König(s)liche Zukunft

Borussia Mönchengladbach steht kurz vor dem dritten Abstieg der Vereinsgeschichte, dem zweiten innerhalb von vier Jahren. Möglicherweise ist der erneute Abstieg die Chance zu einem Neubeginn, einem Neubeginn der so beim letzten Abstieg in Liga 2 nicht erfolgt ist. In einem WDR-Bericht in der Sendung „Sport Inside“ spricht das „Borussenoberhaupt“ jedoch eine andere Sprache…

Rolf Königs bei „Sport Inside“ im WDR: „Ich bin bis 2013 gewählt, und der Königs bleibt auch bis 2013. Und wenn nichts dazwischen kommt, habe ich auch vor, noch länger zu bleiben. Auch im Falle des Abstiegs bleibe ich selbstverständlich im Amt, da ich Verantwortung übernommen habe und zu der Sache stehe!“


Die Aussage  des Präsidenten scheint auf dem ersten Blick löblich, will er doch Verantwortung tragen statt „weglaufen“. Betrachtet man jedoch die sportliche Entwicklung während seines bisherigen Handelns – finanztechnisch kann man Rolf Königs wenig bis nichts vorwerfen – erscheint seine gewagte Ankündigung mindestens bis 2013 im Amt bleiben zu wollen, wie eine Drohung. Wie „Machtgeilheit“ – ich bin bis 2013 gewählt und der Königs bleibt auch bis 2013. Eine gruselige Formulierung.

Abstieg 2011 – ein Neubeginn?

Sollte die Borussia im Mai diesen Jahres wirklich zum dritten Mal in der Geschichte des Vereins
absteigen – bei 3 Punkten Rückstand ist derzeit rechnerisch noch alles möglich – scheint ein Neubeginn dennoch nahezu ausgeschlossen. Präsident Rolf Königs, der in seiner Amtszeit vier Sportdirektoren und Elf Trainer installierte, möchte den gegangen Weg fortsetzen. Bleibt die Frag wohin dieser Weg gehen soll.

Auch die „sportliche Führung“, die „sportliche Kompetenz“ des Vereins – Präsidiumskollege Rainer Bonhof und Sportdirektor Max Eberl – denkt nicht daran im Falle des Abstiegs „die Segel zu streichen“.  Im Gegenteil. Sportdirektor Eberl plant bereits den Kader für Liga 2 und setzt nach Medieninfos wohl auf „bewährtes“ Personal. Geht es nach dem jungen Sportdirektor, soll die Mannschaft auf maximal zwei bis drei Positionen verändert werden. Neubeginn klingt anders. Ob Trainer Favre, der mit dem zusammengestellten Kader zurecht kommen muss, dies genauso sieht? Zweifel sind erlaubt.

Knackpunkt Alternativen

Nun, wer soll Borussia in eine neue und erfolgreiche Ära führen? Lautsprechende Alternativen gibt es zu Hauf.  Wer aber wäre wirklich geeignet? Der von vielen kolportierte ehemalige Borusse Stefan Effenberg? Von einigen als Heilsbringer angesehen, bringt er jedoch nicht das Anforderungsprofil eines „Borussenmachers“ mit. Früher Chef auf dem Platz – und heute? Allenfalls B-Promi auf dem Oktoberfest, Sky-Experte und passionierter Chefkritiker der Borussia. Aus der Ferne. Wer Sportdirektor Eberl als „Praktikant“ abstempelt, sollte bedenken was Stefan Effenberg dann darstellt. Höchstens „Praktikantenanwärter“.

Über einen Günter Netzer, einen Berti Vogts, lohnt es sich gar nicht erst zu sprechen. Erstgenannter scheint höchstens zu wissen wo er geboren wurde, nicht jedoch wo er fußballerisch seine Geburt fand. Kritik – wenn auch berechtigt – aus der Ferne, mehr nicht. Viel Mund, kein Herz. Die Geschichte ist vorbei. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Berti Vogts, ehemals der „Terrier“ vom Bökelberg und derzeit Trainer der Nationalmannschaft Aserbaidschans, meldet sich ebenso nur kritisch zu Wort wenn im Stadion in Baku – Hauptstadt des Landes – wieder mal das Licht ausgeht und Sport1 oder Bild Zeit für ihn hat. Ebenfalls eine Liebe die außerhalb der ruhmreichen Vergangenheit einigen Rost angesetzt hat.

Initiative – Offensive

Zwei „Mitgliedergruppierungen“ haben sich gebildet um Veränderungen im Verein zu erwirken, beide haben zur kommenden Jahreshauptversammlung Satzungsänderungen eingereicht. Ob eine der beiden Gruppierungen – Initiative Borussia und Mitgliederoffensive – Erfolg haben wird, ist indes mehr als fraglich. Jede einzelne für sich wird nicht genug Stimmen bekommen, beide zusammen möglicherweise schon. Eine Zusammenführung beider „Parteien“ scheint jedoch völlig ausgeschlossen, trotz vielerlei Gemeinsamkeiten.

Ob Initiative oder Offensive – beide Gruppen haben ein Konzept, haben Änderungen im Gepäck. Ob sich diese jedoch, im Fall der Fälle, positiv auf die Zukunft Borussias auswirken, bliebe abzuwarten. Personell steht man bei beiden ohnehin vor großer Ungewissheit – wer handelnde Personen für die Zukunft sein sollen bleibt bislang unter Verschluss. Initiative und Offensive – ein großes Fragezeichen.

Was derzeit bleibt ist die wage Hoffnung auf den Klassenerhalt. Auch wenn die Borussia bereits abgeschrieben ist – rein rechnerisch ist es (noch) machbar…

PS: Kennst du schon unseren kostenlosen Newsletter? »Hier« kannst du unseren kostenlosen Newsletter abonnieren.

veröffentlicht von Björn Brodermanns am 19. April
Diesen Artikel empfehlen:
 
Kommentieren via Facebook neu