Igor de Camargo: Vom Reha-Patienten zum Torjäger?

Es lief die 61. Spielminute in Rottach-Egern. Mit 2:1 führte der Zweitligist TSV 1860 München gegen die Borussia, als Igor de Camargo für den Debütanten und Rekordtransfer Luuk de Jong ins Spiel kam. Dass die Gladbacher am Ende mit einem 4:2-Sieg den Platz verließen, war letztlich vor allem einer bärenstarken Leistung ihrer Nummer 10 geschuldet. Viele Fans und Beobachter dürften sich verwundert die Augen gerieben haben…

Igor de Camargo war seit seiner Ankunft im Sommer 2010 eigentlich nie wirklich fit. Bereits die erste Saisonvorbereitung des Belgiers mit brasilianischer Herkunft wurde bereits durch eine hartnäckige Sprunggelenksverletzung gestört. Es folgten immer wieder kleine sowie größere Wehwehchen, die es ihm unmöglich machten eine körperliche Top-Verfassung zu erreichen.

Wenig Einsatzzeit und doch entscheidende Tore

Und doch schaffte es de Camargo stets den Anschluss zu halten und wichtige Treffer zu erzielen. Als Höhepunkt dürfte dabei der Last-Minute Siegtreffer im Relegationshinspiel der Saison 2010/2011 gegen Bochum zu bezeichnen sein. Wo wäre der VfL heute ohne das goldene Tor des Belgiers? Möglicherweise in der 2. Liga. Unvergessen auch der erlösende Siegtreffer bei Bayer Leverkusen in der abgelaufenen Spielzeit. Ein Tor, das den Bock in einer schwierigen Situation zugunsten der Gladbacher umgestoßen hat.

Heute steht die Borussia nach einer hervorragenden Serie mit 60 Punkten und Platz vier vor einer positiven Zukunft. Dabei mitgeholfen hat auch de Camargo – neben diesem wichtigen Treffer in Leverkusen, zumindest als Teilzeitarbeiter. 25 Spiele machte der 29-Jährige, wobei er allerdings 14 Mal nur als Einwechselspieler ins Spiel kam. Dabei erzielte de Camargo fünf Treffer.

Der Körper hält endlich der Belastung stand

Zu wenig für den einst für vier Millionen Euro von Standard Lüttich an den Niederrhein gewechselten Belgier. Zwischenzeitlich galt der Nationalspieler gar als möglicher Verkaufskandidat. Nun scheint es, als könne es sich doch noch richtig auszahlen, an de Camargo festzuhalten.

Zum ersten Mal ist der Belgier bis dato beschwerde- und verletzungsfrei durch die harte Vorbereitungszeit gekommen. Der sonst so anfällige Körper hält der Beanspruchung bislang stand. Eine Tatsache, die dem Offensivspieler sichtlich gut tut. Noch nie in seiner Zeit bei der Borussia zeigte sich Igor de Camargo derart athletisch, durchsetzungsstark und zielstrebig.

Der Belgier ist in Form. Endlich, ist man geneigt zu sagen. Oft stellte man sich die Frage, was wohl währe, wenn der Belgier einmal verletzungsfrei bliebe. Rein von den Anlagen her ist de Camargo ein Top-Stürmer der Bundesliga – lediglich beweisen konnte er dies zumindest über einen längeren Zeitraum nicht. Ständig plagten ihn körperliche Defizite und die fehlende Bindung an seine Mitspieler.

„Es ist wichtig, dass du dich als Spieler physisch gut fühlst“

Sollte der belgische Nationalspieler in Diensten der Gladbacher nun langfristig verletzungsfrei bleiben, dürfte er eine starke Alternative in der Offensive der Elf von Trainer Lucien Favre sein. Dank des nötigen Rhythmus und der vielen Trainingseinheiten mit der Mannschaft kann Igor de Camargo nun zeigen, das er tatsächlich ins favre’sche System passt und endlich zeigen was er wirklich zu Leisten imstande ist.

So sieht es auch der Belgier selbst: „Wenn du dich mental und körperlich gut und fit fühlst, dann spielst du natürlich besser und auch mit viel mehr Spaß und Dynamik. Es ist wichtig, dass du dich als Spieler physisch gut fühlst. Wenn du immer mal wieder verletzt bist und dann wieder von vorne beginnen musst, dann ist das natürlich nicht angenehm. Jetzt fühle ich mich gut und probiere mein Bestes zu geben, um der Mannschaft zu helfen.“

Zeit für eine neue Geschichte

De Camargo ist jedenfalls guter Dinge für die kommende Spielzeit. „Ich denke, dass der Trainer sehr gut weiß, was ich für die Mannschaft tun kann. Ich kenne meine Qualitäten und probiere diese im Spiel abzurufen und einzubringen. Die letzte Saison lief für mich aufgrund der vielen Verletzungen natürlich nicht immer allzu positiv. Ich kann noch viel mehr, und das möchte ich in dieser Saison zeigen“, sagte er gegenüber Fohlen-Hautnah.

An die eigene Vergangenheit und die der Mannschaft verschwendet der Belgier nun auch keine Gedanken mehr: „Das ist Geschichte. Jetzt müssen und wollen wir eine neue Geschichte schreiben.“ Möglicherweise sogar mit Igor de Camargo in einer Hauptrolle auf dem Platz statt einer in der Rehabteilung – abwegig ist das in der gegenwärtigen Verfassung des Belgiers jedenfalls nicht. (Foto: jdp-fotos.com)

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 30. Juli
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