Kein Grund zur Panik in einer gefährlichen Situation

Borussia Mönchengladbach verliert mit 1:0 in Hoffenheim. Ein Ergebnis mit dem Fans, Spieler und Verantwortliche leben könnten. Theoretisch. Mit dem Spiel des VFL im Kraichgau konnte und kann man auch Tage danach nicht wirklich leben. Im Gegensatz zu den vergangenen Wochen agierte man nicht unglücklich, sondern unterirdisch…

 

 

Trainer Lucien Favre, der bekanntlich nie müde wird zu betonen wie schwierig die Saison wird, wurde am Samstag nachmittag bestätigt. Bestätigt in seiner Theorie, das die Mannschaft seit Monaten an ihrem Maximum spielt und irgendwann auch einmal in eine problematische Phase gerät. Das der Schweizer wie eigentlich immer Recht hat mit dem was er denkt und sagt ist bekannt, lediglich der Zeitpunkt „Hoffenheim“ kommt doch ein wenig überraschend.

Nach dem wohl besten Spiel einer Borussia seit gefühlten zwei Jahrzehnten in der vergangenen Woche, als man Bayer Leverkusen an die Wand spielte, folgte nun das wohl schlechteste unter der Verantwortung Lucien Favres. In Hoffenheim präsentierte sich die 11 vom Niederrhein lethargisch, nervös und viel zu ungenau in ihren Aktionen. In den vergangenen Wochen noch mit Unmengen erarbeiteter Chancen gesegnet, erspielte sich der VFL statistisch gesehen lediglich 9 Chancen. In Wirklichkeit war es nur eine. Eine einzige Situation die realistisch betrachtet zu einem Tor hätte führen können.

Um die Gründe für eine derart schwache Leistung zu analysieren muss man kein exzellenter Analyst à la Favre sein: Kein ruhiger Spielaufbau, keine vernünftig zu Ende gespielten Konter und eine unfassbare Fehlpassorgie. Einige Akteure waren an diesem Tag nicht in der Lage einen Pass über 5 Meter an den Mann zu bringen – hinzu kamen technische Fehler beim Ball annehmenden Spieler. Exemplarisch für einige: Mike Hanke – seine kämpferische Leistung  war wie immer völlig einwandfrei, dass er aber, wie auch ansonsten häufig zu beobachten, einen Ball bei der Annahme einen „gefühlten“ Meter verspringen lässt – kaum zu glauben.

Der VFL hat nach den Verletzungen von Igor de Camargo und Raul Bobadilla ein Stürmerproblem. Mike Hanke ist für das Spiel seiner Mannschaft enorm wichtig, ist aber als Stoßstürmer völlig fehl am Platz. Gefährlichkeit ist anders – einen Hanke vor dem Tor könnten einige Fans auf der Tribüne noch „kalt stellen“. Als Anspielstation, wenn er den Ball gleich ohne Ballannahme spielen kann, und als „Kampfsau“ top – vor dem Tor ein klarer Flop.

Zu Mike Hanke gesellte sich im Kraichgau noch ein weiterer falsch aufgestellter Spieler – Marco Reus. Als Stürmer sind seine Fähigkeiten völlig verschenkt, da er so nur selten in die Situation kommt mit vollem Tempo auf den Gegner zuzulaufen. Was sonst immer Borussias gefährlichste Waffe war, verpuffte somit in Hoffenheim nahezu gänzlich.

Was nun Borussia? Die große Krise? Angst und Panik? So schlimm ist es weiß Gott nicht. Dennoch wird Lucien Favre einiges zu bearbeiten haben – so auch die Tatsache das, das Spiel gegen ebenfalls erschreckend schwache Hoffenheimer vorrangig in der Zentrale hergeschenkt wurde. Havard Nordtveit und Roman Neustädter sind und bleiben die Achillesferse des Teams. Funktioniert einer von beiden nicht, gerät das gesamte Mannschaftsgefüge auseinander – bislang spielten beide eine hervorragende Saison über ihrem eigentlichen Maximum hinaus, doch seit einigen Wochen (das Spiel gegen Leverkusen mal außen vor) sind auch hier Probleme und Schwächen klar erkennbar.

Mund abwischen, hart arbeiten und die fehlenden Prozente an Konzentration wieder zurück holen ist die Devise, denn es warten entscheidende Wochen auf die Jungs von Lucien Favre. 3 Spiele ohne Sieg – kein Grund zur Panik. Dennoch steht die Mannschaft beim Heimspiel gegen Hannover 96 zum ersten Mal in dieser Spielzeit unter Druck: 3 Punkte müssen her, will man nicht mit und mit nach unten durchgereicht werden. Ein Sieg beim Pokalspiel in Heidenheim (Dienstag 19.00 Uhr) könnte Flügel verleihen – doch mit einer Leistung wie der in Hoffenheim könnte man auch dort sein blaues Wunder erleben…

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 24. Oktober
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