Gegensätze: Fußball zum Abgewöhnen und Träumen

Borussia gewinnt mit 1:0 gegen starke Mainzer und kommt dem Prädikat Spitzenmannschaft ein wenig näher. Auf die Frage, was der Mannschaft zum Spitzenteam fehle, antwortete Favre in den vergangenen Worten stets: „Schlecht spielen und dennoch gewinnen.“ War das Spiel gegen Mainz also eine Art „Ritterschlag“ für den VFL?

Kalt war es im weiten Rund des Borussia-Parks. Glühwein statt Bier, warmer Kakao statt Kaltgetränk. Wer seine Hoffnungen auf herzerwärmenden Fußball gesetzt hatte, wurde bitter enttäuscht. Es war nicht das bekannte und dominante Spiel des VFL – spielerische Augenweiden und sehenswerte Ballstafetten blieben Mangelware. Was das Herz der frierenden Zuschauer aber so richtig erwärmte , war das sehenswerte 1:0 „ihrer“ Borussia: Die Fohlen ließen den Ball gefällig zirkulieren, spielten blitzschnell Richtung gegnerischen Strafraum, bis Marco Reus einen ebenso tödlichen wie genialen Steckpass auf Patrick Herrmann spielte.

Der Pass des nach seinem Zehbruch zurückgekehrten Reus war eine Augenweide, ein regelrechter Zungenschnalzer. Die Borussia 2011/2012 ist eine starke, eine gute Mannschaft, aber dieser Reus macht einfach den Unterschied. Und dennoch: Dem genauen Betrachter dürfte die Ballsicherheit, sowie der mit viel Übersicht gespielte Pass von Mike Hanke auf Marco Reus aufgefallen sein. Genau diese Übersicht, dieser Pass macht den ehemaligen Hannoveraner für das Team so eminent wichtig.  Für Arbeitsbiene Hanke müsste eine neue Statistik eingeführt werden: Vorbereiter für die Torvorbereitung. Dort wäre der sympathische Stürmer ganz weit oben dabei.

Fußball zum abgewöhnen – man kann nicht immer glänzen

Nach 5 Minuten und dem 1:0 für den VFL war der ganze Zauber bereits vorbei. Das Spiel zweier eigentlich spielstarken Mannschaften entwickelte sich eher zu „Not gegen Elend“, mit augenscheinlich mehr Ballverlusten denn angekommen Zuspielen. Mit Bundesligafußball hatte das wenig zu tun, wobei Mainz überraschenderweise die bessere Mannschaft war. Doch anders als bei Borussias schwachem Auftritt in Augsburg vor einer Woche nahmen Lucien Favres Mannen diesmal den Kampf an. Die Mannschaft kämpfte, rackerte und verdiente sich deshalb den knappen 1:0 Erfolg.

Erziele den goldenen Treffer: Patrick Herrmann (Fotos: jdp-fotos.de)

Schlecht spielen und dennoch gewinnen – eine Sache die eine Mannschaft können muss, um ganz oben mitzuspielen. Der Kopf der Borussen war müde, zu viel hat im letzten Jahr auf die Mannschaft eingewirkt. Brutalster Abstiegskampf, das ständige Spielen um Leben und Tod und nun der „Aufstieg“ in die Spitzenregionen der Liga. Wenn du da noch das DFB-Pokalspiel gegen Schalke auf der Uhr hast, wird es mental unheimlich schwierig die Konzentration aufrechtzuerhalten.

Der VFL hat den schweren Kopf oben behalten. Gegen Mainz und in allen schwierigen Situationen zuvor. Nach jeder Niederlage kam die Borussia zurück – eine Tatsache, die zum Träumen einlädt, denn die Elf vom Niederrhein ist stabil, fußballerisch sowie mental und ist jederzeit in der Lage, jedem Gegner spielerisch richtig weh zu tun. Dass sie nun auch Spiele gewinnt, in denen es nicht wie gewohnt läuft und in denen der Gegner gar besser ist, macht die Mannschaft endgültig zum Europapokal-Kandidaten.

Wer schlecht spielt und gewinnt, ist in der Spitzengruppe der Liga angekommen. Punkte sammeln, ohne zu glänzen – genau das macht eine starke Mannschaft aus. Diesem VFL ist in der Rückrunde alles zuzutrauen, doch vorher wartet mit dem Pokalschlager gegen Schalke (Mittwoch 20.30 Uhr) noch die Möglichkeit die sensationelle Hinrunde zu vergolden …

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 19. Dezember
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