Kein Derby wie jedes andere

Borussia Mönchengladbach gegen den 1.FC Köln, das Spiel der Spiele für beide Fanlager, elektrisierend, emotional, fesselnd. Rein „fanpsychologisch“ steht verdammt viel auf dem Spiel – Ehre, Stolz und irgendwie gefühlte 6-9 Punkte. Natürlich sind wie immer „nur“ 3 Punkte zu vergeben. Borussia gegen den FC – das Derby am Rhein, steht aufgrund aktueller Gegebenheiten unter einem schlechten, einem traurigen Stern… Ein Fußballfest wird es wohl kaum werden..

Gladbach gegen Köln, der abgeschlagene Tabellenletzte gegen den 10. der Bundesliga. Fast abgestiegen gegen fast gerettet, ein Spiel unter – für Borussen – falschen Vorzeichen und Gegebenheiten.

Rückblick: Samstag 13.November, 2 Tage nach Karnevalsbeginn, 15:30 Uhr, Rhein-Energie-Stadion Köln. Die „Wasserschlacht“ vom Rhein, der Platz aufgrund starker Regenfälle am Rande der Bespielbarkeit. Die Borussia gewinnt das Spiel aufgrund eines ungbändigen Willen und einer starken, sowie mannschaftlich geschlossenen Leistung klar mit 4:0. Der stark herausgespielte Auswärtssieg im Derby galt nach dem starken 3:3 gegen die Bayern in der Vorwoche als Wendepunkt der Saison. Zum guten, als Startschuss zur Aufholjagd Richtung Mittelfeld der Liga. Der FC aus Köln galt indes nach der desaströsen Niederlage als der erste klare Absteiger – mannschaftlich zerstritten, ohne Konzept und ohne Leidenschaft.

Kein halbes Jahr später hat sie die Situation relativiert. Während Borussia Mönchengladbach ohne realistische Chance auf den Klassenerhalt praktisch als erster Absteiger fest steht, scheinen die Kölner alles richtig gemacht zu haben. Der FC rangiert im Mittelfeld der Liga und ist mit 35 Punkten wohl gerettet. Bereits vor dem Derby im November wurde der Trainer gewechselt und dem neuen Coach Schäfer somit genug Zeit
gegeben an der Mannschaft zu arbeiten. Stinkstiefel wurden „entfernt“ bzw. zusammengebracht (Podolski – Novakovic), sowie auf schwach besetzten Positionen nachgebessert. Insbesondere die Position des Torhüters, auch eine, wenn nicht die Schwachstelle der Borussia, wurde mit Michael Rensing
exzellent besetzt.

Entscheidend für den Auftrieb der Kölner war allerdings der frühzeitige Wechsel auf der Trainerposition. Das Duo Frank Schäfer/Dirk Lottner, beides Kölner Urgesteine, machen einen richtig guten Job. Aus der ehemals zerstrittenen und unhomogen wirkenden „Mannschaft“, formten sie in relativ kurzer Zeit eine Mannschaft die füreinander durchs Feuer zu gehen scheint. 7 Heimsiege (!!!) in Folge sind das Resultat daraus. Das Resultat, mit dem die Basis für den Klassenerhalt gelegt wurde.

Auf der anderen Rheinseite, in Mönchengladbach, wartete man mit den nötigen Veränderungen zu lange. Am erfolglosen und konzeptlos wirkenden Trainer Michael Frontzeck hielt man viel zu lange fest – Sportdirektor Max Eberl sah die Situation rund um die Borussia scheinbar nicht so bedrohlich wie die meisten anderen, die die Raute im Herzen tragen. Hierzu folgt ein ausführlicher Bericht in den nächsten Tagen.
Der neue Trainer Lucien Favre, der seit seiner Verpflichtung die Fehler der Vergangenheit, insbesondere der Hinrunde, mitschleppen muss, hatte eigentlich von Beginn an keine reale Chance die Klasse zu erhalten. Dennoch kann man zeitweise die Handschrift des neuen erkennen, eine positive. Leider zu spät, zu spät für die Borussia. Hier haben die Verantwortlichen des FC aus Köln umsichtiger gehandelt – für den Verein und ohne Rücksicht auf persönliche Verflechtungen. (Eberl/Frontzeck)

Ein trauriges Derby

Der Kredit der Spieler bei ihren Fans ist aufgebraucht. Die Anhänger wenden sich immer mehr ab und zeigen ihren Unmut. Zuletzt gar von Vize-Kapitän und derzeitigem „Bankdrücker“ Tobias Levels kritisiert. Die Atmosphäre im Borussia-Park ist vergiftet, erhitzt und steht kurz vor der Explosion. Was wenn der FC das Derby im Borussia-Park gewinnt? Eine neuerliche Demütigung „on the top“ auf die ohnehin schon zahlreichen Demütigungen der Saison, könnten die „Fanseele“ derart kränken das die Situation eskaliert. Das Stadion könnte sprichwörtlich „brennen“, die Fans ihre „Versager“ gnadenlos „ab strafen“. Wohin das führen kann, konnte man im letzten Spiel der Hinrunde nur erahnen, als diverse Plakate und wüste Beschimpfungen den Platz im weiten Rund fanden. Ein Szenario das doppelt schlimm wäre. Ein verlorenes Derby und eine peinliche Offenbarung gegenüber dem größten sportlichen „Feind“
Bleibt zu hoffen das sich die Mannschaft ordentlich in die 2. Liga verabschiedet oder gar wirklich noch das unmögliche schaffen will. Ein Sieg am Sonntag gegen den FC würde zumindest die Gemüter ein wenig beruhigen. 2 Derbysiege – ein schwacher Trost im Hinblick auf den wohl eintretenden „worst case“, den Abstieg in Liga 2.

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 05. April
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