Gastkommentar: Mona Lisa – oder die Frage, warum man in Gladbach kein Museum haben kann

Dante, Favre und die ganzen Fragezeichen für die Zukunft bei Borussia Mönchengladbach. Patrik Kohlhas aus Köln hat sich so seine eigene Meinung gebildet und diese als Gastkommentar für Euch verfasst. Für den Inhalt ist ausschließlich Patrik verantwortlich …

Ein interessanter Titel für einen Gastbeitrag findet ihr nicht? Was hat denn unsere Borussia mit da Vinci zu tun? Auf den ersten Blick nicht viel. Das eine ist eine Kreation einer doch sehr frigide wirkenden Dame, das andere eben Sport. Macht man sich aber einmal weitreichende Gedanken, so erkennt man ein Bild.

Ach ja, ein Bild? Wie das denn, werdet ihr Euch sicherlich fragen. Nun, dieses Bild wurde zu einem der besten Meisterwerke emporgehoben, so wie zurzeit die Borussia durch die Medien in andere Sphären gehievt wird. Es ist nun mal verdient, so kann man mittlerweile sagen, da sich die meisten Kritiker in andere Fußball-Städte zurückgezogen haben und die Mannschaft von Trainer Lucien Favre wirklich richtig guten Fußball spielt.

Zum einen hat dieses tolle Gemälde einen Künstler – für die Mona Lisa eben jenen da Vinci. Wir haben auf unserer Seite Lucien Favre. Der Künstler bestimmt mit seiner Farbwahl, seiner Linienführung und seinen Impressionen, in welche Richtung es gehen soll. Er hat ein Gesamtbild im Kopf. Malt er nur eine Schüssel mit Früchten, eine Dame oder in unserem Fall – das Bild des Erfolgs.

Voraussetzung für den Erfolg ist, dass der Maler das bekommt, was er braucht. Viele verschiedene Farben, eben die Einzeltalente der Spieler – diese bilden das Gerüst für eine solide Arbeit. Zum anderen kommt aber auch die Frage der Perspektive. Welchen Eindruck soll mir das Bild vermitteln? Wo soll das Bild aufgehangen werden? Oder vielleicht auch – reicht es für den dauerhaften künstlerischen Erfolg?

Dem Schweizer werden zurzeit seine wichtigsten Farben genommen. Mit Reus, Neustädter und wahrscheinlich auch Dante gehen Stilelemente verloren, die für eine solide weitere Saison dringend benötigt werden. Es ist nicht so einfach, gewohntes Material wegzugeben und einfach Neues zu kaufen, auch wenn man das Geld dazu hat. Ein paar Millionen mehr auf dem Konto garantieren keinen Erfolg, das musste man bis dato auch in Wolfsburg erkennen.

Widmen wir uns wieder der Kunst. Wenn Ihr oder ich ins Museum geht, sei es im jetzigen Fall einmal das „Louvre“ in Paris, weiß man genau, das man sich die Bilder die dort hängen, eh nie leisten können wird. Außerdem käm so eine Mona Lisa in einer 2-Zimmer-Wohnung in Mönchengladbach-Zentrum wohl nicht geeignet zur Geltung.

Geltung – das wollen viele Spieler. Aktuell ein Spieler wie Dante, der bei „seiner“ WM in Brasilien unbedingt dabei sein will. Er ist sich nicht sicher, ob er das mit Gladbach schaffen kann. Auch Marco Reus ging wegen der sportlichen Perspektive. Was macht das Ganze also so unattraktiv?

Natürlich. Die Unsicherheit. Wenn ich mir die Mona Lisa ins Wohnzimmer hängen würde, könnte ich nachts nicht mehr ruhig schlafen, weil ich befürchten müsste, dass sie morgen nicht mehr dort ist. Das ist auch eines der Probleme des Lucien Favre. Ein Grund für ihn zu zweifeln. Darum schwirren auch immer häufiger schon B-Pläne des Museumskritikers Eberl herum. Sei es durch neue Farben bzw. Spieler, oder einfach den Künstler seiner Galerie zu wechseln. Im Sommer.

Mönchengladbach kann also kein Museum haben, weil wahre Kunst wohl nur in anderen Stadien daheim ist, die Farben bzw. die Spieler zu teuer sind und der Erfolg nicht wirklich gewährleistet ist. Deshalb kann man nur abwarten, ob der Erfolg dem Recht gibt, der ihn hat, solange er ihn hat.

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 20. Februar
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