„Koan ter Stegen“ – Der VFL in der Einzelkritik

Unglaublich aber wahr: Der VFL hat mit einem Auswärtserfolg bei den Bayern einen Auftakt nach maß gefeiert. Nicht nur das. Mit dem 1:0 Sieg ist man wohl die Überraschung des 1. Spieltags und konnte Vereingeschichte schreiben. Der Sieg bei den Bayern war erst der 2. in der gemeinsamen Bundesligageschichte der beiden Erzrivalen von damals und der erste nach ganzen 16 Jahren. Auch wenn man von einer geschlossen Mannschaftsleistung sprechen muss, gibts hier Lucien Favres Jungs in der Einzelkritik:

 

 

Marc-Andre ter Stegen

 

 

Das ein Torhüter den Unterschied ausmachen kann zeigte u.a. sein großes Vorbild Oliver Kahn. Marc-Andre ter Stegen zeigte an Kahns alter Wirkungsstätte eine wahrhafte „Titanen-Leistung“. Egal was in seinen Strafraum kam – Borussias Keeper entschärfte alles. Klasse Antizipation sowie starke Paraden, vor allem bei einem Robben-Schuss aus der Drehung gegen seine Laufrichtung. Das auch ein wenig Glück dazugehört, zeigte sich in der Situation als ter Stegen einen Schweinsteiger-Schuss „nur“ abprallen ließ, „Torschütze“ Thomas Müller jedoch vermeintlich im Abseits stand. Gewann das „Duell“ mit Manuel Neuer klar für sich – Joachim Löw wird dies wohl auf der Tribüne nebenbei zur Kenntnis genommen haben. Marc-Andre ter Stegen: Man of the Match. Note 1

 

 

Tony Jantschke

 

 

Hatte Probleme ins Spiel zu finden und war von den Bayern als Schwachpunkt der Borussia ausgemacht, weshalb wohl viele Angriffe über seine Seite liefen. Gladbachs Rechtsverteidiger bekam es immer wieder mit Bayerns bestem Akteur, Thomas Müller zu tun und hatte ihn selten im Griff. Nur durch Hilfe von Marco Reus konnte die rechte Abwehrseite halbwegs dicht gehalten werden – dennoch konnten die Münchener zu oft über Jantschkes Seite Flanken und gefährlich werden. Positiv: Mit zunehmender Spielzeit wurde Gladbachs Eigengewächs immer sicherer und kämpfte sich in die Partie. Dazu zeigte er sich teilweise stark im Aufbauspiel – eine klare Verbesserung zu einem Tobias Levels. Note 3-

 

 

Roel Brouwers

 

 

„Ruuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuul“ war wieder da als er gebraucht wurde. Nachdem Martin Stranzl verletzungsbedingt passen musste, rutschte der Niederländer in die Mannschaft und ersetzte den Österreicher 1:1. Stark im Stellungsspiel, rigoros im Zweikampf und in der Luft Borussias „Turm in der Schlacht“. Wahnsinn was Brouwers so alles wegköpft in 90 Minuten. Machte seine Sache mehr als ordentlich und sorgte mit dafür, dass der aktuelle Torschützenkönig Gomez wenig Spaß hatte. Note 2

 

 

Dante

 

 

Der FC Bayern verpflichtete unlängst Jérome Boateng – Gladbach hielt Dante. Gott sei Dank. Dante lieferte eine klasse Partie  – starke Antizipation, sauberes Zweikampfverhalten und eine gute Übersicht. Er kochte seinen Gegenspieler mehrmals auf eine unglaublich lockere und stilvolle Art und Weise ab – dennoch konzentrierte sich der Brasilianer aufs wesentliche. Auf  „Dante-typische“ Aussetzer oder Spielerreien verzichtete er diesmal gänzlich, was ihm und der Hintermannschaft sichtbar gut tut. Note 2+

 

 

Fillip Daems

 

 

Einer der Überraschungen an diesem historischen Tag. Ließ Robben fast völlig verblassen und das, wäre hätte das gedacht, mit seiner Schnelligkeit. Daems wirkte spritzig, dynamisch und vor allem schnell – dazu sein oft sehr gut praktiziertes Stellungsspiel: Das Rezept gegen Weltklassemann Robben. Der Niederländer wechselte in Halbzeit 2 gar des öfteren genervt die Seite. Findet man Borussias Kapitän sonst selten jenseits der Mittellinie, konnte er diesmal mit ordentlichen Offensivaktionen gefallen. Eine ganz starke Vorstellung des Belgiers. Note 2

 

 

Havard Nordtveit

 

 

Es war nicht der beste Tag des Norwegers. Oft zu überhastet und ohne Übersicht. Ihm fehlte größtenteils die Linie im Spiel und konnte somit selten zu mehr Stabilität beitragen. Darüber hinaus leistete sich Borussias defensiver „6er“ teilweise haarsträubende Abspielfehler. Obwohl sich der Norweger zum letzten Drittel des Spiels stabilisierte, war Nordtveit diesmal der schwächere der beiden „6er“ im Spiel des VFL. Note 4

 

 

Roman Neustätdter

 

 

Bei ihm sah man das Bemühen Ruhe und Linie ins Spiel seiner Mannschaft zu bekommen. Konzentrierte sich insbesondere in den ersten 45 Minuten auf die Defensivarbeit, wusste aber darüber hinaus mit einigen guten Anspielen zu gefallen. Seine Fehlerquote lag gegen die Bayern überraschender Weise tiefer als sonst bei ihm üblich. Bei ihm zeigt die Form nach oben. Note 3-

 

 

Marco Reus

 

 

Borussias neuer Nationalspieler zeigte seine wohl beste Leistung im Dress der Borussia – in der Defensive. Ohne ihn wäre Tony Jantschke auf der rechten Abwehrseite wohl gnadenlos unter gegangen. Klasse: Reus ist sich für nichts zu schade, ackerte wie ein Abwehrspieler und steckte nie auf. Manch ein Spieler würde genervt seine Position halten nach dem Motto: Nach mir die Sinnflut. Nicht aber Reus – das einzige was er hielt war sein Gegenspieler. Von Anfang bis Ende nimmt „Woody“ seinen Gegenspieler aus dem Spiel in dem er ihn pausenlos bindet. Grandios waren wie immer seine Antritte – ganz stark vor allem als er einmal Phillip Lahm stehen ließ wie einen kleinen Schuljungen. Marco Reus – gegen die Bayern vor allem in der Defensive wertvoll. Deshalb:  Note 2-

 

 

Juan Arango

 

 

Eine ganz, ganz starke Partie des Venezolaners, scheint den Rückenwind aus der Copa mit an den Niederrhein gebracht zu haben. Der „Hurrikan“ war an sämtlichen gefährlichen Akionen der 11 vom Niederrhein beteiligt. Ganz stark: Sein gefühlvoller Schuss in der 43. Spielminute, als Manuel Neuer ebenso stark auf dem Posten war. Auch defensiv sehr aufmerksam und vor allem lauffreudig. Es wird das Geheimnis Lucien Favres bleiben, was er mit dem 31-jährigen seit Amtsantritt angestellt hat – ein Arango in dieser Form ist für die Borussia unentbehrlich. Note 2

 

 

Mike Hanke

 

 

Es war mal wieder ein Spiel nach dem Motto: „Nur Tore zählen nur die Tore“. Auf dem ersten Blick müsste man dem ehemaligen Nationalspieler eine glatte 6 attestieren. Da man mit dem zweiten Blick bekanntlich besser sieht, lohnt es sich im Fall Hanke genau hin zu gucken. Torgefahr: Null. Dafür zeigt Hanke etwas kostbares, was diese Mannschaft unbedingt braucht: Er ist Prellbock und Ballverteiler der Mannschaft. Zu 99 Prozent immer anspielbar und mitspielend. Ein Ball auf Hanke und man weiß das dieser Ball irgendwie den weiteren Weg zu einem Mitspieler findet. Von der ehemaligen, oft von den Medien zitierte „Mimose“ zum absoluten Führungsspieler. Mike Hanke hängt sich rein wie kaum ein anderer, läuft Kilometer und kämpft um jeden Ball (auch wenn er im Spiel gegen die Bayern mehrfach einen Meter zu spät kam). Borussias „Vader Abraham“ sieht oft blass aus, ist aber für das Spiel seiner Mannschaft nahezu unersetzlich,besonders Marco Reus profitiert ungemein von ihm.Gegen die Bayern wurde er von Favre während des Spiels aus taktischen Gründen ins Mittelfeld gezogen um dort das Überzahlspiel der Münchener zu beenden. Note 3

 

 

Igor de Camargo

 

 

Wie so oft auch in der vergangenen Saison: Man sieht ihn kaum, zuweilen gar nicht. Ohne richtige Bindung zum Spiel und dennoch: Borussias „Belgianer“ macht irgendwie seine „Bude“. Die Unstimmigkeit zwischen Neuer und Boateng nutze Borussias Stürmer intuitiv zum 1:0. De Camargo schlug bereits einige Minuten zuvor zu – Schiedsrichter Babak Rafati (wohl eher sein Assistent) verwehrten seinem Treffer jedoch  aufgrund eines Schubsers die Anerkennung. Wohl zurecht. 2 Pflichtspiele, 2 Tore und das ohne große Leistung – hört sich ganz nach einem typischen „Knipser“ an… Note 2-

 

 

Marx, Rupp, Herrmann

 

 

Alle drei Einwechselspieler konnten in der heißen Schlussphase keine nennenswerte Aktion mehr für sich verbuchen.

 

 

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 08. August
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