Borussias „Rückschlag“ in Wolfsburg ist in Wirklichkeit ein Fortschritt

„Schöne“ neue Welt in Mönchengladbach. Die Fohlen gewinnen die ersten beiden Spiele der Rückrunde glanzvoll, spielen im Anschluss daran „nur“ 0:0 in Wolfsburg und flugs wird ihnen von Teilen der Presse ein Rückschlag angedichtet …http://www.nach-dem-spiel-ist-vor-dem-spiel.com/wp-includes/js/tinymce/plugins/wordpress/img/trans.gif

Lucien Favre gilt als sachlicher, geradezu ruhiger Zeitgenosse. In Gesprächen mit dem Romand fällt einem höchstens das sympathische Lächeln und diese ganz spezielle Aura auf. Ein Gespräch mit Lucien Favre ist geprägt von gegenseitigem Respekt und höchster Sachlichkeit. Am vergangenen Samstag schafften es jedoch zwei Journalisten Borussias Trainer leicht aus der Fassung zu bringen.

Ein 0:0 beim VfL Wolfsburg. Eine mäßige Leistung, die dennoch zum Sieg gereicht hätte, wenn ein gewisser Sascha Thielert, seines Zeichen Schiedsrichterassistent,  in der 36.Minute einem regelkonformen Tor von Mike Hanke wegen vermeintlichen Abseits, nicht die Gültigkeit abgesprochen hätte. Gefragt, ob dies ein Rückschlag im Kampf um die Meisterschaft sei, fragte Gladbachs Trainer Lucien Favre zurück: „Sind Sie verrückt?“.

Seine Gestik und Mimik verriet indes weit mehr als diese, für den Schweizer, außergewöhnlich „hart“ gewählten drei Worte. Mit weit nach oben gezogen Augenbrauen und fragendem Blick entgegnete er den Journalisten. Ob dieser Blick gestellt war, um seinem Gegenüber die Absurdität seiner Frage zu verdeutlichen oder tatsächlich aus dem ruhigen Inneren des Schweizers herausdrang, ist nicht überliefert.

Die Wahrheit wird wohl irgendwo in der Mitte liegen. Beides währe jedenfalls verständlich und nachvollziehbar. Ein 0:0 beim VfL Wolfsburg – ein Rückschlag? Das kann es wirklich nicht sein. Sieht man mal über dieses mittelmäßige Remis hinweg, ist die Elf vom Niederrhein hervorragend aus den Startlöchern gekommen und richtig stark in die Rückrunde gestartet. Ein Sieg gegen die großen Bayern, als man diese beinahe nach Belieben im Griff hatte, dazu ein eine ganz starke Vorstellung beim 3:0 Auswärtserfolg gegen den VfB Stuttgart und nun ein verdientes Remis unter klimatisch widrigen Bedingungen.

Die ersten drei Spieltage sind höchstens ein Rückschlag für all diejenigen, die der Borussia einen bitterbösen Einbruch prophezeit haben. Die Borussia am Boden. Gladbach bricht auseinander. Der VfL wird in der Rückrunde tabellarisch ordentlich nach unten durchgereicht. Die Mannschaft hat mit den starken Auftritten gegen München und Stuttgart bewiesen, das sie das Niveau der beinahe perfekten Hinrunde halten kann.

Das Spiel in Wolfsburg ist gar eher als Fortschritt denn als Rückschritt zu werten: In einem Spiel das nicht so lief wie geplant, in dem ein glasklares Tor aberkannt wurde, der Gegner perfekt eingestellt war und ein gewisser Marco Reus einen schwarzen Tag erwischte, behielt die Mannschaft den Kopf oben und erkämpfte sich einen am Ende vielleicht noch so wichtigen Punkt.

Eine Mannschaft, die lediglich Fußball zelebriert ist, nur die Hälfte wert – die Gladbacher verstehen es indes auch kämpferisch alles in die Waagschale zu legen. Solange dies der Fall ist, wird es keinen Rückschlag geben und am Ende der Saison ein sensationeller Tabellenplatz herausspringen. Verrückt oder?

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 06. Februar
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