Borussias Problem: Arango & Co. wissen nicht wie man Luuk de Jong anspielen muss

Das erste Nachbarschaftsduell gegen Fortuna Düsseldorf nach 15 Jahren hielt nicht ganz das was es versprach. Bei der Borussia haperte es nach wie vor im Spielaufbau und im Offensivspiel. Wir haben ein bisschen genauer hingesehen und den Spielern ein Zeugnis ausgestellt…

Marc-André ter Stegen: Borussias Nummer eins  verlebte einmal mehr einen recht ruhigen Abend. Für einen Torhüter ist genau diese Tatsache allerdings oft eine Herausforderung. Als Keeper musst du immer hellwach und da sein wenn man gebraucht wird. MatS war immer auf dem Posten, wenn er denn einmal wirklich gebraucht wurde – und das sicher. Immer wieder ist zu Beobachten wie ter Stegen antizipiert und sich anbahnende Situationen abläuft. Gegen Düsseldorf zeigte der 20-Jährige allerdings auch einige Unkonzentriertheiten. In der 13. Minute verunglückte ihm ein Abstoß völlig. Zudem „zelebrierte“ er mit Vordermann Alvaro Dominguez ein allzu riskantes und überflüssiges Passspiel in der 22. Spielminute. Glück hatte ter Stegen auch, als er in der 85. Minute unter einer Flanke der Düsseldorfer hindurchflog und den Ball nicht erreichte. Kurz nach dieser Situation handelte sich Borussias Schlussmann zu allem Überfluss bei einer kleinen Rangelei mit Fortunas Schahin die Gelbe Karte ein. Note: 3

Filip Daems: Der Kapitän läuft in diesen Wochen so ein wenig mit dem Strom. Kaum Auffälligkeiten, nur wenige Fehler aber leider auch kaum Vorwärtsbewegung. Einen groben Schnitzer unterlief dem Belgier, ähnlich wie in den Wochen zuvor, dennoch. In der 51. Minute kam es mit Alvaro Dominguez zu einem fiesen aber Gott sei Dank folgenlosen Missverständnis. Filip Daems wird sich was das Offensivspiel anbelangt in den nächsten Wochen steigern müssen. Oscar Wendt wird wohl mit den Hufen scharren. Note: 3

Alvaro Dominguez: Der Spanier kam für Roel Brouwers ins Spiel. Eine ebenso bemerkenswerte wie fragwürdige Personalentscheidung des Trainers. Brouwers war sowohl gegen Hoffenheim als auch beim Gastspiel in Kiew völlig frei von Fehlern und hätte es eigentlich verdient, in der Formation zu bleiben. Favre entschied sich jedoch für Dominguez. Entsprechend der fehlenden Spielpraxis (keine richtige Vorbereitung, Erkrankung gegen Hoffenheim, Bankplatz in Kiew) unterliefen dem 23-Jährigen einige Missverständnisse mit seinen Nebenleuten. Dominguez wirkt noch arg fremd in Gladbachs Hintermannschaft und wenig integriert. Was auch auffällig ist: Trotz seiner Körpergröße von 1,89 m hat der Spanier Probleme im Kopfballspiel. Das war beim Pokalspiel in Aachen schon zu erkennen und fand in Düsseldorf seine Weiterführung. Dominguez scheint andere Vorzüge zu haben. Technische Vorzüge. Das bislang Gezeigte lässt auf hervorragende Möglichkeiten in der Spieleröffnung schließen. Leider wird der Innenverteidiger dahingehend (noch) nicht wirklich eingebunden. Note: 3

Martin Stranzl: Wieder einmal ein starkes Spiel des Österreichers. Man sieht ihn kaum – was klar für seine Abgeklärtheit, Ruhe und starke Antizipationsfähigkeit steht. Stranzl ist unantastbarer Chef im Abwehrverbund, der sich auch immer wieder nach vorne einschaltet. In der 2. Spielminute hatte der 32-Jährige Pech, als er den vorher noch einmal kurz aufspringenden Ball aus rund elf Metern über das Tor schoss. Note: 2-

Tony Jantschke: Beim U21-Nationalspieler ist zweifellos eine Entwicklung zu erkennen. Jantschke reift gerade – auf und neben dem Platz – zu einer echten Persönlichkeit heran. In der ersten Halbzeit machte der 22-Jährige ein richtig starkes Spiel und lies nahezu nichts anbrennen auf seiner rechten Seite. Anders sah die Sache dann in den zweiten 45 Minuten aus. Eine Mischung aus frechen Offensivbemühungen der Düsseldorfer und der in den Beinen steckenden 90 Minuten aus Kiew machten ihm das Leben um einiges schwerer. Glück hatte Jantschke in der 53. Spielminute, als er im Sechszehner bei einem Zweikampf einfach stehenblieb und sein Gegner in ihn hineinlief. In dieser Situation hätte sich der Rechtsverteidiger ein wenig „intelligenter“ verhalten und den Gegner anders stellen können. So mancher Schiedsrichter pfeift da einen Foulelfmeter. Der U21-Nationalspieler entwickelt sich – leider bislang nicht im Spiel nach vorne. Dort hat Jantschke noch einiges an Nachholbedarf. Note: 3

Havard Nordtveit: Der Norweger ist aktuell ein Spieler bei dem sich die Geister doch arg scheiden. Teilweise stehen gutes Stellungsspiel und wichtige Ballgewinne einigen unglaublichen Fehlern gegenüber. Unterliefen Nordtveit vor allem in der Frühphase des Spiels wenige Abspielfehler, sorgte er im Verlauf allerdings dann für einige haarsträubende Fehlpässe. Bezeichnend ist da ein Querpass in der 56. Minute auf Jantschke zu nennen. Der Norweger schaffte es nicht, den Ball über die Distanz von zehn Metern an den eigenen Mann zu bringen. Schade eigentlich. Denn vor allem defensiv machte der 22-Jährige eigentlich eine ordentliche Partie. Note: 3-

Granit Xhaka: Dem Schweizer ist anzumerken, das er der Chefstratege im Mittelfeld sein und den Spielaufbau seiner Mannschaft in die Hand nehmen will. Leider ist dem 19-Jährigen allerdings auch anzumerken, das die Umstellung von der Schweiz nach Deutschland noch ein wenig Zeit benötigt. Es ist die von Trainer Lucien Favre angesprochene Handlungsschnelligkeit die Xhaka (noch) ein wenig abgeht in einigen Situationen. Fußballerisch ist der Schweizer ohne Zweifel ein Gewinn – er muss seine Möglichkeiten nur noch richtig einsetzen. Wenn Xhaka dann noch seine „Abtauchphasen“ sowie die Fehlpassquote auf ein Minimum beschränkt, wird Borussia Mönchengladbach noch eine Menge Spaß mit ihm haben. Der Mittelfeldspieler des VfL sah in der 57. Minute nach einem taktischen Foul bereits die zweite Gelbe Karte im zweiten Spiel. Note: 3-

Juan Arango: Borussias neue Lebensversicherung hatte nicht seinen allerbesten Tag erwischt. Neben wieder einmal einigen raffinierten Aktionen gesellten sich leider auch viele für ihn untypische Abspielfehler. Arango war trotz allem der Dreh-und Angelpunkt seiner Elf – und so ist das Spiel des Venezolaners letztlich als positiv zu bewerten. Denn wer viel versucht kann, und darf auch eine Menge falsch machen. Vor allem nach den letzten Sahne-Wochen. Apropos Sahne: Die Vorbereitung mit dem Außenrist auf Luuk de Jong in der 28. Minute, als dieser um ein Haar sein erstes Tor für den VfL schoss, war einfach nur „Zucker“. Eine typische Arango-Aktion. Eine Sache fiel dann dennoch arg negativ ins Gewicht. Die Körperhaltung des 32-Jährigen war in Düsseldorf zeitweise, gelinde gesagt, eine Frechheit gegenüber einigen Mitspielern. Vor allem einige verkorkste Aktionen von Patrick Herrmann und Luuk de Jong quittierte der Venezolaner mit einigem Kopfschütteln und ratlosem Schulterzucken. Das darf nicht sein. Ein Spieler seines Formats sollte vorangehen und den jungen Spielern Mut zusprechen. Note: 2-

Patrick Herrmann: Herrje, was ist nur mit dem Shootingstar der vergangenen Saison los? Herrmann läuft seiner Form weiter hechelnd hinterher. Sind es die Nachwehen seiner Verletzung aus der Vorbereitung oder steckt mehr dahinter? Ist Herrmann ohne Marco Reus nur die Hälfte wert? Konnte er nur in dessen Windschatten glänzen? Fragen, auf die es eine Antwort zu geben gilt. Der 21-Jährige wirkt fahl, abwesend und uninspiriert. Hoffentlich ist dies nur der fehlenden Spritzigkeit geschuldet. Dem Flügelflitzer, der in Düsseldorf oft über die linke Seite kam, gelang nur eine wirklich gute Aktion. Vor der Torchance von Luuk de Jong spielte er Passgeber Juan Arango glänzend frei. Ansonsten gelang Herrmann bis zu seiner überfälligen Auswechslung in der 67. Minute nichts was dem Spiel zuträglich war. Vor allem in Düsseldorf Fighter Axel Bellinghausen hatte der 21-Jährige seinen Meister gefunden.  Note: 4-

 Tolga Cigerci: Lucien Favre hatte ein richtig gutes Spiel des Deutsch-Türken gesehen. Dem Schweizer zu widersprechen fällt natürlich schwer – muss man dennoch. Richtig gut war es nicht was Cigerci in den 73. Minuten auf dem Platz servierte. Nennen wir es emsig, bemüht und den Fähigkeiten entsprechend völlig in Ordnung. Für einen vermeintlichen Spielgestalter spulte der 20-Jährige ein unglaubliches Laufpensum ab und ging demensprechend weite Wege. Einzig beim eigentlichen Auftrag, dem kreieren von Chancen, blieb Cigerci einige Antworten schuldig. Logischerweise ist dies nicht die Schuld des Spielers. Schon im Testspiel gegen Sevilla konnte man sehen, das der Leihgabe aus Wolfsburg diese Position nicht wirklich liegt. So sagte Cigerci nach dem Spiel in Düsseldorf: „Ich sehe mich eher auf der „Sechser-Position“. Recht hat er. Der Mittelfeldspieler war fleißig und hat sich voll reingehängt. Das Spiel der Borussia konnte er allerdings bis zu seiner Auswechslung in der 73. Spielminute nicht nachhaltig beleben. Note: 3

Luuk de Jong: Das erste Resümee ist von großer Wichtigkeit: Luuk de Jong war nicht schlecht. Aber leider auch nicht gut. Eher einmal mehr unglücklich. Dass Gladbach böse gesagt ohne einen Stürmer spielt, ist nicht alleine die Schuld des Niederländers. Gegen Düsseldorf konnte man hervorragend beobachten, wie ihn seine Mitspieler förmlich mieden. Dies wird wohl damit begründet sein, das sie schlichtweg nicht wissen, wie sie ihn anspielen sollen. De Jong bewegte sich mehrmals in die sich trotz der dicht gestaffelten Defensive auftuenden Lücken – ein entsprechendes Anspiel blieb jedoch aus. Der 22-Jährige selbst scheint allerdings lange noch nicht in der benötigten Form zu sein. Wenn er denn mal den Ball bekam, unterliefen ihm meist gravierende Ballverluste und unglaubliche Stockfehler. Denkt der Niederländer aufgrund des enormen Drucks bereits jetzt zu viel nach? Bezeichnend dafür wäre eine Situation aus der 49. Minute in Düsseldorf. Da wurde de Jong auf die Reise geschickt und zeigte einmal mehr seine aktuell fehlende Schnelligkeit. Als er den Ball mit viel Mühe dennoch am Fuß hatte, wollte er diesen auf einen Mitspieler zurücklegen – was unglücklicherweise nicht klappte. Keinen Spielraum zum Meckern gab seine verpasste Großchance her. De Jong machte alles richtig. Keeper Giefer entschärfte seinen technisch hervorragenden Drehschuss mit einem tollen Reflex. Borussias Rekordtransfer ackert zeitweise für zwei, geht lange Wege und behält den Kopf oben. Ihn gilt es in den kommenden Wochen vor übermäßigem Druck seitens der Fans und den Medien zu schützen. Note: 3-

Alexander Ring ab 67.: Der Finne konnte nicht mehr nennenswert ins Spielgeschehen eingreifen. Es blieb beim Versuch noch einmal Dampf zu machen. In der 88. Minute setzte Ring zu einem verzweifelten Solo an – sein Schuss ging allerdings weit über das Tor der Düsseldorfer. Note: 4+

Branimir Hrgota ab 73.: Der Schwede konnte sich nicht mehr nennenswert in Szene setzen. Ohne Note.

Mike Hanke ab 81.: Nur neun Minuten Spielzeit für den ehemaligen Nationalspieler. Nicht wenige fragten sich nach dem Warum. Die Antwort bleibt – ohne zur Kritik anzusetzen – einzig Trainer Lucien Favre vorbehalten. Ohne Note. (Foto: jdp-fotos.com)

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 02. September
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