Ein Kapitän als Auslaufmodell

Ab heute startet „Nach dem Spiel“ den Rückblick auf die Saison 2010/2011. Mehrmals in der Woche werden Themen und Leistungen der vergangenen Spielzeit aufgearbeitet. Wie immer auch mit einem sehr kritischen Auge, ohne vom positiven Saisonende geblendet zu sein. Den Anfang macht heute VFL-Kapitän Filip Daems…

 

Obwohl der Belgier zum absoluten Stammpersonal gehörte und in jeder Sekunde der Saison auf dem Platz stand, spielte der Linksverteidiger eine ziemlich durchwachsene Saison.

In den ersten beiden Dritteln der Saison stellte Daems, sofern er auf seiner angestammten linken Abwehrseite spielte, eine der Achillesfersen des Teams dar. Zu langsam in der Rückwärtsbewegung, zu behäbig in seinen Aktionen. Die Mittellinie „besuchte“ der Belgier nur selten, als hätte er Angst diese Linie zu überqueren. Frei nach dem Motto: Wer darüber  läuft wird erschossen!?

 

Daems, dessen Vertrag unter dem ehemaligen Trainer Frontzeck trotz seines Alters bis 2013 verlängert wurde, zeigte eindrucksvoll das er für die Bundesliga schlichtweg eine zu geringe Grundschnelligkeit besitzt. Der  Belgier zog in Puncto Schnelligkeit in jedem Spiel den kürzeren und konnte dies auch nicht mit einem guten Stellungsspiel wettmachen.

 

Doch wie kommt der Kapitän der Borussia auf eine insgesamt im guten Durchschnitt liegende  gewonnene Zweikampfquote von 61,4 % (Quelle: http://www.kickwelt.de) ? Die Antwort ist ebenso klar wie verwunderlich. Unter dem neuen Coach Lucien Favre blühte Daems förmlich auf.  Leistungsverweigerung unter Michael Frontzeck? Nein, nicht vom charakterlich einwandfreien Belgier der schon seit Januar 2005 das Trikot mit der Raute trägt. Der Grund ist mit der taktischen Umstellung und der Einforderung von taktischer Disziplin unter dem Schweizer Coach zu erklären. Fußball kann so einfach sein – Juan Arango hat unter Favre das Laufen gelernt, vor allem in der Rückwärtsbewegung. Die linke Außenbahn der Borussia hat keinen Tag der offenen Tür mehr. Ergo, kann der gegnerische Spieler nicht mehr so viel Fahrt aufnehmen und  Daems steht wesentlich besser zum Gegner.

 

So konnte Daems in den letzten Spielen immer mehr überzeugen und sogar einige Angriffe weit jenseits der Mittellinie fahren. Mit zunehmendem Selbstbewusstsein stand der Belgier sicher und konnte mit altbekanntem, starken Stellungsspiel sein Tempodefizit egalisieren. Ein Filip Daems in dieser Form ist kaum aus der Mannschaft wegzudenken.

 

Ein großer Kritikpunkt lässt sich jedoch in keinster Weise wegradieren – das Verhalten des Belgiers als Kapitän. Gerade als die Mannschaft völlig am Boden lag hätte es einen Kapitän gebraucht der voranschreitet, einer der die Mannschaft aufrichtet und mitzieht. Außer dem Schießen von Elfmetern und der damit verbundenen Verantwortung, versank Daems in schlechten Leistungen und Lethargie. Der Kapitän versteckte sich förmlich auf dem Platz und war nicht in der Lage voranzugehen. Nicht der Fehler des Belgiers, denn von seinem Naturell ist er so wie er ist. Ruhig, besonnen und zu Weilen auch stoisch. Attribute die ebenfalls einer Mannschaft gut tun, jedoch nicht unbedingt als Kapitän einer Mannschaft im Abstiegskampf. Seine Führungsqualitäten neben dem Platz sind indes unbestritten, gilt Daems doch als Ansprechpartner innerhalb des Teams und als eine Art Mentor für die jungen Spieler.

 

Daems wird es schwer haben

 

Das die Verantwortlichen der Borussia nach einem guten, jungen Linksverteidiger suchen ist kein Geheimnis. Das Favre auf schnelle Spieler „steht“ die schnelle Angriffe ausführen können ebenso. Filip Daems wird es schwer haben, sollte die Borussia auf ihrer Suche fündig werden. So hart es klingt – der Belgier ist ein Auslaufmodell. Ein Auslaufmodell aufgrund seines Alters (32) und seiner fehlenden Schnelligkeit. Als Kapitän für die Saison 2011/2012 wird Coach Favre wohl den ein oder anderen Spieler im Kopf haben, zu denen der ehemalige Nationalspieler Belgiens wohl eher nicht zählen wird. Aufgrund seiner Kollegialität und Charakterstärke wird Daems jedoch als Reservespieler noch wichtig werden für den VFL – vor allem mit seiner Erfahrung und Führungsstärke außerhalb des Platzes.

 

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 06. Juni
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