„Der Favre-Effekt“

Borussia Mönchengladbach gewinnt gegen den Tabellenführer aus Dortmund mit 1:0 und hat nun in den letzten 3 Spielen alle Chancen den Klassenerhalt in letzter Sekunde doch noch zu schaffen. Eigentlich sah der VFL vor Wochen schon wie der sichere Absteiger aus. Nun mischt man doch noch einmal mit – alles Zufall? Glück? Unvermögen der Konkurrenz? Mitnichten…


Es ist einfach zu sagen der neue Trainer hat alles richtig gemacht und der ehemalige war völlig auf dem Holzweg. Eigentlich. Im Falle der Borussia ist dies aber ebenso einfach wie völlig zurecht. Seit Lucien Favre Trainer der Elf vom Niederrhein ist, befindet sich die so stark verunsicherte Mannschaft im Wandel. Einem durchaus positiven.


Vor Favre die „Schießbude“ der Liga

War man vor der Verpflichtung Favres noch die „Schießbude“ der Liga, so hat man sich doch unter seiner Regie relativ schnell gefestigt und zeigte sich gerade im defensiven Bereich stark verbessert. Argumente gefällig? In 22 Spielen unter Michael Frontzeck holte die Mannschaft lediglich 16 Punkte, bei 4 Siegen und katastrophalen 56 Gegentoren. In bisher 9 Spielen unter „Taktikfuchs“ Favre holte man bereits 13 Punkte bei  ebenfalls 4 Siegen und lediglich 8 Gegentoren – in den letzten 7 Spielen kassierte die Borussia nie mehr als ein Tor .Der „Favre-Effekt“ ? Mit Sicherheit – neben den Verpflichtungen von Havard Nordtveit, der im defensiven Mittelfeld für mehr Stabilität sorgt, sowie dem Österreicher Stranzl der in der Innenverteidigung viele Löcher stopft und zusammen mit Dante für mehr Ordnung verantwortlich ist.


Was läuft anders unter Favre?


Im Prinzip erreicht die Mannschaft nun das was Vorgänger Frontzeck spielen lassen wollte. Kompakt stehen, gegen den Ball arbeiten und blitzschnell nach vorne in die Spitze spielen, kontern. Was insbesondere in der 1. Saisonhälfte so gut erreicht wurde wie die „Wunschsaisonziele“ des 1.FC Köln, gelingt nun besser denn je. Die Mannschaft steht kompakt, lässt nur noch wenige Chancen des Gegners zu. Der Grund – Favre lässt zunehmend nicht mehr mit zwei „6ern“ spielen, sondern agiert mit einer „Kette“ im Mittelfeld. Ergebnis: Mit zwei „Viererketten“ verdichtet sich das Spielfeld ungemein, der Gegner erhält automatisch weniger Platz und Raum sich zu entfalten. Das große Problem in der Hinrunde, das der Gegner nach belieben gefährliche Pässe in die Schnittstelle spielen konnte, ist damit weitestgehend behoben und das Risiko dafür minimiert.

Dieses System verlangt natürlich hohen läuferischen Einsatz und Diszipilin – besonders zweitgenanntes nicht unbedingt Gladbachs große Stärke in dieser Saison. Unter Lucien Favre, für den diese Attribute oberste Priorität zu haben scheinen, zeigt sich die Mannschaft wie verwandelt. Disziplin, das nun scheinbar oberste Gebot, wird von der Mannschaft nahezu immer geboten. Disziplin = intelligentes Verschieben, intelligentes Verteidigen. In den meisten Spielen unter Favre konnte das Team genau dies umsetzen. Die Ergebnisse scheinen daher kein Zufall.
Absolut Positiv: Trotz der bedrohlichen Tabellensituation, trotz diverser Rückschläge und trotz der geforderten defensiven Kompaktheit, zeigt die Mannschaft auch Spielkultur. Aus dem Mittelfeld heraus werden immer wieder schnelle Angriffe eingeleitet, Angriffe kreiert und teilweise richtig gut und gefällig kombiniert. In der Situation des VFL nicht selbstverständlich.

Endlich die Rückkehr zur Fohlenphilosophie?


Gegen den BVB machte zum wiederholten Male Borussias junger Torhüter Marc-André ter Stegen positiv auf sich aufmerksam. Es war sein erst drittes Bundesligaspiel, aber dennoch wirkt er meist wie ein ganz alter Hase, wie ein ganz großer seiner Zunft. Rückhalt seiner Mannschaft, stark in der Antizipation, in der Luft und auf der Linie. Immer lautstark seine Abwehr sortierend. Ohne den Jungen zu schnell in den Himmel zu loben – Fehler wird und darf er machen – kann man sagen das hier ein wirklich guter Torhüter heranreift.
Neben Gladbachs erst 18-jährigem Torhütertalent stehen mittlerweile einige andere „Jungfohlen“ verantwortlich auf dem Platz. So standen gegen den BVB aus Dortmund mit Tony Jantschke (21), Havard Nordtveit (20), Roman Neustädter (23), Patrick Herrman (20) und Jungstar Marco Reus (21) weitere junge Hoffnungsträger in der Anfangsformation der Borussia. Lucien Favre traut sich, traut den jungen – wohl wissend um die Zukunft  des VFL.


Noch 3 Spiele


Noch ist auf dem Platz selbstverständlich nicht alles Gold was glänzt. Kann es auch in dieser Situation nicht. Aber die Leistungen unter Favre geben Anlass zur Hoffnung. Hoffnung im Hinblick auf die letzten drei Spiele, in Hannover, zu Hause gegen Freiburg sowie in Hamburg – abgestiegen ist man bei 3 Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz noch nicht. Zwei Siege müssen her, egal wie. Sollte dies nicht gelingen- ach was es wird. Hoffentlich. Favre und die jungen Wilden werden es schon richten…

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 25. April
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