Es gibt gute Gründe für Lucien Favre den Vertrag in Gladbach zu verlängern

Derzeit wird Rund um die Borussia viel Spekulation betrieben. Einer, der sich derzeit mit am wenigsten daran beteiligt ist der Vater des Erfolgs – Lucien Favre. Dem Erfolgstrainer dürfte indes nicht entgehen, dass mit bereits feststehenden und drohenden Abgängen das „Kartenhaus-Borussia“ arg ins Wanken gerät …http://www.nach-dem-spiel-ist-vor-dem-spiel.com/wp-includes/js/tinymce/plugins/wordpress/img/trans.gif

Mit Marco Reus verlässt bereits einer der, wenn nicht gar die tragende Säule den Verein. Mit einem Weggang des Abwehrchefs Dante, dessen Transfer zu den Bayern wohl nicht mehr abzuwenden ist, würde ein weiterer wichtiger Pfeiler wegbrechen. Gladbachs Trainer Lucien Favre wird dies nicht mit sonderlich viel Wohlwollen beobachten. Im Gegenteil. Seit seiner Zeit bei Hertha BSC Berlin, wo ihm nach einer grandiosen Spielzeit ebenfalls die wichtigsten Spieler genommen wurden, gilt er diesbezüglich als gebranntes Kind.

Das, das gebrannte Kind Favre das Feuer scheut, hat dieser bereits vor einiger Zeit verlauten lassen. Ein zweites Berlin will der Schweizer nicht erleben und so steht ein Verbleib des Romand bei Borussia Mönchengladbach noch in den Sternen. Dennoch: Es gibt auch gute Gründe, die für eine längere Ära beim VfL stehen:

Mailand oder Madrid – Hauptsache Italien: Gladbach ist nicht Berlin

Als die Berliner Hertha in der Saison 2008/2009 mit Lucien Favre einen sensationell anmutenden vierten Tabellenplatz erreichte, war die Fußballwelt Berlins bereits nicht mehr in Ordnung. Der Hauptstadtclub war trotz der sportlich rosigen Ergebnisse dazu gezwungen, einen rigorosen finanziellen Sparkurs zu fahren. Opfer des Sparzwangs: die wichtigsten Stützen der Mannschaft.

Neben Pantelic, Simunic und Mittelfeldmann Cícero, verließ auch Andrij Voronin die Hauptstädter wieder Richtung Liverpool – ein sportlicher Aderlass, der zur kommenden Saison aus finanziellen Gründen nicht kompensiert werden konnte. Die weitere Entwicklung ist bekannt: Die „neue“ Hertha kam denkbar schlecht aus den Startlöchern, so dass Lucien Favre seinen Hut nehmen musste. Zudem gesellten sich atmosphärische Störungen mit dem neuen Manager Michael Preetz.

In Mönchengladbach ist die Situation auf dem ersten Blick ähnlich und dennoch eine ganz Andere: Wichtige Stützen verlassen den Verein. So weit, so ähnlich. Doch damit war es das auch mit den Parallelen zu den Berliner Zeiten. Während die Hertha seinerzeit klamm war, wie die bezeichnete Kirchenmaus, kann beim rheinischen Traditionsverein finanziell aus dem Vollen geschöpft werden.

17,1 Millionen aus dem Reus-Transfer zum BVB, höchstwahrscheinlich 4,7 Millionen aus München für Abwehrchef Dante, Einsparungen im Gehaltsgefüge und dazu satte Zusatzeinnahmen aus dem noch laufenden DfB-Pokalwettbewerb sowie einer wahrscheinlichen Qualifikation für die Uefa-Champions-League. Am Ende wird Sportdirektor Max Eberl wohl gut 35 Millionen für Neuverpflichtungen zur Verfügung haben.

Eine Tatsache die Borussia Mönchengladbach, trotz aller Abgänge, zum Schlaraffenland für jeden Trainer werden lässt. Lucien Favre könnte in Mönchengladbach das vorfinden, was er eigentlich immer wieder gebetsmühlenartig fordert: der langfristige Aufbau einer Mannschaft – in Ruhe und nach eigenem Credo. In Mönchengladbach, soviel ist sicher, wird er alle Ruhe der Welt haben ein „neues“ Team aufzubauen. Selbst bei zu befürchtenden Rückschlägen wird er als Trainer wohl  kaum infrage gestellt werden. Der Schweizer hätte geradezu „Narrenfreiheit“.

München ist nicht Gladbach und erst recht kein Paradies

Lucien Favre gilt in Fachkreisen als kommender Trainer des großen FC Bayern. Da ihn der alles überstrahlende Fußballkaiser Franz Beckenbauer über alle Maße lobt, wird dies wohl so sein. Vielleicht. Bestimmt sogar. Ob die beiden ehemaligen Zimmergenossen bei Servette Genf, Karl-Heinz Rummenigge und Lucien Favre, damals Ende der Achtziger bereits über ein Engagement des Romands bei den Bayern sprachen, ist indes nicht überliefert. Wenn überhaupt, wird wohl das ein oder andere Weißbier im Spiel gewesen sein – zumindest beim heutigen Vorstandsvorsitzenden der Bayern.

Nein, Lucien Favre ist keiner für die Bayern. Mit seiner ruhigen und sachlichen Art passt er so gar nicht zum FC Hollywood und wäre ein gefundenes Fressen für die gierige Medienlandschaft an der Säbener Straße. Nein, Lucien Favre und der FCB – das passt nicht. Der Schweizer formt gerne eine Mannschaft nach seinem eigenen Credo. Mit jungen, talentierten sowie hungrigen Spielern, die vor allem eines sind: formbar.

In München wäre er, wäre sein Freigeist eingesperrt. Zu viele Verantwortliche würden ihm in die Suppe spucken, ihm vorschreiben, was, wie in München zu laufen hat. Eine sportlich schwierige Umbauphase ließe sich erst recht nicht vereinbaren: Favre wäre zum maximalen Erfolg verdammt. Und das mit Spielern, deren Großteil ähnlich formbar ist wie ein Stück Holz.

Nein, Favres große Liebe sowie Chance ist zweifellos in Mönchengladbach. Dort könnte er endgültig zu einem der größten seines Fachs heranwachsen. Geld, Ruhe, die Bereitschaft zu einer langfristigen Zusammenarbeit und eine Reihe von hoffnungsvollen Talenten, all dies wäre am Niederrhein gegeben. Zudem findet er mit der Borussia einen schlafenden Riesen vor, einen den er bereits aufgegeweckt hat und der nur so auf neue, große Aufgaben wartet.

Paradiesische Zustände also  für einen akribischen Feingeist wie dem Schweizer Trainer. Paradiesische Zustände für einen langfristigen Vertrag in Mönchengladbach.

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 23. Februar
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