Gladbach gegen Köln: Derby unter besonderen Vorzeichen

Wenn am Sonntag um 15.30 Uhr das Rheinderby zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1.FC Köln angepfiffen wird, ist es für viele Zuschauer das Spiel der Spiele schlechthin. In diesen 90 Minuten scheint es mehr als nur um Fußball zu gehen. Es geht um Ruhm, Ehre, um Prestige und die Vorherrschaft am Rhein. Und das, obwohl „Vater“ Rhein die Vitusstadt nicht einmal an der entlegensten Ecke küsst. Doch nicht für alle Protagonisten erscheint dieses Derby als besonders. Gladbachs Coach Lucien Favre bleibt da wie immer ganz gelassen…

„Für mich ist es kein spezielles Spiel. Es ist ein wichtiges – das ist klar.“ Die alte Rivalität der beiden Traditionsvereine zählt für den Schweizer nur bedingt. Seine Konzentration gilt nur dem Spiel und den Geschehnissen auf dem Rasen. Und diese werden es in sich haben. Vielleicht noch mehr als ohnehin in einem Derby. Für die heimische Borussia geht es um die Frage: „Champions- oder Euro-League?“

Nach dem Sieg des VfB Stuttgart im Freitagabendspiel gegen den SV Werder Bremen, steht die Borussia unter Zugzwang – gleichwohl sie durch den Sieg der Stuttgarter bereits die Euro-League-Quali in der Tasche hat. Mit einem Sieg könnte man den wohl entscheidenden Schritt Richtung Champions-League-Qualifikation machen und hätte somit weitere Planungssicherheit.

Planungssicherheit hätte man wohl auch gerne bei den „Nachbarn“ aus Köln. Die einzige Sicherheit in der rheinischen Karnevalshochburg ist, das mach sich zum „Narren“ der gesamten Liga macht. Beim FC regiert die Narretei – von wegen an Aschermittwoch ist alles vorbei. Vorbei ist es lediglich für Trainer Stale Solbakken.

Zwei Tage hat der nicht vorhandene FC-Vorstand gebraucht, den einzigen fähigen Mann der Kölner nach der letzten Niederlage zu entlassen. Seit dem Jahr 2000 unterhielten bereits 15 (!!!) FC-Trainer die Liga und mit Verlaub: Der Norweger war der bislang fähigste aller Protagonisten. Dumm nur, dass ihm lediglich ein Haufen charakterloser Individuen unterstellt war. Säufer, Schläger, Maulwürfe und Falschparker – die Liste der Vergehen unsportlicher Natur ist beinahe beliebig erweiterbar.

Der einzige Fehler des jungen Trainers war es, am von ihm favorisierten System festzuhalten. Für den Erfolg im „System-Solbakken“ bedarf es einer gehörigen Portion Intelligenz. In der Truppe um „Prinz Poldi“ sucht man diese jedoch vergebens. Nur einige wenige Einzelspieler ragen, wenn auch nur zart, heraus.

Nun soll es also Mr. „ich will nicht mehr in der Bundesliga arbeiten“ Frank Schaefer richten. Jener Schaefer, der vor beinahe genau einem Jahr geradezu aus der Verantwortung geflüchtet ist. „Teile dieses Geschäfts widern mich an“, sagte der 48-jährige damals und flüchtete in einen extra für ihn aus dem Boden gestampften Posten. So widmete er sich in den vergangenen knapp 12 Monaten dem Hinterherreisen verliehener Spieler und scoutete ein wenig in der Welt herum – Hauptsache weit genug weg vom Geißbockheim.

Immerhin: Volker Finke, der Mann der ihn damals so „anwiderte“, ist ebenfalls vor einigen Wochen gegangen. Viel mehr gegangen worden. Frank Schaefer muss nun wieder einmal das schaffen, was 12 Jahre lang 15 Trainer vergeblich versuchten. Man nehme eine seelenlose Truppe und mache aus ihr eine verschworene Einheit, die den fünften Abstieg der Vereinsgeschichte doch noch abwenden kann. Claus Horstmann, Vorsitzender der FC-Geschäftsführung, erinnert sich gerne an Schaefers erste Amtszeit und zeigt sich voller Hoffnung: „Er kennt das Team, er hat gezeigt, dass dieses Team zu Hochleistungen fähig ist.“

Erste Hürde Gladbach

Wozu des Schaefers Schäfchen, ähm, Geißböckchen fähig sind, müssen sie ausgerechnet bei Borussia Mönchengladbach zeigen. Jenen Gladbachern, die den FC bei einem Sieg nicht nur an den Rand des Abstiegs brächten, sondern sich selbst wohl auch in die Champions-League. Drei Punkte und der Borussia wäre Platz vier nur noch theoretisch zu nehmen.

Dass der FC Köln im Borussia-Park „kommen“ muss, dürfte dem VfL klar in die Karten spielen. Keine Mannschaft kontert so gerne wie die von Lucien Favre. Es dürfte sich also ein heißes Spiel entwickeln, indem Kampf, Leidenschaft und Geduld gefragt sein werden.

Ähnlich sieht es auch der Schweizer, der abgesehen von einem kleinen Fragezeichen hinter Tony Jantschke sowie dem Ausfall von Thorben Marx, aus dem vollen schöpfen kann: „Wir haben in Bremen gut gespielt, aber nicht gewonnen. Dennoch bin ich sehr, sehr optimistisch, weil wir die richtige Bewegung wieder gefunden haben. Wir müssen weiter so spielen – mit ein wenig mehr Geduld“

Borussia gegen den 1.FC Köln. Es wird ein besonderes Derby. Ein Derby zwischen Himmel und Hölle. Zwischen Champions-League-Freuden und Abstiegsangst. Bleibt zu hoffen, das dieses Aufeinandertreffen sportlich auf dem Rasen ausgetragen wird und es rund um den Borussia-Park dementsprechend ruhig bleibt.

So spielt die Borussia:

PS: Kennst du schon unseren kostenlosen Newsletter? »Hier« kannst du unseren kostenlosen Newsletter abonnieren.

veröffentlicht von Björn Brodermanns am 13. April
Diesen Artikel empfehlen:
 
Kommentieren via Facebook neu