Die Leichtigkeit ist zurück und Abwehrchef Dante von allen guten Geistern verlassen

Lucien Favre hat es geschafft. Wieder einmal. Nach einer Reihe von eher schwachen Auftritten hat er der Borussia wieder seinen ganz speziellen „Spirit“ eingehaucht. Beim Spiel in Bremen konnte man wieder jener Borussia zusehen, die ihre Anhänger in dieser Saison bislang größtenteils in wahre Verzückung spielte. Und dennoch: Mindestens einen Makel hatte der Abend in Bremen trotzdem parat …http://www.nach-dem-spiel-ist-vor-dem-spiel.com/wp-includes/js/tinymce/plugins/wordpress/img/trans.gif

Lucien Favres Fohlen spielten sich im ausverkauften Weserstadion in einen wahren Fußballrausch. 25 Torschüsse standen am Ende für die Elf vom Niederrhein zu Buche. Was die Gladbacher in der Offensive teilweise zelebrierten, war Fußball in Reinkultur. Lediglich der gelungene Abschluss fehlte zur Perfektion. Am Ende muss sich der Tabellenvierte den Vorwurf gefallen lassen, es vor dem Tor teilweise zu kompliziert gemacht zu haben. Ein Schnörkel hier, ein Doppelpass da – vor allem Mittelfeldflitzer Patrick Herrmann wollte es mehrfach zu schön machen.

25 Torschüsse sind eine klare Ansage. 16 Torschüsse des Gegners, der über 60 Minuten in Unterzahl agieren musste zeugt indes auch von Fehlern in der ansonsten so stabilen Defensive. Hier kristallisiert sich neben der latenten Gefahr eines Roman Neustädters derzeit vor allem Abwehrchef Dante heraus. Seit Wochen erreicht der Brasilianer nicht mehr annähernd das Niveau, das die Abwehr der Borussia zwischenzeitlich zur besten Europas reifen ließ und welches ihn so interessant für die Bayern machte. An den letzten vier Gegentoren der Borussia war Dante direkt beteiligt.

Dante von allen guten Geistern verlassen

Während sich Dante eine Vielzahl von Aussetzern erlaubte, zeigte sich Hanke wieder in alter Form. (Fotos: jdp-fotos.com)

Apropos Bayern. Seitdem der Wechsel Dantes zu den Bayern zumindest medial fix scheint, geht es auch mit seiner Leistung bergab. Ein Schelm, wer dabei Böses denkt. Im Bremer Weserstadion war Gladbachs Abwehrchef jedenfalls mental erneut nicht auf der Höhe und schien gedanklich nicht zu 100 Prozent auf dem Platz zu sein. Drei, vier, sogar fünf gravierende Aussetzer durfte man „bestaunen“. „Ich habe mich bei zwei wichtigen Zweikämpfen etwas naiv angestellt“, gab der Brasilianer zu Protokoll.

Der größte „Bock“ unterlief Dante ausgerechnet bei 1:0 der Bremer, als ihm jegliches Timing fehlte und er über den Ball trat. Die Tatsache, dass Patrick Herrmann nur Sekunden vorher selbst zur Führung hätte treffen müssen, darf da einfach nicht als Entschuldigung herhalten. Auch der vortreffliche Einsatz unmittelbar vor dem 2:1, als Dante in einen Ball rein sprang und so den Angriff einleitete, täuscht nicht über die mangelnde Konzentration hinweg.

Vielleicht sollten sämtliche Protagonisten endlich für eine psychische Entlastung Dantes sorgen. Sowohl der Verein als auch der Spieler selbst täten gut daran, in der Sache Klarheit schaffen. Bayern oder Gladbach – viel wichtiger wäre volle Konzentration für die letzten vier Partien, denn die haben es in sich.

Gegen Köln unter Druck

Am kommenden Sonntag (15.30 Uhr) ist der 1.FC Köln zu Gast im Borussia-Park. Vermeintlich eine leichte Aufgabe. Die Kölner taumeln unweigerlich dem Abstieg entgegen und verloren zuletzt  in Mainz verdient mit 0:4 ohne sich auch nur annähernd gegen diesen Untergang zu stemmen. Der FC ist klinisch tot. Gut möglich das sich ausgerechnet vor dem Gastspiel in Mönchengladbach etwas tut in der Medienstadt.

Denn das Stale Solbakken am Sonntag noch auf der Trainerbank der Geißböcke sitzt, dürfte nach der neuerlichen blutleeren Darbietung seiner Schützlinge mehr als fraglich sein. In Müngersdorf wird man wohl nach dem letzten Strohhalm greifen und mit einem kurzfristigen Trainerwechsel (Frank Schäfer?) noch einmal für einen Schub sorgen.

Zudem steht die Borussia gegen die Kölner selbst gehörig unter Druck. Mit Blick auf den VfB Stuttgart, der auf Platz fünf  stehend „nur“ noch sieben Punkte Rückstand auf die Gladbacher hat, ist man beinahe dazu gezwungen, drei Punkte einzufahren. Im Anschluss warten mit dem Auswärtsspiel beim BvB, dem Heimspiel gegen den FC Augsburg sowie dem Saisonabschluss bei Mainz 05 noch schwer zu bespielende Teams.

Personelle Änderungen?

Traf gegen Bremen nur die Latte und macht ordentlich Druck von der Bank - Alexander Ring (Foto: Borussia.de)

Lucien Favre ist kein Freund von großen Veränderungen. Eher im Gegenteil. Und dennoch könnte er die Mannschaft mit Personalveränderungen noch einmal für die letzten Partien kitzeln. Alexander Ring ist einer der Kandidaten für die erste Elf. Der Finne hat bislang bei jedem seiner Kurzeinsätze mehr als nur angedeutet, welches Potential in ihm schlummert.

Aggressiv im Defensivbereich mit einigen wichtigen Ballgewinnen, zeigt er sich nach vorne immer wieder gefährlich. Mit der Hereinnahme Rings bekommt das Spiel der Borussia noch einmal eine gehörige Portion Zug zum Tor. Gegen den SV Werder Bremen gelang dem 21-jährigen beinahe das entscheidende 3:2. Nur die Fäuste Tim Wieses samt Mithilfe der Torlatte verhinderten das erste Bundesligator des Finnen.

Ebenfalls denkbar wäre eine Denkpause für den unkonzentrierten Dante. Durch die Rückkehr Tony Jantschkes müsste Roel Brouwers weichen und zurück auf die Bank. Warum nicht einfach mal auf das Duo Stranzl/Brouwers setzen? Rein statistisch gesehen ist diese Kombination ohnehin die sicherste Variante in der Innenverteidigung.

Wie es letzten Endes auch kommen mag: Wichtig sind für die Borussia am Sonntag nur die drei Punkte gegen den Erzrivalen aus Köln. Mit einem Sieg könnte man selbst für die Champions-League-Qualifikationsrunde planen, während man den FC ein gutes Stück Richtung Abgrund befördern würde.

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 11. April
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