Erst die Ordnung verloren, dann wie ein Spitzenteam eiskalt zugeschlagen

Die Gladbacher Borussia gewann das so wichtige Auswärtsspiel beim direkten Konkurrenten  Bayer Leverkusen durch eine furiose sowie starke Schlussviertelstunde und dem entscheidenden Treffer von Igor de Camargo mit 2:1. Der Traum von der Champions-League-Qualifikation ist nun realistischer denn je – zumindest Platz 4 ist der Borussia wohl kaum noch zu nehmen…

Eigentlich war es spätestens nach dem frühen Führungstreffer ein Traum-Szenario für die Borussia. Die Verfolger aus Leverkusen, die ohnehin bereits unter Zugzwang standen und das Spiel unbedingt gewinnen mussten um den Anschluss an die Top 4 der Tabelle nicht gänzlich zu verlieren, waren gezwungen nach dem  0:1 durch Marco Reus (8.) das Spiel zu machen.

Wer gedacht hätte, die Elf vom Niederrhein würde die Werkself nun nach allen Regeln der Kunst auskontern, sah sich getäuscht. Stattdessen entwickelte sich ein rassiges sowie richtig tolles Bundesligaspiel, indem die enorme Wichtigkeit, nämlich der Kampf um die Champions-League, in jeder Minute zu spüren war.

Dass die Borussia nach dem Führungstreffer das Spielen einstellte und in den „Beamtenmodus“ schaltete, um das Ergebnis zu verwalten, ist eigentlich kaum zu verstehen. Mit einem frühen1:0 im Rücken und einem offensiven Gegner der gezwungen ist das Spiel zu machen, hätte die Mannschaft von Lucien Favre eigentlich das tun können, was sie am besten kann: Den Gegner gnadenlos und blitzschnell auskontern.

Dass dies an diesem Nachmittag in der „BayArena“ zunächst nicht funktionierte, lag zum einen an stark agierenden Leverkusenern sowie vor allem aber der eigenen Unkonzentriertheit. Obwohl Gladbachs exzellente Verteidigung immer wieder Bälle gewann, wurden diese beinahe im selben Moment wieder hergegeben.

Die daraus resultierende Unordnung im eigenen Spiel war deshalb größtenteils selbstverschuldet und das Gegentor durch den unermüdlichen Stefan Kiesling in der 75. Minute deshalb folgerichtig und hochverdient. Kurios: Borussia Mönchengladbach schien diesen Gegentreffer regelrecht gebraucht zu haben.

Was sich zwischen der 76. und 90. Spielminute auf dem Rasen der Arena abspielte, war ganz großer Sport und ganz viel „Borussia-Reloaded“. Das „weiße Ballett“ war zurück, war auf den Sieg fokussiert und erzwang in einem Spiel „auf des Messers Schneide“ durch ständiges Anlaufen sowie teils hervorragende Spielzüge das am Ende verdiente 2:1.

Auf Ring dem Vorvorbereiter folgt „Lucain Bolt“

Sorgte mit seinem späten Treffer zum 2:1 wieder einmal für einen Gänsehautmoment für die Fans - Igor de Camargo (Fotos: jdp-fotos.com)

Borussias 2:1 war ein perfekter Konter. Marco Reus sprintet mit dem Ball in Richtung gegnerischen Strafraum, Igor de Camargo kreuzt und bekommt den Ball im richtigen Moment in den Lauf gespielt. Ein eiskaltes Tor zum mit der Zunge schnalzen direkt ins Herz der Leverkusener. Marco Reus und Igor de Camargo – eigentlich die entscheidenden Protagonisten des Siegtores.

Wer genauer hingesehen hat, wird jedoch registriert haben, dass der kurz zuvor eingewechselte Finne Alexander Ring den entscheidenden Zweikampf in der eigenen Hälfte gewann, den Ball sofort zu Reus weitersteckte und somit den spielentscheidenden Angriff erst möglich machte. Gut möglich das Gladbachs Winterzugang in den nächsten Wochen die Chance bekommt, sich von Beginn an zu präsentieren.

In der 88. Spielminute bot sich dem Anhang der Borussia also wieder einer dieser Gänsehautmomente ganz spezieller Natur. Ähnlich wie beim Relegationshinspiel im vergangenen Mai, als de Camargo ebenfalls unmittelbar vor Spielende für die Entscheidung sorgte, explodierte die Leidenschaft der Spieler förmlich und endete in einer ausgelassen feiernden Spielertraube.

Mitten drin statt nur dabei: Trainer Lucien Favre. Der sonst eher ruhig und besonnene Schweizer sprintete, mit zum Jubel in den Himmel von Leverkusen hochgerissenen Armen, mehr als 40 Meter über den Platz, um mit seinen Schützlingen diesen so eminent wichtigen Treffer zu feiern.

Favre strahlte hinterher: „Haben Sie gesehen, wie ich gesprintet bin? Ich bin noch richtig fit, kann heute noch spielen“. Gladbachs „Lucain Bolt“ vom Niederrhein steht mit seiner Mannschaft nun kurz vor dem Erreichen einer nie für möglich gehaltenen Etappe, die dieser sensationellen Saison die Krone aufsetzen würde: das Erreichen der Champions-League. Bei nun 11 Punkten Vorsprung auf Platz 5 müssten schon Verhältnisse wie vor der Ära Favre eintreten, damit dieses Ziel noch verfehlt würde.

 

 

PS: Kennst du schon unseren kostenlosen Newsletter? »Hier« kannst du unseren kostenlosen Newsletter abonnieren.

veröffentlicht von Björn Brodermanns am 18. März
Diesen Artikel empfehlen:
 
Kommentieren via Facebook neu