Die Borussia erfindet sich neu und benötigt Zeit für die Entwicklung

Borussia Mönchengladbach quält sich aktuell ein wenig durch die Frühphase der Saison. Nach dem sportlichen Aderlass und den Zukäufen im Sommer ist dies nur eine allzu logische Konsequenz. Die Gladbacher brauchen Zeit – der kurzfristige Erfolg kann derzeit deshalb nur über den Kampf und die mannschaftliche Geschlossenheit kommen…

„Wir haben sehr gut angefangen, doch dann haben wir uns sehr schwer getan. Es fehlte das Tempo bei der Ballannahme, nach Balleroberung waren wir zu langsam“, sagte Trainer Lucien Favre nach dem Spiel gegen Hoffenheim und irgendwie kommt man sich ein wenig vor wie in dem Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Der Schweizer wiederholt sich derzeit nach jeder Partie. Von dem Hurra-Stil der vergangenen Saison ist man aktuell so weit entfernt wie der FC Schalke 04 oder Bayer Leverkusen von der Meisterschaft. Und dennoch zeigt der VfL aktuell eine höchst löbliche Tugend.

Die Mannschaft versucht sich nicht nur in Schönspielerei

Die Elf vom Niederrhein kämpft. Die Mannschaft versucht den Erfolg derzeit zu erzwingen und hilft sich damit mehr, als sich in Schönspielerei zu versuchen. „Wir hatten wenig klare Torchancen“, monierte Favre und hatte damit mehr als recht. Außer bei Standardsituationen brachte es die Borussia zu keinen nennenswerten Torschusschancen – aus dem Spiel heraus ist die Borussia derzeit völlig ungefährlich.

Die Gründe dafür sind breitgefächert. Am meisten lastet die von Favre bemängelte fehlende Schnelligkeit auf dem Spiel der Fohlen. Doch auch im Spielaufbau hapert es gewaltig. Vor allem Granit Xhaka steht diesbezüglich im Fokus. „Xhaka ist gut, er hat Qualität. Aber er muss noch ganz viel tun, oh là là“, sagte Favre über seinen Landsmann.

Dem Mittelfeldspieler fehlt derzeit etwas die Handlungsschnelligkeit. Neben vielen guten Aktionen, wenn er dem Gegner den Ball abläuft, unterlaufen dem Nationalspieler viel zu viele leichte Ballverluste. Im System seines Trainers ist dies geradezu tödlich für das eigene Spiel: „Er weiß das, ich habe schon viel mit ihm gesprochen“, sagte Favre. Man darf nicht vergessen, dass auch er erst 19 Jahre alt ist. Er braucht Zeit.“

De Jong muss man die Eingewöhnungszeit zugestehen

Das ganze Gebilde Borussia braucht Zeit. Und auch wenn es diese im Profifußball wenn überhaupt nur begrenzt gibt, sollte man diese der Mannschaft geben. Vor allem aber sollte man den Neuzugängen die Eingewöhnung zugestehen. Dies gilt in erster Linie für Rekordeinkauf Luuk de Jong. Der Niederländer ist aktuell „die ärmste Sau“ im Team. Neben eigenen technischen Mängeln ist de Jong vor allem ein Opfer des noch nicht ausgereiften Spielsystems.

Der 21-Jährige bekommt schlichtweg keine Zuspiele und ist vom Spiel seiner Mannschaft praktisch abgenabelt. „De Jong hat die Qualität, aber es braucht Zeit“, wirbt sein Trainer um Geduld – wohlwissend das jenes „Borussia Barcelona“, das in der vergangenen Spielzeit derart für Furore sorgte, ebenfalls erst nach einigen Wochen zustande kam.

Weiter mit dem 4-4-2 ?

Die Mischung von einst ist im Zuge des sportlichen Aderlasses abhandengekommen. Nun liegt es an Lucien Favre, die Feinjustierung schnellstens voranzutreiben. Dabei scheint er weiterhin am aktuellen System festzuhalten und seinen Plan knallhart durchzuziehen: „Wenn du 4-4-2 spielst, brauchst du vorne die Durchschlagskraft. Sonst ist es total uneffizient. Es gibt unglaublich viel zu tun.“

Eine schwierige Aufgabe für den Romand in einer Zeit, in der Trainingseinheiten aufgrund der Champions-League-Qualifikation rar gesät sind. Gut, das die Borussia den Kampf nicht scheut und zudem einen Individualisten an Bord hat, der die Mannschaft in der Frühphase der Saison über Wasser hält. „Zum Glück für uns ist Arango da – er macht im Moment den Unterschied“, weiß Favre um die Wichtigkeit der derzeitigen Lebensversicherung des VfL. Bislang war der Venezolaner an allen Pflichtspieltoren seiner Elf beteiligt.

Bleibt zu hoffen, dass der übrige Teil der Mannschaft in seinem Windschatten wächst. Die Zeit dazu sollte sie jedenfalls bekommen. Pfiffe gegen die eigenen Spieler, bei denen ohnehin teils völlig überzogene Erwartungen bestehen, sind völlig fehl am Platz. Die Borussia erfindet sich gerade neu und steckt mitten in der Entwicklungsphase – einer Phase, aus der sie mit favre´scher Sicherheit gestärkt hervorkommen wird.

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 27. August
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