Deine Geschichte zur Borussia (III) – Ne „kölsche Jlabbacher“

Deine Geschichte zur Borussia – heute mit Cem aus Köln, einem echten „kölschen Jlabbacher“ der die Borussia zunächst für eine Gurkentruppe hielt und seine Beziehung zu seinem Vater aufs Spiel setzte, als er eines Tages mit einem Trikot des FC zu Hause aufkreuzte. Für den Inhalt ist ausschließlich Cem verantwortlich…

 

Ich bin Cem und lebe in der verbotenen Stadt Köln. Quasi mitten im Herz, was die Sache nicht grade leicht macht. Ich bin jetzt seit knapp 11 Jahren Borusse, also habe ich bis jetzt nicht gerade die Blütezeit Borussias erlebt. Trotzdem denke ich, dass grade der Rückhalt für den Verein während dieser ewigen „Leidenszeit“ einen Fan ausmacht. Vor allem, wenn er sich mit Stolz unter lauter Kölnern outet (die sind ja meistens noch schlechter).

 

Jedenfalls begann das Ganze, als ich noch ein kleiner Junge war, so etwa im Alter von 8 Jahren. Da habe ich zwar gerne Fußball gespielt, hatte jedoch keine Ahnung von der Bundesliga und hätte mich jemand gefragt, welchen Verein ich denn nun wirklich toll fände, dann wäre es wohl der FC Bayern gewesen. Wenn ich meinen Vater damals gefragt habe, dann hat er mir immer nur geantwortet, dass Gladbach der einzig richtige Verein für mich wäre. Gladbach…hat sich irgendwie komisch angehört. Und auf der Playstation waren die jetzt nicht grade unter den Topteams – ein Jahr später sind die sogar abgestiegen. Als ob ich meinem Vater den gefallen tue und Fan von seiner Gurkentruppe werde.

 

Es gingen zwei weitere Jahre ins Land, bis ich bei einem Freund das erste Mal vom FC hörte. Dessen großer Bruder spielte damals dort in der Jugend und drückte mir eins seiner vielen Jungendtrikots in die Hand. War ja ganz nett, so mit Ziege auf der Brust dachte ich mir und zog den Fummel sogar an. Ich konnte ja nicht ahnen, was mich zuhause erwartete. Denn als ich dann zuhause aufkreuzte, war mein Vater plötzlich ein anderer Mensch. Eine Mischung aus Wut, tiefster Enttäuschung, Entsetzten und Verzweiflung (Meine Mutter erzählt die Geschichte heute noch gerne) bewegten ihn dazu sich zwei Karten für das nächste Heimspiel (2 Liga!) gegen Mainz zu sichern. Dort schleppte er mich hin und hatte bis dahin kaum ein Wort mit mir gesprochen. Da stand ich nun auf dem Bökelberg und sah die „Gurkentruppe“ 6:1 gegen Mainz gewinnen. Naja, damit war der Kuchen eigentlich gegessen. Ab da an war ich Borusse. Ohne Zweifel, dass war ein Segen, da bin ich mir sicher.

 

Seitdem verfolge ich jedes Spiel. Anfangs nur im Radio, später dann in der Glotze und seit einigen Jahren auch immer häufiger im Stadion. Der Borussia-Park ist natürlich was anderes als der Bökelberg auch wenn das kleine Stadion weniger Komfort und Größe bat, hatte es meiner Meinung nach ein wenig mehr Fussball-Kultur zu bieten. Leider hatte ich ewige Zeit in Köln nur meinen Vater als Leidensgenossen der schließlich immer älter wurde und irgendwann auch zu bequem, um den Weg ins Stadion anzutreten. Wenn er das ganz selten tat, dann nur auf die Sitztribüne, Aber mein Blick richtete sich immer in die Kurve. Schon als kleiner Junge.

 

In den letzten zwei Jahren habe ich dann sogar Borussenfans meines Alters in Köln kennen gelernt, mit denen ich hin und wieder zu Heim- und Auswärtsspielen  fahre. Ansonsten sind wir immer im Kölner Stiefel, ein Fels in der Brandung ( Borussenkneipe im Ausgehviertel von Köln). In Köln zu wohnen und Borussia-Fan zu sein ist manchmal schon nicht einfach. Vor allem nicht, wenn man andauernd provoziert wird und den Drang hat, sich zu outen. Grade in der  Jugendszene, in der es nur so von „Wilde-Horde“-Anhängern wimmelt, muss man oft einen kühlen Kopf bewahren. Andauernd in der Unterzahl, macht es die Sache aber gerade interessant. Vor allem, wenn man Derbysieger ist. Dann ist man König.

 

Meine schönsten Erlebnisse mit Borussia (leider kein Euro-League Spiel dabei) waren einmal das 6:1 gegen Mainz 2000, Derbysieg in Köln (ich glaube 2005???, wo ich zarten 14 Jahren ALLEINE, vollgeschminkt, mit Schal, Trikot und Cap mit FC-Kollegen auf der Gegentribüne mir das Spiel angeguckt habe), die Derbys aus der vergangenen Saison, inklusive dem Pokalspiel gegen Leverkusen. Und zum Schluss das Relegationshinspiel mit dem Last Minute Treffer von de Camargo. Einfach unglaublich diese Emotionen.

 

Borussia ist und bleibt für mich mehr als nur ein Hobby. Grade in Zeiten der Sommerpause merke ich wieder, wie sehr ich davon abhängig bin. Aber Borussia bedeutet für mich auch Gemeinschaftsgefühl und dient immer wieder auch als Emotionsventil. Ich bin Jung und hab noch viel vor – hoffentlich irgendwann auch mal international.

 

Ps.: Falls hier jemand dabei ist aus Köln der hin und wieder mit anderen Fans zu Auswärtsspielen fährt, der kann ja mal bescheid geben, denn ein kumpel und ich suchen seit längerem nach regelmäßigen Verbindungen aus Köln nach Auswärts.

 

 

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 10. Juli
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