Im Aufzug mit Uli Hoeneß und dabei Stolz im Herzen ein Borusse zu sein

Gegen die Münchener Bayern war es wie schon des öfteren mal wieder so weit. Fanherz meets Pressebereich. Gefühle gegen journalistisches Denken und eine schöne Begegnung mit dem „Macher“ der großen Bayern…

Stell dir vor du bist Fan deiner Mannschaft. Du fährst Jahrelang zu den Spielen deines Vereins, egal ob in Hamburg, München, Wolfsburg, Berlin oder zu Zweitligazeiten in Chemnitz, Aue und Fürth. Du hast eine Dauerkarte – seit vielen Jahren. Du stehst in der Kurve, bei jedem Wetter. Du bist immer da, wo deine Jungs spielen und dein Support gebraucht wird.

Als genau dieser Fan hast du Feindbilder. Die Bayern – allesamt Feinde. Spieler wie Gomez, Schweinsteiger und Lahm kannst du überhaupt nicht leiden. Dieses arrogante Pack, diese Erfolgsheinis. Und dann der Uli Hoeneß, dieser unsympathische Geldsack, dieser personifizierte Mr. FC Bayern. Wie gern würdest du durchs Fernsehen hüpfen und ihm eine… lassen wir das.

So, oder so ähnlich fühle ich mich auch. Das heißt, eigentlich fühlt so der Fan in mir. Doch mit der Zeit kann ich trennen. Fangefühle von der Realität. Die oben genannten Personen sind auch „nur“ Menschen wie du und ich. Viele haben die selben Ängste, die selben Fehler und die selben Macken. Manche von ihnen benutzen sogar den selben Aufzug – den selben Aufzug wie ich.

So stehen Uli Hoeneß und ich nebeneinander im selben Aufzug mit dem selben Ziel: Mixed-Zone. Was nun Herr Brodermanns? Ein Foto machen mit dem großen Mr. FC Bayern ? Ihm nachträglich zum Geburtstag gratulieren? Den bösen Blick aufsetzen? Mal blöd fragen wie eigentlich die Bayern eben gespielt haben? Nein. „Professionell“ bleiben. Ohne es zu merken bin ich irgendwie ein Teil dieser Sache hier geworden. „Kollegen“ der Presse reden mit mir über Fußball und ich spreche mit Spielern über deren Gekicke.

Und ich merke: mit über 20 Jahren Erfahrung im Fußball, in denen ich selbst vors runde Leder getreten habe, habe ich mindestens genauso viel Ahnung wie einige der Nasen von Funk und Fernsehen. Klingt vielleicht arrogant und überheblich, ist aber so. Man merkt einigen „Kollegen“ an, das sie mit dem Input einiger Spieler und Verantwortlichen schlichtweg überfordert sind. Deutsch – Fußball, Fußball – Deutsch. Schwierig.

Zurück zu Uli Hoeness. Als Fan ist es für mich eine tolle Erfahrung neben ihm zu stehen. Er ist nicht nur „der ekelige Mr. Bayern München“, nein er ist auch eine tolle Persönlichkeit mit Ausstrahlung. Er spricht mit mir, ganz normal. Über Fußball. Und wir sind uns einig: Der Sieg war verdient. Aufgrund der Spielweise Borussias. Der Uli wirkt überhaupt nicht mürrisch. Es entwickelt sich ein wirklich nettes und inhaltlich korrektes Gespräch, genau wie das im Anschluss fürs ZDF.

Alle Personen in diesem Geschäft sind irgendwie, irgendwo menschlich. Der eine mehr und der andere vielleicht weniger. Meine Frage vor dem Spiel: Wie geht mein enttäuschtes „Fan-Ich“ damit um, wenn ich vor Marco Reus stehe?

Marco Reus ist ein Mensch. Ein höflicher sogar. Und er ist ein Mensch mit Zielen. Das er daher nach 2 ½ Jahren den nächsten Schritt in seiner Karriere gehen will und geht ist daher aus meiner menschlichen und nun auch vielleicht journalistischen Denkweise völlig verständlich.

Ich habe Marco Reus in die Augen gesehen und bin mir sicher: Dieser Junge wird bis zum Ende seiner Zeit in Gladbach alles, aber auch alles ihm mögliche geben. Der Kerl hat sein Herz an diesen Verein verloren. Gleichwohl ist ihm aber auch bewusst, das nicht sein Herz über seine weitere Karriere entscheiden kann.

Gut das sich Borussias Fans so perfekt wie nur möglich verhalten haben. Kein Pfiff, kein Schmähplakat – es hätte dem Jungen sonst auch im Herzen weh getan. Ganz sicher. So war der Fan in mir in der Mixed-Zone so richtig stolz auf alle Fans und auf ganz Gladbach.

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 24. Januar
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