Der Riese erwacht aus seinem Dornröschenschlaf

Borussia Mönchengladbach gewinnt das rheinische Derby auf einer unspektakulären aber unglaublich abgeklärten Art und Weise mit 3:0. Diese Abgeklärtheit am Freitagabend war es, die den 1.FC Köln ganz schlecht hat aussehen lassen und die Borussia so langsam aber sicher aus dem „Abstiegskampf“ verabschieden lässt. Das extreme Understatement der letzten Wochen wird der Mannschaft langsam nicht mehr gerecht – Borussia ist erwacht, der VFL ist wieder da …

„Die Elf vom Niederrhein“ wurde in den letzten Wochen und Monaten unter der Rubrik Überraschungsmannschaft geführt, eine Überraschungsmannschaft die früher oder später einen richtigen Einbruch erleiden wird. Die Mannschaft von Lucien Favre wird sich bis zum Winter wieder dort wieder finden, wo sie hingehört – ins untere Mittelfeld der Liga. So oder so ähnlich waren die Kommentare aus allen Richtungen. Was damals bereits gegen einen Einbruch sprach, war die unglaubliche Stabilität dieser Mannschaft, die bereits unmittelbar nach Favres Amtsantritt im Februar zu erkennen war.

Nach Niederlagen noch stärker

Die Borussia wird bis zum Öffnen des ersten Türchens des Adventkalenders lediglich 3 Spiele verloren haben – 3 Spiele mit jeweils einer knappen 1:0 Niederlage. Auffällig: Nach jeder Niederlage kam die Mannschaft von Lucien Favre stärker und gefestigter zurück. Nach der letzten „Pleite“ in Hoffenheim, konnte die Borussia ganze 4 Siege hintereinander landen – mit 12:2 Toren. Allesamt Siege gegen Mannschaften, die nicht gerade in die Kategorie „Laufkundschaft“ einzuordnen sind. Hannover, Berlin, Bremen und Köln – in jedem der Spiele wusste sich die „Elf vom Niederrhein“ zu steigern.

Es ist an der Zeit von der Bezeichnung der Überraschungsmannschaft abzurücken. Wer sich die Statistik 2011 unter Lucien Favre einmal genauer ansieht, wird eben genau nicht überrascht sein. Die einzige Überraschung ist diese unglaubliche Überlegenheit. Nimmt man einmal die Beispiele der Spiele gegen Leverkusen, Bremen und Köln, sieht man, wie atemberaubend überlegen das Team von Borussia Mönchengladbach wirklich ist. Das gegen Bayer Leverkusen im heimischen Borussia-Park „nur“ ein Unentschieden raussprang, sei einmal ausgeblendet – die Art und Weise wie der Achtelfinalist der Champions-League Mitte Oktober an die Wand gespielt wurde ist ähnlich, wie das 5:0 gegen Bremen und dem neuerlichen 3:0 beim 1.FC Köln, als Paradebeispiel für die neue Borussia zu nennen.

Hinten sicher – vorne tobt ein Hurrikan

14 Spiele, 9 Gegentore – zusammen mit dem BVB (ebenfalls 9) und dem FC Bayern (8) ist man einsame Ligaspitze. Wer dem VFL einen Punkt abstrotzen will, muss offensiv über sich hinauswachsen. Doch wer denkt der VFL mauert sich hinten ein, der irrt. Borussias Offensive spielt variablen, unglaublich schnellen und erfolgreichen Fußball. Keine Mannschaft der Liga schaltet in der Zentrale so schnell um wie die Elf vom Niederrhein. Eben noch den Angriff des Gegners beendet, ist man in Windeseile vor des Gegners Tor. Das 2:0 gegen den SV Werder Bremen und das 3:0 beim 1.FC Köln lassen grüßen.

Konnte seine Leistungen der letzten Wochen endlich mit eigenen Toren unterstreichen: Mike Hanke (Fotos: jdp-fotos.de)

Die Borussia ist ein starkes Kollektiv – gespickt mit hervorragenden Einzelspielern. Alle Welt spricht über Marco Reus, doch das Spiel in Köln hat gezeigt, das auch die übrigen Protagonisten mittlerweile auf einem richtig hohen Niveau agieren. Während Juan Arango für den genauen Betrachter seit Wochen spielerisch herausragt, konnte Mike Hanke seine starken Leistungen der letzten Spiele endlich auch mit Toren krönen. Für die Mannschaft und den Trainer stellte der ehemalige Nationalspieler ohnehin eine enorme Wichtigkeit dar – gut das nun seinen Kritikern der Wind aus den Segeln genommen wurde.

Apropos Wind: Dass Borussia eben dieser Wind ausgeht, ist derzeit nicht zu erwarten. Noch 3 Bundesligaspiele bis Weihnachten warten auf das Team von Lucien Favre. An Heiligabend werden wohl 30 Punkte + X unter dem Baum liegen – wer da noch von drohendem Abstiegskampf redet, dem ist jeglicher Sinn für die Realität genommen.  Der Riese Borussia ist wach – nun gilt es in der Rückrunde den nächsten logischen Schritt zu gehen und den Riesen mit weiterer Kraftnahrung zu füttern. Demütig von Spiel zu Spiel denken, aber mit einem klaren Ziel vor Augen: Platz 6 würde einen Platz im internationalen Wettbewerb garantieren. Unrealistisch, Träumerei oder gar ein Märchen ist das längst nicht mehr …

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 28. November
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