Borussias Kader im Check: Von ter Stegen bis Tony Jantschke – Gladbachs Defensive Teil I

Es ist soweit: Borussia Mönchengladbach ist heute Vormittag mit dem ersten Mannschaftstraining in die Saisonvorbereitung gestartet. Dabei konnten mit Granit Xhaka, Peniel Mlapa und Alvaro Dominguez bereits drei Neuverpflichtungen live vor Ort begutachtet werden. Viel Vorbereitungszeit bleibt nicht: Bereits in rund sechs Wochen rufen die ersten Pflichtspielaufgaben. Zeit einmal einen Blick auf den Kader der Borussia zu werfen…

Marc-André ter Stegen

Gladbachs Eigengewächs geht als glasklare Nummer eins in seine zweite Saison von Beginn an. Dabei gilt es für den Youngster, den nächsten Schritt in der Entwicklung zu gehen. Für den hochtalentierten 20-Jährigen dürfte die Spielzeit 2012/2013 daher eine ganz entscheidende sein. In der Bundesliga gilt es nun die bislang gezeigten Leistungen bestätigen und darüberhinaus auf europäischem Niveau zu bestehen. Kann Marc-André ter Stegen seine starken Leistungen erneut abrufen und/oder sich sogar verbessern wird er der Rückhalt seines Teams sein. Die Nationalmannschaft, für die er während der EM-Vorbereitung gegen die Schweiz debütierte, wird dann kein einmaliges Erlebnis bleiben.

Starker Rückhalt: Gladbachs Nummer eins Marc-André er Stegen (Foto: jdp-fotos.com)

Starker Rückhalt: Gladbachs Nummer eins Marc-André er Stegen (Foto: jdp-fotos.com)

Seine Stärken: Der Neu-Nationalspieler ist das komplette Paket: Stark auf der Linie, gute Strafraumbeherrschung mit der Fähigkeit seine Vorderleute von hinten perfekt zu organisieren. Ter Stegens größte Fähigkeit ist jedoch das Antizipieren und das Mitspiel. Der Keeper fungiert oftmals als Libero, Anspielstation und Aufbauspieler. Kein Torhüter in Europa interpretiert das Torwartspiel derart offensiv wie der Gladbacher. Besonders in der Rückrunde der vergangenen Saison hat der 20-Jährige in dem Punkt neue Maßstäbe gesetzt.

Das kann besser werden: Wenn es bei Marc André ter Stegen überhaupt etwas zu mäkeln gibt, dann ist es die zeitweilig fehlende Präzision in seinen Abstößen – besonders wenn es schnell gehen soll. Nicht selten landen seine gutgemeinten Spieleröffnungen dann im Seitenaus. Dennoch sollte man bedenken, dass seine offensive Spielweise selbstredend mit einem gewissen Risiko behaftet ist. Dieser Punkt ist dementsprechend „Meckern“ auf verdammt hohem Niveau.

Filip Daems

Wer dem Belgier vor der vergangenen Saison eine derart starke Spielzeit prognostiziert hätte, wäre möglicherweise direkt von zwei Pflegern inklusive „hab-mich-lieb-Jacke“ abtransportiert worden. Daems ließ auf der linken Seite beinahe nichts anbrennen und wurde auch immer wieder auf dem Weg nach vorne gesichtet. In Zusammenarbeit mit einem in der Defensiv stark verbesserten Juan Arango gelang dem mittlerweile in die achte Borussia-Saison gehende Belgier seine wohl mit Abstand beste Spielzeit.

Borussias Kapitän Filip Daems: Kann er noch einmal eine derart starke Saison hinlegen? (Foto: jdp-fotos.com)

Borussias Kapitän Filip Daems: Kann er noch einmal eine derart starke Saison hinlegen? (Foto: jdp-fotos.com)

Ob Daems, der im Oktober bereits 34 Jahre alt wird, dieses Niveau halten kann oder seinem fortgeschrittenen Alter Tribut zollen muss, bleibt abzuwarten. Gerade die vielen englischen Wochen könnten dem Belgier zusetzen. Sollte der Kapitän die Form der vergangenen Spielzeit indes beibehalten, wird er weiterhin ein nahezu unersetzbarer Teil der Mannschaft sein und es seinem Konkurrenten Oscar Wendt mehr als schwermachen an ihm vorbei zu kommen.

Seine Stärken: Noch in der Seuchen-Saison 2010/2011 war Daems einer der Buhmänner des VFL. Zu langsam und zu behäbig zeigte sich Belgier, bei dem man darüberhinaus ein teilweise katastrophales Stellungsspiel beobachten konnte. Seit Lucien Favre das Zepter im Borussia-Park schwingt, haben sich die genannten Schwächen flugs zu Stärken gewandelt. Filip Daems zeigt sich, auch aufgrund des besseren Mitspiels von Juan Arango, wesentlich verbessert und zudem handlungsschnell sowie umsichtig im Stellungsspiel.

Das kann besser werden: Viel zu monieren gab es beim Kapitän zuletzt wenig. Auf dem Platz könnte er als Führungspersönlichkeit ein wenig mehr Präsenz zeigen. Dieser Kritikpunkt ist allerdings Auslegungs- und Geschmackssache. Vom Naturell her ist Daems nun mal nicht der Typ Lautsprecher, sondern eher der ruhige und besonnene Kumpeltyp. Seine Mannschaftsführung kommt jedenfalls gut an – bei Mitspielern und Trainer Lucien Favre.

Alvaro Dominguez

Der 23-Jährige ist zweifellos Gladbachs Königstransfer in der Defensive. Der von Atletico Madrid zur Borussia gewechselte Innenverteidiger soll den Weggang von Dante zu den Bayern kompensieren. Die Chance den Brasilianer zu ersetzen oder gar einen besseren Part zu geben, stehen dabei gut. Dominguez ist trotz seines jungen Alters vor allem international wesentlich erfahrener als Gladbachs ehemaliger Abwehrchef. Der 8-Millionen-Einkauf soll dem Plan nach die linke Innenverteidigerposition bekleiden und zu einem der Eckpfeiler des Teams avancieren. Bleibt für den VFL zu hoffen, das Dominguez nicht mit der spanischen Mannschaft zur Olympiade nach London reisen muss –ansonsten droht eine zerpflückte und schwierige Vorbereitung auf die kommende Spielzeit.

Neuer Abwehrchef der Elf vom Niederrhein: Alvaro Dominguez von Atletico Madrid (Foto:Atletico Madrid Homepage)

Seine Stärken: Der 23-jährige Spanier gilt als schneller Abwehrspieler mit starker Antizipation und hervorragendem Auge im Aufbauspiel – perfekte Attribute also für das Spielsystem von Lucien Favre. Den bisherigen Beobachtungen zufolge ist er in seinem Spiel ein ähnlicher Ruhepol wie sein Vorgänger Dante, verzichtet dabei jedoch gänzlich auf die für den Brasilianer typischen Wackeleinlagen, die bei manchem Fan für regelmäßige Schweißausbrüche sorgten.

Das kann besser werden: Von einem Neueinkauf kann dahingehend natürlich nichts gesagt werden. Zu wünschen ist einzig eine reibungslose und schnelle Eingewöhnung bei seinem neuen Klub.

Martin Stranzl

Eigentlich soll die Saison 2012/2013 seine Letzte als Profi sein – die Verpflichtungen als Familienvater rufen. Eigentlich. Die Borussia-Verantwortlichen sollen den 32-Jährigen jedoch seit Monaten bezüglich eines weiteren Verbleibs beim VFL bearbeiten. Und das, wie kürzlich bekanntwurde, mit guten Chancen auf Erfolg. Gut so, denn der Österreicher war bereits in der vergangenen Spielzeit der eigentliche Chef in der Abwehrzentrale. Er war derjenige, der den Laden meist fulminant zusammenhielt. Stranzl ist immer hellwach und immer dort, wo es wehtut. Zudem hat der 32-Jährige immer irgendwie ein Bein zwischen Tor und Gegner. Martin Stranzl ist für die Borussia ein kaum zu ersetzender Führungsspieler, der den „Laden“ hinten im Griff hat und seit seinem Transfer im Januar 2011 spürbar für Sicherheit sorgt.

Stranzl der erfahrene Chef: Bleibt er über 2013 hinaus bei der Borussia? (Foto: jdp-fotos.com)

Seine Stärken: Der ehemalige Nationalspieler Österreichs ist Gladbachs wohl erfahrenster Abwehrrecke. Diese Erfahrung und seine teilweise stoische Ruhe waren mit die entscheidenden Gründe für die Rettung 2011 sowie der so starken Defensive der Fohlen in der vergangenen Spielzeit. Stranzls Ruhe, Zweikampfstärke und Führungsqualitäten sind für das Team von Lucien Favre deshalb unverzichtbar – Neuzugang Dominguez wird an der Seite des Österreichers weiter reifen können.

Das kann besser werden: In seinem Spiel gibt es kaum etwas zu verbessern – einzig die Grundschnelligkeit ist zu monieren. Diese wird jedoch aufgrund seines Alters und der Körpergröße von 1.90 Metern wohl nicht mehr zu verbessern sein. Ohnehin macht Stranzl dahingehende Defizite mit seinem guten Stellungsspiel wieder wett. Für ihn selbst und die Borussia wäre es jedoch wünschenswert, wenn sich die Verletzungspausen aus der vergangenen Spielzeit nicht wiederholen würden. Ohne diverse Wehwehchen hätte Stranzl wohl weitaus mehr als 22 Bundesligaspiele absolviert.

Tony Jantschke

Der 22-Jährige ist einer der Entdeckungen der vergangenen Spielzeit. In 36, meist guten Vorstellungen, schaffte Jantschke seinen wohl endgültigen Durchbruch bei der Borussia. Dabei wusste er einige Beobachter sogar gänzlich zu überzeugen: Nicht wenige sahen ihn bereits auf dem Weg zur EM 2012. Doch eine Berufung des technisch versierten Defensivspielers wäre letztlich wohl des Guten zu viel gewesen. Für Jantschke, der seit 2006 bereits die Schuhe für die Fohlen schnürt, kommt es nun in dieser Saison darauf an die gezeigten Leistungen zu konservieren und zeitgleich den nächsten Schritt in der Entwicklung zu gehen. Zudem täte es dem Spiel des U21-Nationalspielers gut eine gewisse Konstanz ins Spiel zu bekommen – oftmals schwankte die Leistungskurve des Talents zwischen ganz schwach und der eines Spitzenrechtsverteidigers. Viel Druck von der Bank dürfte Tony Jantschke dabei nicht verspüren. Mit Matthias Zimmermann steht nur ein nomineller Rechtsverteidiger im Kader des VFL.

Steht vor der Reifeprüfung: Tony Jantschke (Foto: jdp-fotos.com)

Seine Stärken: Jantschke ist ein robuster Verteidigertyp, der zudem über hohe technische Fertigkeiten verfügt. Darüberhinaus zeigt er sich läuferisch stark und kampferisch in sämtlichen Zweikämpfen. Eine seiner größten Stärken: die Spielintelligenz. Leider nutzt er diese (noch) nicht häufig genug.

Das kann besser werden: Wie eingangs erwähnt fehlt es dem 22-Jährigen an Konstanz. Ein Umstand, der in dem jungen Alter allerdings kein Punkt ist, um den man sich allzu große Sorgen machen müsste. Wirklich zu kritisieren ist vielmehr die fehlende Offensivkraft des U21-Nationalspielers. Tony Jantschke ist mit seinen spielerischen und technischen Möglichkeiten eigentlich dazu prädestiniert die Linie rauf- und runter zu laufen, um gefährliche Flanken vor das gegnerische Tor zu schlagen.  Leider sieht man solche Aktionen von Gladbachs Rechtsverteidiger zu selten. Daran muss der 22-Jährige dringend arbeiten.

 

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 02. Juli
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