Desaströse Borussia ohne Alternativen: Lucien Favre steht vor einer schweren Aufgabe

Jegliche Euphorie des Sommers, sie ist bereits verflogen. Nur wenige Wochen währte das Hochgefühl eines beinahe Champions-League-Teilnehmers. Nach der mageren Ausbeute von nur sechs Punkten in sechs Bundesligaspielen ist man im Borussia-Park auf dem harten Boden der Realität gelandet.

12 Gegentore hat die Mannschaft von Trainer Lucien Favre bereits einstecken müssen – eine Bilanz, die unweigerlich an längst vergangen geglaubte Zeiten erinnert. Damals, unmittelbar vor der Amtsübernahme Favres im Februar 2011, stellten die Fohlen die Schießbude der Liga. Ganze drei Gegentore musste das Team vom damaligen Trainer Michael Frontzeck rein rechnerisch jedes Spiel schlucken.

Die Schießbude der Liga

Heute sind es zwei. Auch damit ist man in Sachen Gegentreffer am unrühmlichen Ende der Statistik. Die Tendenz geht allerdings in eine noch gefährlichere Richtung. Den beiden Warnschüssen – dem glücklichen 1:1 in Leverkusen und dem 2:2 gegen den HSV, als die Borussia ebenfalls den Papst in der Tasche hatte – folgte nun der nur allzu logische Volltreffer. Mit 5:0 ging Favres Elf beim Deutschen Meister aus Dortmund unter. Eine Niederlage in dieser Höhe musste der Schweizer in seiner Karriere als Bundesligatrainer bis dato noch nicht hinnehmen.

Doch nicht nur die hohe Zahl der Gegentreffer lässt aktuell auf die besondere Gefahr der aktuellen Situation schließen. Die Art und Weise wie sich Borussia Mönchengladbach in Dortmund präsentiert hat, lässt dunkelste Szenarien in den Köpfen der meisten Beobachter reifen. Spielten die Gladbacher in den ersten 30 Minuten noch einigermaßen gut mit, ging man im Anschluss völlig ohne Gegenwehr unter. Kein Aufbäumen, kein Kampf, keine Leidenschaft und keine Reaktion – die Mannschaft von Trainer Lucien Favre wirkte nicht gerade willens, sich dem drohenden Untergang auch nur annähernd zu stellen.

Favre hat noch keinen nachhaltigen Lösungsansatz

„Es ist unmöglich, so weiterzuspielen“, sagte der Romand nach dem Spiel und wirkte dabei ziemlich desillusioniert. „Das ist eine Klatsche, eine ganz große Enttäuschung“, gab Favre zudem Einblicke in sein fußballerischen Seelenleben preis. „Wir lassen viel zu viele Torchancen zu, machen es dem Gegner zu leicht. Einige vergessen, dass es ohne Stabilität in der Defensive nicht geht.“

Lucien Favre weiß, womit die aktuelle Situation der Borussia zu erklären ist. Nur wie er der Probleme Herr werden will, weiß er (noch) nicht. So kündigte der Schweizer unmittelbar nach dem Desaster von Dortmund lediglich die Anwendung des nahestehendsten Stilmittels an. Borussias Trainer wird wohl „ein paar personelle Auswechslungen“ vornehmen.

Neuzugänge enttäuschen bislang – Alternativen nicht in Sicht

Doch wer soll die Kohlen aus dem Feuer holen? Wer soll für die verlorengegangene Stabilität sorgen? Vom mangelhaften Angriffsspiel der Elf vom Niederrhein will man aktuell gar nicht erst reden. Über 30 Millionen Euro wurden im Sommer in die Mannschaft investiert. Von den Neuen konnte bislang nicht ein einziger auch nur annähernd überzeugen. Alternativen, die Favre nun wie einst einen Marc-André ter Stegen einfach ins kalte Wasser werfen könnte, gibt der Kader der Borussia trotz der hohen Investitionen nicht her.

Matthias Zimmermann, Lukas Rupp, Thorben Marx, Peniel Mlapa und Amin Younes heißen die „Alternativen“, die aktuell noch nicht großartig in Erscheinung treten durften. Während die drei Erstgenannten den Nachweis ihrer Bundesligatauglichkeit bislang schuldig blieben , dürften höchstens Neuzugang Mlapa und Talent Younes in den Fokus rücken.

Peniel Mlapa, der im Sommer für satte 2,5 Millionen Euro Ablöse aus Hoffenheim an den Niederrhein wechselte und sich in der Vorbereitung verletzte, gilt allerdings zumindest aktuell als schwieriger Charakter. Der 21-Jährige sollte über den Umweg U23 wieder Anschluss an die Bundesligatruppe finden – mit mäßigem Erfolg aufgrund mäßiger Einsatzbereitschaft. Zuletzt wurde Mlapa gegen Viktoria Köln aufgrund seiner an der Schwelle Arbeitsverweigerung liegenden Leistung bereits in der 38. Spielminute ausgewechselt.

Nächste Aufgaben heißen Istanbul und Frankfurt

Die Alternativen sind also mehr als nur rar gesät in Mönchengladbach. Lucien Favre, der bereits vor der aktuellen Spielzeit mahnte kein „Harry Potter des Fußballs“ zu sein, dürfte in dieser Woche einige Einzelgespräche führen (müssen). Ob diese zur Verbesserung beitragen, wird man erstmals am kommenden Donnerstag sehen. Dann stellt sich mit Fenerbahce Istanbul eine Mannschaft von internationaler Klasse im Borussia-Park vor. Droht gegen die Türken eine erneute Schmach?

Sollte sich die Mannschaft nicht schleunigst existenzieller und uralter Tugenden des Fußballs bedienen, kann diese Frage nur mit einem klaren „Ja“ beantwortet werden. Somit droht der Borussia gegen Fenerbahce und nur wenige Tage später gegen die Eintracht aus Frankfurt der Super-Gau.

Ähnlich sieht es auch Lucien Favre. „So kann es nicht weitergehen“, mahnte er unmittelbar nach dem Debakel in Dortmund. Wohlwissend, dass seine Möglichkeiten begrenzt sind: „Die Wunder können nicht immer kommen.“

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 30. September
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