Granit Xhaka: Borussias Wortführer ohne nötige Konzentration

Mit großen Vorschusslorbeeren wurde Granit Xhaka im Sommer für rund 8,5 Millionen Euro vom FC Basel an den Niederrhein gelockt. Der Schweizer sollte den zum FC Schalke 04 abgewanderten Roman Neustädter ersetzen. Mehr noch. Xhaka sollte der nächste Schritt auf der Position der „Doppelsechs“ sein. Eigentlich ein realistisches Unterfangen.

Die Gegenwart sieht allerdings ein wenig anders aus. Während Neustädter, der sich bei den Knappen auf Anhieb einen Stammplatz erkämpfte, von allen Seiten Lob zuteil wird, enttäuscht Neuzugang Granit Xhaka bei Borussia Mönchengladbach derzeit. Von seinen Leistungen aus der Zeit in Basel und denen der Schweizer Nationalelf ist der 20-Jährige derzeit meilenweit entfernt.

Einer wie Schweinsteiger?

„Granit ist extrem reif und hat gute technische Fähigkeiten. Er verfügt über hohe Spielintelligenz, liest das Spiel gut und reagiert stets richtig. Ich sehe große Ähnlichkeiten mit Bastian Schweinsteiger, den ich bei den Bayern mit 18 Jahren zu den Profis geholt habe“, sagte Ottmar Hitzfeld vor einigen Wochen gegenüber der Bild am Sonntag über seinen Nationalelf-Schützling.

Von seinen technischen Fähigkeiten, seiner Spielintelligenz und der Antizipation ist in der Bundesliga allerdings wenig bis gar nichts zu sehen. Xhaka wirkt überfordert und zeitweilig zu pomadig in seinen Aktionen. Die Zeit, die der Schweizer zwischen Ballannahme- und Weitergabe benötigt, ist neben der Vielzahl gravierender Fehlpässe sein größtes Problem und Manko. Trainer Lucien Favre wusste bereits vor Wochen um dieses Problem. „Er hat ein großes Talent und er ist noch sehr, sehr jung. Nun ist er in Deutschland und muss sich erst einmal eingewöhnen. Das Tempo ist hier höher“, sagte er Schweizer Medien unmittelbar nach Bekanntwerden des Transfers.

Analysen ständig parat

Hoffnung auf baldige Besserung ist nicht gegeben. Im Gegenteil. Auf dem grünen Rasen zeigt die Tendenz weiter nach unten. Alleine neben dem Platz läuft Xhaka zur Hochform auf und analysiert teils treffend, woran es im Spiel seiner Mannschaft hapert. „Wir haben keine zwei Bälle nacheinander spielen können“, sagte der 20-Jährige nach der Partie in Leverkusen und fügte hinzu: „Wenn wir so weitermachen, müssen wir richtig aufpassen.“

Auch nach dem Spiel gegen den HSV und der Demontage in Dortmund hatte Xhaka stets die passende Analyse parat, ohne dabei auch nur einen einzigen fragenden Gesprächspartner auszulassen. Quatschen statt Handeln, Lamentieren statt zu agieren – man würde den Schweizer am liebsten zu weniger Interviews und stattdessen zu ein wenig mehr Konzentration raten. Diese scheint Granit Xhaka aktuell beinahe völlig abzugehen. Anders sind seine alibimäßigen Defensivaktionen und teils unglaubliche Fehlpassstafetten kaum zu erklären.

Favre moniert Verhalten

10 Pflichtspiele mit eher bescheidenen Leistungen hat der 20-Jährige nun im Trikot mit der Raute absolviert. In Anbetracht seines zarten Alters noch kein Grund zu größerer Besorgnis. Alleine seine mediale Redseligkeit und die scheinbar fehlende Selbstreflexion auf dem Rasen sorgen für Ungemach. Auch Trainer Lucien Favre scheint seinen Wunschspieler mittlerweile kritisch zu beäugen. Auf die Frage ob sich einige seiner Spieler überschätzen sagte er: „Ein Teil hat es nicht kapiert.“

Dabei monierte er das defensive Verhalten seiner Spieler. Allen voran dürfte er dabei das seines defensiven Mittelfeldspielers Xhaka im Blick gehabt haben. Vor allem beim 2:0 durch Neven Subotic dachte der Schweizer augenscheinlich nicht im entferntesten daran, den ligaweit als kopfballstark geltenden Innenverteidiger am Kopfball zu hindern. Es war eine für Xhaka so beispielhafte Szene. Er war bei Subotic. Irgendwie. Leider nicht zwingend – eben nur alibimäßig.

Ersatzbank droht

Es wird Zeit sich zu konzentrieren, will der Schweizer nicht auf die Ersatzbank verbannt werden. Trainer Favre drohte bereits öffentlich mit personellen Änderungen. Gut möglich das „Wortführer“ Xhaka einer der Streichkandidaten sein wird. Es könnte also erstmals Gegenwind geben für den Hochbegabten.

Positiv für ihn und die gesamte Borussia: Kein Wind ist demjenigen günstig, der nicht weiß, wohin er segeln will. Der junge Schweizer weiß indes genau wohin er (eigentlich) will…

(Foto: Screenshot Fohlen.tv)

PS: Kennst du schon unseren kostenlosen Newsletter? »Hier« kannst du unseren kostenlosen Newsletter abonnieren.

veröffentlicht von Björn Brodermanns am 01. Oktober
Diesen Artikel empfehlen:
 
Kommentieren via Facebook neu