Countdown – Borussia startet in eine interessante Spielzeit

Am kommenden Freitag startet der VFL mit dem DFB-Pokalspiel in Regensburg in die neue Saison. Ein Sieg erscheint Pflicht, zumindest auf dem Papier. Lucien Favre wird seine Mannen hervorragend auf den Drittligisten einstellen und der VFL hoffentlich in die nächste Runde einziehen. Doch was ist eigentlich allgemein von Borussias Mannschaft 2011/2012 zu erwarten? Wo steht das Team im Vergleich zu den anderen? Wohin geht die Reise des VFL?

 

 

Vor wenigen Monaten stand das Team von Lucien Favre noch mit dem Rücken zur Wand. Nahezu abgeschlagen stand man als klarer und kommender Absteiger fest. Nur durch einen bärenstarken Schlussspurt konnte man sich unter Coach Favre in letzter Sekunde retten. Nun fängt wieder alles bei Null an, eine neue Spielzeit, neue Spieler und das hoffen auf eine gute sowie sorgenfreie Saison. Doch was kann man vom VFL wirklich erwarten? Abstiegskampf? Ein Platz im Mittelfeld oder gar die Rolle der Überraschungsmannschaft wie zuletzt Hannover 96 und Mainz? Eine Analyse…

 

 

Die Torhüter

 

 

Borussias neue klare Nummer 1: Marc-André ter Stegen (19), Eigengewächs seit kleinauf. Er ist die personifizierte Hoffnung auf sportlich bessere Zeiten. Nachdem der junge Keeper in der vergangen Saison in den Kasten des VFL berufen wurde ging es Aufwärts und es begann die von Erfolg gekrönte, furiose Aufholjagd . In 6 Bundesligapartien (ohne Relegation) kassierte Borussias Bubi-Keeper, der gerade mit der Fritz-Walter-Medaille in Gold ausgezeichnet wurde, lediglich 3 Gegentore – 3 Mal erledigte ter Stegen seinen Job gar „zu Null“. Natürlich muss Borussias Talent seine Leistungen erst einmal längerfristig bestätigen und Rückschläge sowie Fehler (die passieren werden) wegstecken – das Vertrauen von Trainer und Mitspielern ist ihm in jedem Falle sicher. Bleibt zu hoffen das auch das Publikum im Borussia-Park bei Fehlern nachsichtlich bleibt.

 

Neben Marc-André ter Stegen stehen Christopher Heimeroth und der junge Janis Blaswich bereit. Heimeroth gilt innerhalb der Mannschaft als ruhiger Führungsspieler, auf ihn kann Coach Lucien Favre immer zählen – neben und zur Not auch auf dem Platz, zwischen den Pfosten.

 

 

Die Abwehr

 

 

Borussias Verteidigung – in weiten Teilen der vergangenen Saison noch das Sorgenkind schlechthin, könnte in der kommenden Spielzeit das Prunkstück der Mannschaft werden. Was sich gegen Ende der vergangenen Spielzeit bereits abzeichnete: Die ehemalige Schießbude der Liga gilt nach harter Arbeit unter Lucien Favre und dem Neueinkauf Martin Stranzls als einer der sichersten der Liga. In der Rückrunde verzeichnete nur der deutsche Meister aus Dortmund weniger Gegentreffer.

 

Apropos Martin Stranzl: Der österreicher ist Borussias eigentliches „Verhüterli“ – noch vor „Abwehrass“ und Publikumsliebling Dante. Starkes Stellungsspiel, rigoros im Zweikampf und vor allem verlängerter Arm des Trainers. Stranzl verleiht „seiner“ Abwehr Ruhe und Übersicht. Neben dem ehemaligen „Sechziger“ gelten Dante (innen), Tony Jantschke (rechts) sowie (noch) Filip Daems links als gesetzt. Kann die Abwehr wieder in die zuletzt gezeigte Stabilität zurückfinden wird es für jeden Gegner schwer Chancen zu kreieren. Favre lässt in der kommenden Spielzeit mit einer noch höher stehenden Abwehrkette spielen, wodurch das Spielfeld für den Gegner noch enger und kompakter wird. Borussias Abwehr – kompakt und zweikampfstark…

 

Die Alternativen: Neuzugang Oscar Wendt (links), Matthias Zimmermann (rechts), Bamba Anderson (innen) und Roel Brouwers (innen)

 

 

Das Mittelfeld

 

 

Das Mittelfeld der „Fohlen“ – eine Wundertüte, aber gleichzeitig auch höchst variabel. Jeder Spieler kann nahezu jede Position bekleiden – abgesehen der beiden „6er“. Juan Arango, Marco Reus, die Neuzugänge Lukas Rupp und Mathew Leckie sowie der Japaner Yuki Otsu stehen für geballte Offensivpower. In der Vorbereitung besonders interessant: Das Zusammenspiel von „Rakete“ Reus und dem feilschnellen Australier Leckie – beide sind in der Lage mit ihrer Schnelligkeit und ihren Dribblings eine Abwehr zu entblößen. Schnelligkeit – möglicherweise eine tödliche Waffe der Borussia. Abzuwarten bleibt die Verfassung Juan Arangos nach den Verpflichtungen mit der Nationalmannschaft Venezoelas und die Anpassung Yuki Otus an das Niveau der Bundesliga. Zudem stehen mit Dennis Dowidat (links) sowie Patrick Herrmann (rechts) zwei Talente in den Startlöchern. Letztgenannter gehörte bereits in der vergangenen Saison zum Team und muss 2011/2012 beweisen das ihn mehr ausmacht als nur ein großes Talent zu sein.

 

Auf der wichtigen Position des „6ers“ scheint es auch im „System-Favre“ eine Doppelsechs zu geben. Den defensiveren Part wird wohl Havard Nordtveit übernehmen. Wenn man von einem Leistungsabfall im Endspurt der letzten Rückrunde absieht, konnte der junge Norweger mit starken Leistungen überzeugen und verlieh seiner Mannschaft mit guter Antizipation und starkem Zweikampfverhalten wesentlich mehr Stabilität als noch das Duo Bradley/Marx wenige Monate zuvor. Neben dem ehemaligen Spieler von Arsenal London scheint nach derzeitigem Stand Roman Neustädter für den offensiveren Part gesetzt zu sein. Trainer Favre hält große Stücke auf den ehemaligen Mainzer, doch auch oder gerade bei Roman Neustädter gibt es viel, viel Luft nach oben – zu schwankend waren seine Leistungen in der vergangenen Rückrunde. Auch er muss seine Erstligareife in den kommenden Monaten unter Beweis stellen. Schafft es das Duo Nordtveit/Neustädter sich zu stabilisieren und sich als Taktgeber ins Spiel ihrer Mannschaft einzubringen, wäre man im Mittelfeld absolut im Soll. Ansonsten droht die Position des „6ers“ ähnlich wie in der vergangenen Hinrunde zum wunden Punkt zu werden.

 

Die Alternativen: Thorben Marx, der junge Juilan Korb sowie eventuell noch Michael Bradley. Ob der US-Nationalspieler die Borussia verlässt ist noch nicht sicher. Das Bradley im Falle des Verbleibs eine tragende Rolle spielen wird gilt als eher unwahrscheinlich.

 

 

Der Sturm

 

 

Einen echten „Knipser“ sucht man im Team von Lucien Favre vergebens. Zumindest auf dem ersten Blick. Bei genauerer Betrachtung könnte sich Borussias Nummer 10, Igor de Camargo, zu eben diesem aufschwingen. 19 Spiele (ohne Relegation), 7 Tore sowie 2 Torvorlagen – eine durchaus ansprechende Bilanz, bedenkt man die Verletzungsmisere des brasilianischen Stürmers mit belgischem Pass. Igor de Camargo – Borussias kommender Knipser, wenn er denn fit bleibt.

 

Ein weiterer wichtiger Baustein im Sturm: Mike Hanke. Der ehemalige Hannoveraner gilt auf und neben dem Platz als absoluter Teamplayer und wichtiger Führungsspieler. Trotz seiner nicht vorhandenen Grundschnelligkeit schätzt Lucien Favre seine Mannschaftsdienlichkeit, Übersicht und technischen Fähigkeiten. Ein perfekter „Prellbock“ für die schnellen Spieler in Borussias Team. 15 Spiele, ein Tor sowie 6 Torvorlagen – eine auf dem ersten Blick ausbaufähige Bilanz. Wie aber in dem Artikel „Nur Tore zählen nur die Tore“ zu lesen ist, sollte man nicht nur die Anzahl der erzielten Tore als Maßstab nehmen.

 

Raul Bobadilla – der Rückkehrer. Borussias, mit großem Talent ausgestatteten, „enfant terrible“  ist wieder da und möchte es sich und allen beweisen. Agierte der Argentinier in der Vergangenheit meist unglücklich und mit dem Kopf durch die Wand rennend, möchte er in der kommenden Spielzeit das bringen wozu ihn Max Eberl für 4,5 Millionen Euro verpflichtete: Tore erzielen. Der „Bulle“ will Borussias Knipser werden, muss sich aber wohl zunächst einmal hinten anstellen – zu schwach und von der Mannschaft isoliert waren seine Auftritte in den Testspielen. Seine Entwicklung bleibt in den kommenden Wochen abzuwarten. Eigentlich bringt „Boba“ alle Eigenschaften mit ein richtig guter Stürmer zu sein.

 

Als weitere Alternativen stehen Talent Elias Kachunga, Neuzugang Joshua King (derzeit nach OP noch verletzt) sowie Mo Idrissou zur Verfügung. Der Kameruner soll aber auf Wunsch Lucien Favres noch abgegeben werden,

 

 

So könnten sie spielen:

 

 


Das Fazit

 

Realistisch betrachtet gehört die Borussia mit diesem Kader ins Mittelfeld der Bundesliga. Am Ende wird man sich wohl irgendwo zwischen Platz 9 und 12 wieder finden. Hat man in der letzten Saison für eine negative Überraschung gesorgt, könnte es mit Lucien Favre und seiner Spielphilisophie auch einmal in die andere Richtung gehen. Hannover und Mainz haben es in der letzten Spielzeit vorgemacht – die Liga ist eng und nicht viele Mannschaften sind qualitativ um Längen besser besetzt als die Elf vom Niederrhein. Euphorie nein – Hoffnung ja. Vielleicht sorgen Favre und seine „jungen Wilden“ für eine positive Überraschung und ordentlich Furore…

 

 

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 24. Juli
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