„Ich will spielen“: 2013 kann und muss ein Xhaka-Jahr werden

Granit Xhaka wechselte im Sommer für 8,5 Millionen und mit vielen Vorschusslorbeeren bedacht vom FC Basel zur Borussia aus Mönchengladbach. „Einer wie Bastian Schweinsteiger“, sagt der Ex-Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld über seinen Schützling in der Schweizer Nationalmannschaft und meint damit die sportlichen Qualitäten des Bayern-Stars im jungen Alter von 20 Jahren. Die schnelle sowie glanzvolle Karriere Xhakas erfuhr in Gladbach zuletzt allerdings einen herben Dämpfer.

Der Schweizer mit Wurzeln im Kosovo schwang sich nicht, wie wohl höchstselbst geplant, zum Star seiner Mannschaft auf. Dessen Stammplatz ist aktuell vielmehr die harte Ersatzbank im heimischen Borussia-Park und der übrigen Bundesligastadien. Die Gründe dafür sind mannigfaltig. „Ich habe mir vielleicht ein bisschen zu viel Druck gemacht. Ich wollte von Beginn an allen zeigen, dass ich kein Fehleinkauf bin“, sagte Xhaka kürzlich in einem Interview mit der WAZ. Ein Umstand, die dem strebsamen Schweizer sicherlich jene Prozente geraubt hat, die am Ende gefehlt haben, um sein gesamtes Leistungsspektrum abrufen zu können.

Mit dem Mund stärker als mit den Beinen

Xhaka selbst sieht allerdings auch weitere eigene Handlungen mittlerweile mit einem anderen, einem kritischeren Auge. „Ich weiß, dass ich einige Dinge falsch gemacht habe. Ich habe einige Dinge gesagt, die so nicht gemeint waren und falsch rübergekommen sind. Das war nicht gut, das weiß ich jetzt“, räumte er bereit vor Wochen gegenüber der RP ein und spielte damit unweigerlich auf seine Redseligkeit vor allem zu Beginn der Saison an.

Der damals 19-Jährige ließ keine Kamera, ließ kein Interview aus. Wo es etwas zu bereden gab, konnte Granit Xhaka nicht weit sein. Dessen Leistungen auf dem Platz blieben dabei allerdings weitestgehend auf der Strecke. Dafür bekam der Hochbegabte schließlich intern und auch öffentlich von Gladbachs Führungsspielern, insbesondere von Martin Stranzl, einen auf den Deckel.

Harte Arbeit statt große Reden

Nun, einige Monate später, scheint es so als wäre der 20-Jährige Neuzugang  im Team des VfL angekommen. Zumindest was das Teamgefüge angeht. Xhaka redet kaum noch vor der Kamera oder in die Diktiergeräte der Journalisten. Er lässt Leistung sprechen. Zumindest auf dem Trainingsplatz. Der Mittelfeldspieler schwitzt, ackert und hängt sich rein. Xhaka arbeitet den Fußball statt ihn, wie zu Beginn der Spielzeit versucht, zu zelebrieren. Der Nationalspieler arbeitet hart für eine neue Chance bei Lucien Favre.

„Im Training gebe ich Gas. Ich bin bereit zu spielen, wann immer der Trainer das will. Das werde ich im kommenden Jahr auch zeigen“, sagt Granit Xhaka und bleibt dabei seinem Selbstbewusstsein treu. Kann er auch. Sein Trainer in Gladbach weiß um die in ihm schlummernden Stärken. „Granit macht im Training einen guten Job, will immer an sich arbeiten. Er weiß, dass er noch Fortschritte machen muss, zum Beispiel bei der Ballannahme. Wichtig ist, dass er sich verbessern will“, gab Lucien Favre zu Protokoll, um zuletzt zu ergänzen: „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es Xhaka schaffen wird.“

Angriff auf Thorben Marx

Damit dürfte der Romand den endgültigen Durchbruch in der Karriere des Granit Xhakas und den Durchbruch in Mönchengladbach gemeint haben. In der Tat wird der 20-Jährige trotz seines Reservisten-Daseins gestärkt in die Rückrunde gehen. In Dubai werden zuvor vom 4. bis 12. Januar die Weichen für eine erfolgreiche Rückrunde gelegt. Während Mittelfeldkollege Havard Nordtveit, der seinen Kontrakt unlängst vorzeitig bis 2016 verlängert hat, gesetzt sein wird, gilt Thorben Marx trotz dessen bislang zweifellos ordentlicher Leistung als möglicher Wackelkandidat.

Xhaka ist die Zukunft. Zudem überragt der 20-Jährige seinen elf Jahre älteren Kontrahenten vor allem spielerisch um gefühlte Welten – einzig am Abrufen seiner Fähigkeiten haperte es im vergangenen halben Jahr. Wenn sich der Schweizer darüberhinaus noch auf das Wesentliche, dem konzentrierten Defensivspiel, konzentriert, könnte er schon bald auf den Platz zurückkehren. Das ist auch das selbsterklärte Ziel Xhakas: „Ich will spielen. Damit meine ich nicht zehn Minuten nach einer Einwechslung, sondern ich möchte bei Anpfiff auf dem Feld stehen. Dafür werde ich alles tun.“

Karten werden neu gemischt

Seine möglichen Wechselabsichten zum kommenden Europa-League-Gegner Lazio Rom hat der 20-Jährige derweil ad acta gelegt. Stattdessen freut er sich auf die kommenden Wochen und Monate, in denen er gezielt an sich arbeiten will: „Ich bin nach Mönchengladbach gekommen, weil ich vorher so viel über Lucien Favre gehört habe. Der Trainer kann aus einem jungen Spieler noch viel mehr rausholen und er sieht viele Kleinigkeiten. Ich bin kein perfekter Mensch, niemand ist perfekt – der Trainer weiß, was mir fehlt und daran arbeiten wir jeden Tag gemeinsam.

Ab dem 3. Januar darf Xhaka zeigen, weshalb ihn sein Trainer in der Rückrunde wieder von Anfang an auf die grüne Wiese schicken sollte. Dann bittet Lucien Favre seine Fohlen wieder auf den Trainingsplatz, um den Grundstein für einen erfolgreiches Fußballjahr 2013 in der Liga und Europa zu legen. Die Karten werden dabei neu gemischt. Auch für Granit Xhaka.

Eure Meinung: Wird sich Granit Xhaka in den kommenden Monaten bei der Borussia durchsetzen?

(Foto: Screenshot Fohlen.tv)

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 27. Dezember
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