Gefährlich: Der DFB beendet den Dialog

Die Bilder von Pyrotechnik  im Stadion sind allgegenwärtig. Ob man grundsätzlich dafür oder dagegen ist, sei einmal dahingestellt. Gespräche über eine mögliche Legalisierung von Bengalos, „Rauchbomben“ und Co. wurden vom DFB jüngst bis auf Weiteres abgebrochen. Gegner werden aufatmen, doch diese Entwicklung könnte die Sache noch wesentlich gefährlicher machen, als sie ohnehin schon ist…

 

Es sind Bilder, die anscheinend der Großteil der Fanlandschaft Fußballdeutschlands aufgrund der Gefährlichkeit nicht mehr sehen will: Dicke, teils farbliche Rauchschwaden, grelle Lichter, leuchtende Bengalos in sämtlichen Farben, kurz  – „brennende“ Fanblöcke. In den Augen vieler hat Pyrotechnik in den Stadien nichts zu suchen und wird nicht als „Kulturgut“ des Fan-Daseins gesehen, geschweige denn akzeptiert.

Es gibt aber auch die andere Seite der Medaille. Neben vielen Zuschauern, die in den teils spektakulären „Pyroshows“ das Schöne und auch emotionalisierende sehen, stehen die Ultra-Gruppierungen sämtlicher Vereine für die Sache ein. Die „Ultras“, in den Medien auch oft als „sogenannte Fans“ herunter tituliert, sehen Pyrotechnik als Teil „ihrer“ Welt. In ihrer Welt drücken sie ihre Emotionen genau so aus: glitzernd, knallend, qualmend und brennend. Man mag direkt einen gewissen Tom Hanks im Film „Verschollen“ vor Augen haben, als er zum ersten Mal ein Feuer auf „seiner“ einsamen Insel entfachte  – „Ich habe Feuer gemacht“ – für die „Ultras“ ist die Sache jedoch Teil ihrer „Fan-Kultur“.

 

„Ultras“ von Borussia Mönchengladbach in „Aktion“ – Fotos: jdp-fotos.de

Ihr Slogan: „Pyrotechnik legalisieren, Emotionen respektieren.“ Nun macht der DFB in Person von Dr. Theo Zwanziger für diese „Forderung“ die Tür zu. Der Grund: augenscheinlich die Vorfälle beim DFB-Pokalspiel Borussia Dortmund gegen Dynamo Dresden. Man kann über Pyrotechnik seine eigene Meinung haben, denken was man will – dieser Schritt des DFB ist ebenso falsch wie gefährlich.

Noch im Sommer hat man den Ultra-Gruppierungen seitens des Verbands Gesprächsbereitschaft signalisiert, aufgrund dessen man in den ersten Wochen der aktuellen Spielzeit sogar beinahe gänzlich auf Pyroaktionen in den Stadien verzichtete. Deutschlands Ultras fordern gesonderte „Pyro-Zonen“, in denen Bengalos und Co. „gefahrenfrei“ gezündet werden können. Dass der DFB die Türe abrupt schließt und diesen von den Ultras bislang fair geführten Dialog beendet, ist nicht nur undemokratisch, sondern auch als eine Art Provokation der Ultra-Szene zu sehen.

Solle das unkontrollierte „Abfackeln“ im Stadion nun ungeahnte Ausmaße nehmen, möglicherweise gar Menschen in Mitleidenschaft ziehen, muss sich der Deutsche Fußball Bund Fragen nach Fehlern im Umgang mit den „Ultras“ gefallen lassen. An einen Tisch setzen und darüber diskutieren wie man kontrolliertes abbrennen vielleicht ermöglichen kann, wäre der richtige Weg.

Der Weg des DFB führt nur zu einer Verschlimmerung der aktuellen Situation, denn Verbote führen ohnehin nur dazu das, das Verbotene noch interessanter wird – eine alte „Kindergarten-Weisheit“, die auch Herrn Zwanziger nicht gänzlich unbekannt sein sollte…

 

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 08. November
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