Gladbachs Zentrale ist Favres zentrales Problem

Zugegeben: Borussias Spiel über die Außenpositionen war beim torlosen Remis gegen den SC Freiburg nicht gerade schlagkräftig und wenig ansehnlich. Doch Gladbachs derzeitig größtes Hemmnis ist ein ganz anderes. Im Grunde genommen ist es gar ein Problem. Ein Problem, das bereits seit Beginn der Saison besteht und lediglich von den teils hervorragenden Leistungen in den letzten Monaten überspielt wurde …

Borussia Mönchengladbach macht derzeit eine schwierige Saisonphase durch. Es mangelt an Kreativität und Ideen, um einen dicht gestaffelten Gegner per Überraschungsmoment zu überlisten. Es fehlt am präzisen, so oft zitierten letzten sowie tödlichen Pass. Bei echten Spitzenteams kommen genau diese Impulse aus dem zentralen Mittelfeld, aus der Seele der Mannschaft. Die Seele der Borussia zeigt sich seit Wochen und Monaten schwarz – geradezu als Ausfall.

Die Wahrheit ist: Das zentrale Mittelfeld der Gladbacher ist unkreativ, ungefährlich und dient nahezu einzig und alleine der Zerstörung gegnerischer Angriffe. Damit trägt die „Doppelsechs“ der Mannschaft von Trainer Lucien Favre zwar gehörig zur bislang sensationellen Defensive ( lediglich 15 Gegentore) bei, setzt aber im Umkehrschluss offensiv wenig bis keine Akzente. Gladbachs Zentrale – defensiv größtenteils in Ordnung, nach vorne mehr als ausbaufähig.

Als absolute Schwachstelle der Doppelsechs ist beinahe in jedem Spiel Roman Neustädter auszumachen. Nach hinten oftmals unkonzentriert, dem Gegenspieler meist hinterherlaufend, bringt der baldige Schalker nach vorne wenig zustande. Wie Schalkes Sportdirektor Horst Held auf die Aussage kommt Neustädter sei passsicher sowie handlungsschnell in seinen Aktionen nach vorne, wird wohl sein Geheimnis bleiben. Rückpässe – okay. Querpässe sofern nicht weiter als 2 Meter – auch okay. Bei schnellen Kombinationen nach vorne und entscheidenden Pässen in die Spitze beträgt die Passstreuung sowie Fehlerquote jedoch gefühlte 99 %.

Eigentlich sollte der offensivere Part der Doppelsechs, Roman Neustädter, seinen Beitrag zur kreativen Spieleröffnung beitragen. Bislang jedoch ohne durchschlagenden Erfolg. Selbst die nackten Zahlen sprechen eine mehr als deutliche Sprache: In 25 Spielen gelang dem Dauerläufer weder ein Tor, noch eine Torvorlage. Dies kann nicht sein Anspruch sein und auch Lucien Favre dürfte dahingehend in der kommenden Spielzeit einen anderen haben.

Havard Nordtveit zumindest defensiv weitestgehend eine Bank

Ist zumindest defensiv meist Herr der Lage - Havard Nordtveit (Fotos: jdp-fotos.com)

Der erst 21-jährige Havard Nordtveit macht seine Sache als defensiverer Part dagegen weitestgehend gut. Obwohl ihm ebenfalls die Kreativität sowie ausgeprägter Offensivgeist abzusprechen ist ( 24 Spiele, 0 Tore, 0 Torvorlagen ), muss man Nordtveit die Tatsache zu Gute halten, dass kaum ein anderer defensiver Mittelfeldspieler innerhalb der Bundesliga derart viele gegnerische Angriffe abläuft und somit bereits im Keim erstickt. Hätte der Norweger einen abgeklärteren sowie sichereren Part an seiner Seite, wäre seine Leistung wohl um ein Vielfaches konstanter – zumindest defensiv.

Die chronische Ungefährlichkeit wird in den verbleibenden 9 Bundesligaspielen wohl kaum behoben werden. So bleibt zu hoffen, das Borussias Doppelsechs zumindest die zumeist ordentlichen Leistungen in der Defensive bis zum Ende der Spielzeit konservieren kann und der restliche Kader das schnelle Spiel der letzten Monate wieder für sich entdeckt. Alternativen sind Trainer Lucien Favre jedenfalls bis zum Sommer nicht gegeben.

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 12. März
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