Die Borussia macht das Spiel ihres Lebens und scheitert dennoch an sich selbst

Yuri Semin, seines Zeichens Trainer des ukrainischen Rekordmeisters, dürfte sich während der durchaus imposanten 90 Minuten mehrfach die Augen gerieben haben. Was er sah, dürfte ihm nicht gefallen haben. Elf grün-weiß gekleidete Borussen, die voller Leidenschaft versuchten das Unmögliche möglich zu machen…

Die Vorzeichen standen alles Andere als gut. Gladbach war gezwungen bei den extrem heimstarken Ukrainern mindestens drei Tore zu erzielen, um die Sensation zu schaffen und doch noch in die Champions-League-Gruppenphase einzuziehen. Mit 2:1 gewann die Borussia am Ende ihr Auswärtsspiel im Olympiastadion von Kiew – ein kleines Fußballwunder. Doch das große Wunder blieb aus.

Champions League im Hinspiel hergegeben

Ohne jeden Zweifel wurde die Gruppenphase im heimischen Borussia-Park verspielt. Mit 1:3 verlor man die erste Partie auf europäischer Ebene seit 16 Jahren. ZDF-Experte Oliver Kahn, der ohne Karin-Müller Hohenstein tatsächlich so rüber kommt als hätte er einmal selbst gegen das Runde Leder getreten, sagte dazu treffend: „Wenn du 2:1 in Kiew gewinnst, reicht das normalerweise zum Weiterkommen.“

Es reichte  bekanntlich nicht. Neben dem verkorksten Hinspiel waren die Gründe während der 90 teils packenden Minuten in Kiew mannigfaltig. Eine hervorragende und leidenschaftliche Mannschaftsleistung alleine reichte nicht aus – die Borussia erreichte lediglich bis zum letzten Drittel der grünen Wiese von Kiew europäisches Niveau. Immer wieder bemüht sich Lucien Favre zu unterstreichen, wo denn seine Mannschaft noch vor einiger Zeit war. Er redet dann von seiner Amtsübernahme und den Relegationsspielen gegen Bochum. „Gladbach war tot“, gibt der Schweizer dann zu Protokoll.

Probleme in der Offensive

Heute ist die Offensive der Mannschaft von Trainer Lucien Favre so ziemlich klinisch tot. Zumindest aber befindet sie sich im Wachkoma. Gladbachs größter Patient ist dabei Luuk de Jong. Dem Niederländer allerdings große Vorwürfe zu machen fällt schwer. Der Rekordtransfer der Borussia ackert und geht dabei lange Wege. Einzig seine Nebenleute scheinen entweder nicht in Form zu sein oder ihn einfach fußballerisch nicht zu verstehen. Aktuell ist de Jong die „ärmste Sau“ im Fohlenstall – dem mutmaßlichen Knipser fehlen schlichtweg die Zuspiele und Flanken, wie sie ein Strafraumstürmer benötigt, um erfolgreich zu sein.

Dass der Niederländer kein kreativer Hochgeschwindigkeitsfußballer ist, sollte bereits nach vier Pflichtspielen auch dem letzten Beobachter klargeworden sein. Der Borussia fehlt ein kreativer Kopf – der erneut bärenstarke Juan Arango kann über die linke Seite nicht alleine für Gefahr sorgen. Und auch wenn das Thema Marco Reus in den letzten Wochen medial mehr als ausgelutscht wurde, muss man konstatieren, dass der 23-Jährige mit seinem Weggang ein brachiales Geschwindigkeits- und Kreativvakuum hinterlassen hat.

Fußball kein Spiel im Konjunktiv

Das Wunder von Kiew blieb aus und doch hätte es sich aufgrund einer herausragenden Leistung beinahe erfüllt. Hätte der sich noch immer in einer Formkrise befindliche Patrick Herrmann in der zweiten Spielminute das Tor getroffen oder hätte Mike Hanke einer seiner Chancen verwandelt – Borussia wäre wohl in die Runde der besten 32 Teams Europas eingezogen. Leider werden Fußballspiele jedoch selten im Konjunktiv entschieden. So muss die Borussia mit erhobenem Haupt bereits nach der Playoff-Runde die Segel in Sachen Champions League streichen und mit der Europa League vorlieb nehmen.

Wahrscheinlich ist die Mannschaft von Trainer Favre dort ohnehin besser aufgehoben. Wunder braucht sie dort keine zu verbringen – mit soliden Leistungen könnte man eine gute Rolle spielen. Sollte Lucien Favre wie angekündigt dann noch die Offensive wiederbeleben können, wäre man mit einer Leistung wie in Kiew tatsächlich in der Lage Europa aufzumischen.

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 30. August
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