestgehend im Griff, nach vorne lief beim 33-Jährigen allerdings wenig bis gar nichts zusammen. So ist der Belgier weiterhin auf der Suche nach seiner Form aus der vergangenen Spielzeit. Ob er diese noch einmal erreichen kann? Oscar Wendt könnte bald, vor allem aufgrund seiner offensiven Spielweise, zu einer ernsthafte Alternative werden. In der 27. Minute sah Daems nach hartem Einsteigen von hinten die Gelbe Karte und war damit mehr als gut bedient. Es gab in der Vergangenheit Schiedsrichter, bei denen diese in ähnlicher Situation nicht mehr ausreichte. Note: 3

Alvaro Dominguez: Der Spanier ist im Spiel seiner Mannschaft der erste Kontakt in Sachen Spielaufbau – soviel zum positiven. Leider nutzt Dominguez dabei seine vorhandenen technischen Möglichkeiten noch nicht in Gänze. Zudem behielt er in einigen brenzligen Situationen nicht den Überblick und die nötige Ruhe. Beim 2:0 durch Simons sah Dominguez sehr schlecht aus. Allerdings muss man dem Spanier zugestehen, vom Nürnberger Torschützen zu Boden gerissen geworden zu sein. Der Schiedsrichter hätte diese Situation eigentlich abpfeifen und zugunsten der Borussia entscheiden müssen. Beim 3:2 der „Clubberer“ versuchte Dominguez mit letzter Verzweiflung noch Kiyotake vom Ball zu trennen, rutschte aber letztlich am Ball vorbei. Die klare Nase vorn gegenüber Roel Brouwers hat der Spanier derzeit nicht. Note: 3-

Martin Stranzl: Der Österreicher war nicht ganz so im Bilde wie in den Spielen zuvor. Neben seiner Abgeklärtheit zeigte auch er immer wieder wackelige Aktionen. So kam er beim 2:0 zu spät und konnte Simons nicht mehr entscheidend bei seinem Kopfball stören. Stranzl lieferte sich am Samstagnachmittag ein beinhartes Duell mit Kontrahent Thomas Pekhart, den er jedoch weitestgehend unter Kontrolle hatte. Etwas unglücklich agierte der 32-Jährige unmittelbar vor dem 3:2, als er von seinen Vorderleuten zum schnellen Rausrücken gezwungen wurde und der Erste war, der an Torschütze Kiyotake vorbeirutschte. Note: 3

Tony Jantschke: Borussias Rechtsverteidiger absolvierte eine durchwachsene Partie. Neben einigen verlorenen Zweikämpfen unterliefen Jantschke in der ersten Halbzeit teils unglaubliche Ballverluste. Unglücklich war sein Zweikampf, der zum Freistoß vor dem 0:1 führte. Jantschke hielt den schlappen drauf, spielte jedoch klar den Ball – der Schiedsrichter wertete jedoch fälschlicherweise das „Draufhalten“ des Fußes und entschied auf Freistoß. In den zweiten 45 Minuten steigerte sich Borussias U21-Nationalspieler, ohne jedoch vollends zu überzeugen. Für seine technischen Möglichkeiten nutzt der 22-Jährige einfach zu selten den dynamischen Vorwärtsgang. Note: 3-

Havard Nordtveit: Der Norweger ist so etwas wie das Sorgenkind der Borussia. Neben einem guten Stellungsspiel zerstört Nordveit sein eigenes Spiel immer wieder durch teils haarsträubende Abspielfehler. Der 22-Jährige schafft es meist nicht den Ball unbedrängt über wenige Meter fehlerfrei zu passen. Besonders auffällig sind dabei die vielen Diagonalbälle die Nordtveit seit mehreren Wochen ins Aus, anstatt zum Mitspieler spielt. Vor dem 3:2 machte der Norweger zudem den entscheidenden Fehler, als er durch den Raum lief, statt Kiyotake erfolgreich beim Dribbling zu stören. Dadurch zwang er Stranzl zu seiner missglückten Grätsche und ermöglichte so das Gegentor. Die Auswechslung in der 68. Minute war daher die nötige Konsequenz. Note: 4

Granit Xhaka: Hinten ein wenig pfui, vorne dafür hui mit Sternchen. Lucien Favre ließ den Schweizer wider Erwarten auf der „Sechs“ beginnen – ein Fehler, wie sich herausstellen sollte. In der Defensive bleibt Xhaka trotz starker Zweikampfwerte ein Risikofaktor mit seinen vielen leichten Ballverlusten. Beispielhaft sein Fehler in der 4. Spielminute als er den Nürnbergern mit einem krassen Fehler Haus- und Türe zum Kontern eröffnete. In der 30. Minute korrigierte Lucien Favre seinen „Aufstellungsfehler“ und beorderte den 19-Jährigen ins offensive Mittelfeld. Dort agierte Xhaka als echter Leader, brachte seine Stärken ein und fungierte als Dreh- und Angelpunkt seiner Mannschaft.

Das 1:2 inszenierte er durch einen starken Pass auf Vorbereiter Patrick Herrmann. Seine Sahne-Leistung krönte der Schweizer dann mit dem zwischenzeitlichen 2:2-Ausgleich. Eine Augenweide war ein Pass in der Schlussphase des Spiels auf Luuk de Jong. Was Xhaka indes noch ablegen muss, sind die vielen überhasteten Schüsse aus der 2. Reihe – auch wenn diese eigentlich zweifellos zu seinen Stärken gehören. Zuweilen fehlt dem 19-Jährigen diesbezüglich noch der Blick für die richtige Situation. Note: 2-

Juan Arango: Gladbachs Hurrikan muss sich irgendwo zwischen Venezuela und Mönchengladbach zum Tiefausläufer abgeschwächt haben. Arango wirkte arg müde und indisponiert – insgesamt waren beinahe sämtliche Aktionen des Venezolaners zu langsam und von einer gewissen Behäbigkeit geprägt. In der 88. Minute sah Arango als Schlusspunkt die Gelbe Karte wegen Meckerns. Note: 4

Tolga Cigerci: Das in Düsseldorf begonnene Projekt „Cigerci for Spielgestalter“ fand in der 30. Minute mit der Umstellung Favres ein jähes Ende. Für den nach vorne beorderten Xhaka durfte er auf der von ihm so geliebten „Sechs“ agieren. Zuvor gelangen dem Deutsch-Türken jedoch keine nennenswerten Impulse für sein Team. Wenn Cigerci am Ball ist, kann man immer wieder eine gewisse Übermotivation erkennen – der 20-Jährige wirkt am Ball unruhig und in der Offensive merklich überfordert. Als Teil der „Doppelsechs“ könnte Cigerci allerdings noch wertvoll für den VfL werden. Hier spielte er eine grundsolide Partie. Auswechslung in der 79. Minute. Note: 3-

Patrick Herrmann: Dem U21-Nationalspieler gelang in den ersten 20. Minuten so gut wie gar nichts – dann startete Herrmann allerdings endlich sein Comeback. Seine erste nennenswerte Aktion sorgte sofort für Gefahr, als er Luuk de Jong mit einer gut getimeten Flanke perfekt in Szene setzte. Eine weitere gute Flanke gelang Herrmann dann in der 36. Minute, mit der er sich endgültig ins Spiel reinarbeitete. Das 1:2 durch Luuk de Jong bereitete der 21-Jährige mit einem Querpass mustergültig vor, ehe er vor dem 2:2 so richtig aufdrehte.

Der Flügelflitzer tankte sich mit seiner Schnelligkeit unnachahmlich über die linke Seite durch, ging bis zur Grundlinie und spielte Granit Xhaka mit einem klasse Pass in den Rücken der Abwehr frei. Seine Auswechslung in der 76. Spielminute war wohl der noch nicht vollständigen Fitness geschuldet. Die wichtigste Erkenntnis: Herrmann ist zurück und avancierte zum besten Spieler der Borussia an jenem Samstagnachmittag. Nun gilt es Konstanz in die eigenen Leistungen zu bringen. Note: 2+

Luuk de Jong: Der Niederländer ist endlich in Mönchengladbach gelandet. De Jong, der in der 20. Minute bei einer Flanke von Patrick Herrmann noch ein schlechtes Timing an den Tag legte, biss sich in der Folgezeit so richtig ins Spiel hinein. Der 22-Jährige ging erneut weite Wege, arbeitete für zwei und bot sich immer wieder seinen Mitspielern an. Den Lohn für seine Mühen hätte er beinahe bereits in der 36. Minute erhalten. Nach einer Flanke schoss er aus kurzer Distanz volley auf das Tor der Nürnberger und traf dabei den Innenpfosten sowie Torhüter Raphael Schäfer.

Im Anschluss an diese Situation hätten sich die Nürnberger in der 41. Spielminute nicht beklagen dürfen, wenn der Schiedsrichter auf Strafstoß für die Borussia entschieden hätte. Timmy Simons hatte de Jong im Sechszehner am Fuß getroffen und so um eine mögliche Torchance gebracht. In der 44. Spielminute gelang dem Neuzugang endlich der langersehnte erste Treffer für seinen neuen Verein. Nach einem Querpass von Patrick Herrmann brauchte de Jong „nur“ noch einzuschieben. In der 84. Minute hätte Gladbachs Stürmer sogar das 3:3 auf dem Fuß, scheiterte jedoch am herauseilenden Raphael Schäfer.

Wie nah Glück und Pech beieinanderliegen, musste der VfL und Luuk de Jong in der Schlussphase erleben. Ein technisch perfekter und sehenswerter Seitfallzieher knallte mit voller Wucht an den Pfosten der Nürnberger anstatt in die Maschen. Wäre der Ball nur wenige Zentimeter weiter rechts ins Netz eingeschlagen, hätte die Borussia nun fünf Punkte und de Jong einen Treffer mehr auf dem Konto. Insgesamt eine ganz, ganz starke Leistung des Rekordtransfers. Note: 2

Mike Hanke: Favres Edelreservist benötigte nach seiner Einwechslung in der 68. Minute gute zehn Minuten, um nennenswert ins Spiel einzugreifen. Sein Steilpass in die Spitze geriet leider ein wenig zu lang und war dementsprechend unerreichbar. Ansonsten wirkte Hanke übermotiviert und hatte Probleme bei der Ballannahme. Der Platz auf der Ersatzbank scheint am 28-Jährigen zu nagen – anders sind seine überhasteten Aktionen kaum zu erklären. Note: 4

Alexander Ring: Der Finne kam in der 76. Minute ins Spiel und hatte nur eine erwähnenswerte positive Aktion. In der 84. Minute gelang ihm eine gute Flanke, die leider keinen Abnehmer fand. Ohne Note

Branimir Hrgota: Der junge Schwede kam in der 79. Minute ins Spiel, um noch einmal den Offensivdrang seiner Elf zu unterstützen. Außer einer ordentlichen Flanke gelang ihm dabei nicht viel. Allerdings ist auf Hrgota verlass. Er versucht sofort „Musik“ zu machen und für Furore zu sorgen. Gegen nur noch auf Verteidigung bedachte Franken wollte der 19-Jährige allerdings zu oft mit dem Kopf durch die Wand. Ohne Note

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 16. September
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