Die Depression im Fußball – Rangnick nur einer unter vielen

Ralf Rangnick ist nicht mehr Trainer des FC Schalke 04. Aufgrund eines „Erschöpfungssyndroms“ legt er sein Traineramt mit sofortiger Wirkung nieder. Für sein Handeln gebührt ihm Respekt, Hochachtung und die besten Genesungswünsche…

 

 

Tritt als Trainer zurück um sein Lachen zurück zu erkämpfen – Ralf Rangnick

 

 

Erschöpfungssyndrom. Burnout. Depressionen. Was in der Gesellschaft längst zur Volkskrankheit (ca.20 % der Bevölkerung sind betroffen) mutiert ist, macht auch vor Prominenten nicht halt. Augenscheinlich besonders „in Gefahr“: Leistungssportler. Sven Hannawald, Robert Enke, Andreas Biermann und die kürzlich bekannt gewordene Erkrankung des Hannover 96 Torhüters Markus Miller – nur einige Beispiele unter vielen. Nun hat mit Ralf Rangnick ein Trainer seinen Rückzug aus seinem Job erklärt. Er könne dem Team keine positiven Impulse mehr geben. Er selbst habe nicht die Energie die es braucht um vernünftig zu arbeiten.

 

Eine schöne, eine blumige Erklärung. Es kann nur gemutmaßt werden, was Ralf Rangnick in den letzten Wochen und Tagen durchgemacht haben muss. Die Hölle im eigenen Körper. Die Hölle im eigenen Kopf. Wer Ralf Rangnick kennt oder einschätzen kann, weiß wie professionell und gewissenhaft der „Fußballprofessor“ seiner Arbeit nachgeht. Dementsprechend schwer wird ihm seine Entscheidung gefallen sein „seine“ Mannschaft „im Stich“ zu lassen – mitten in der Saison.

 

Er lässt niemanden im Stich.  Ralf Rangnick schützt in erster Linie sich selbst, seine Familie und letzten Endes auch seine Mannschaft. Der Mensch Rangnick braucht Hilfe. Hilfe die er nun in Anspruch nehmen kann. Hilfe die ihn zurück zur Normalität bringen wird. Der Tod Robert Enkes, soviel scheint klar, war nicht „umsonst“. Die damals unglaublich mutige Entscheidung seiner Frau Theresa, seine Erkrankung öffentlich zu machen, hält augenscheinlich andere Betroffene dazu an sich Hilfe zu holen. Hilfe bevor es zu spät ist.

 

Vor allem im Fall Andreas Biermann, damals beim FC St.Pauli unter Vertrag, führte das Schicksal Robert Enkes zur Einsicht des Familienvaters und Menschen Biermann sich helfen zu lassen. Nun gehen auch Hannover Torhüter Markus Miller und aktuell Trainer Rangnick den Weg raus aus der Öffentlichkeit um sich behandeln und therapieren zu lassen. Eine positive, eine erfreuliche Entwicklung – denn diese „Fälle“ werden nicht die einzigen in der Bundesliga sein. 20 % der Bevölkerung sind betroffen, ergo gibt es noch viele nicht erkannte und/oder unter Verschluss gehaltene Erkrankungen im deutschen Profifußball.

 

Heute ist Biermann wieder ein Mensch mitten im Leben. Auch wenn er nicht mehr als Fußballprofi „arbeitet“ – Biermann lebt. Möge auch Ralf  Rangnick die Hilfe finden, die ihn zurück in ein gesundes Leben – mit oder ohne Fußball – führen wird. Den entscheidenden, schwierigen ersten Schritt dazu hat er getan – dafür gilt ihm Hochachtung und Respekt…

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 22. September
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