Kommentiert: Deutschland gegen die Niederlande – ein ehemaliges Hassduell voller Klischees

Deutschland gegen die Niederlande – ein ewig junges Duell. Anstatt eines „normalen“ Vorberichts zum Spiel gibt es heute mal eine ganz eigenwillige Sicht der Dinge…

 

Eigentlich sollte an dieser Stelle, ähnlich wie vor dem Spiel gegen Portugal, ein Vorbericht erscheinen. Eigentlich. Aktuell mache ich mir über dieses Spiel jedoch ganz andere Gedanken. Einst war das Duell der beiden Nachbarländer ein reines Hassduell. Ein hartes Wort, das im Fußball eigentlich nichts zu suchen hat. Dieser Hass, der in der vorangegangenen Generation tief verankert war, sportlich bei der WM 1974 neu angefacht wurde und 1990 in Italien seinen Höhepunkt fand, ist Gott sei Dank heute kaum noch existent. Der Panzer hat ausgedient.

WM 1990

Gerade schaue ich mir die Szenen während der WM 1990 an.  Ich sehe Oranje-Torhüter Hans van Breukelen, wie er Rudi Völler in der Mangel hat und beschimpft und ich sehe das spuckende Lama Frank Rijkaard. Doch auch die Deutschen waren damals keine Kinder von Traurigkeit. Auch „Tante Käthe“ nicht. Ich habe Rudi vor einigen Monaten kennenlernen und mit ihm reden dürfen, seitdem weiß ich, dass auch der nette Herr Völler anders kann und konnte. Waldi Hartmann kann ein Lied davon singen.

Heute schämen sich sämtliche Protagonisten für ihr damaliges Verhalten. Richtig so. Holland und Deutschland – die alte Rivalität ist vorbei. Aus den Panzern wurden Rumpelfußballer. Aus Rumpelfußballern wurden Schönspieler. Heute schwärmen die Niederländer über das Spiel der Deutschen.

Deutsche und Niederländer feiern zusammen

Doch auch zwischenmenschlich hat sich die Beziehung zwischen Niederländer und Deutsche positiv entwickelt. Beide Länder haben zu einer gesunden Nachbarschaft gefunden. Die junge Generation, die sich 1990 wenn überhaupt in den Kinderschuhen befand, hat so richtig zueinandergefunden. Man feiert Wochenende für Wochenende zusammen in den Clubs der Städte in Grenznähe – und das bis auf wenige unbelehrbare friedlich.

Frikandel-Tourismus und Koniginnedag

Und wenn eine „Invasion“ der Deutschen über das Land rollt, dann nur, weil man die schönen Dinge des kleinen Landes auskosten will – vornehmlich an deutschen Feiertagen. Zudem wird immer wieder über den Frikandel-Tourismus von Deutschland nach Holland berichtet. Neben dem Genuss vor Ort sollen ganze Handelsrouten entstanden sein. Kipfingers, Fritessaus, Frikandel, Joppiesaus und Bitterballen – die niederländische Regierung sollte über eine Sondersteuer nachdenken.

Apropos – wir Deutschen feiern mittlerweile sogar den Koniginnedag. In beinahe sämtlichen grenznahen Städten schmücken wir die Einkaufsstraßen in Oranje. Verrückt oder? Die Grenzen verschmelzen und das ist gut so. Heute Abend werden wieder Tausende Niederländer und Deutsche zusammen das Spiel verfolgen und auch zusammen feiern – friedlich.

Klischees, Kollegen und Freunde

Ich selbst bleibe trotz meines Patriotismus objektiv. Warum? Mal davon abgesehen, dass in meinem Blut ein Teil niederländischer Herkunft ist, respektiere ich meine niederländischen Kollegen und Freunde. Es soll ein Fußballfest werden – für beide Nationen. Während sich die nicht belehrbaren Hinterwäldler in Warschau über Brücken und Straßen prügeln, zeigen wir, wie man ein solches Spiel zelebriert.

So wird es wieder Szenen geben, in denen Holländer das DFB-Trikot tragen und Deutsche das der KNVB in Oranje. Und da der halbe Artikel voller Klischees ist, werden wir bestimmt auch alle ein Bierchen in der Hand halten.

Ach ja, am Ende gewinnt dann Deutschland natürlich auch 1:0 und die Gazetten werden den Vergleich vom Käse und der Käsereibe anstellen. Aber lieber Käsereibe als Panzer. Lieber Freundschaft als Feindschaft. Lieber Bützchen als angespuckt werden.

Auf ein gutes Spiel, Op een goed spel – liebe Freunde.

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 13. Juni
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