Liebe Verantwortlichen der DFL…

Es ist die Knallerpartie des zweiten Spieltags: Fortuna Düsseldorf gegen Borussia Mönchengladbach. Aufgrund der Ereignisse des Relegationsrückspiels zwischen der Fortuna und Hertha BSC Berlin, wird dieses Spiel jedoch leider ohne Zuschauer stattfinden. So will es die DFL als Strafe für die Düsseldorfer. Grund für eine fiktive Email an die DFL…

Liebe Verantwortlichen der DFL,

das haben Sie ja toll hinbekommen. Ein Heimspiel der Düsseldorfer Fortuna gegen Borussia Mönchengladbach. Ein tolles Ereignis für beide Fanlager – vor allem für die der Fortuna. Nach all den Jahren des Daherdümpelns im Fußballniemandsland freut man sich dort seit dem Aufstieg auf das Derby gegen den nur 30 Kilometer entfernten Nachbarn. Endlich wieder, von ein paar Pokalspielen abgesehen, große Emotionen, große Leidenschaft und ein toller Fußballnachmittag gegen einen rheinischen Rivalen.

So weit so gut. Dumm nur, dass dieses Spiel aufgrund der Vorkommnisse des Relagtionsrückspiels vor verschlossenen Stadiontoren stattfinden soll. „Wir müssen draußen bleiben“, werden sich rund 50.000 Fans denken. Weshalb, was war passiert? Es wurde ein Platz gestürmt. Kurz vor dem Spielende. Von 99,9 Prozent friedlichen Fans, deren Emotionen im positiven Sinne mit ihnen durchgingen.

Etwas Böses getan, hat niemand wirklich. Es handelte sich viel mehr um ein wissenschaftlich belegbares, psychologisches Phänomen. Wenn einer rennt, rennen mehrere. Wenn mehrere Rennen, gibt es kein Halten mehr. Es standen Familien auf dem Rasen, feiernde Frauen, Männer, Jugendliche und teilweise sogar Kinder. Von gewaltbereiten Hooligans, mit denen man gerne argumentiert, war weit und breit nichts zu sehen.

Man kann, liebe DFL und lieber DFB gegen verbotene Pyrotechnik vorgehen. Muss man vielleicht auch und das mit voller Härte. Was aber völlig fehl am Platz ist, ist das Bestrafen von jenen, die das Spiel ausmachen. Von denen, die diese einmalige Atmosphäre in der Bundesliga entfachen. Von denen, die für den höchsten Zuschauerschnitt in Europa sorgen.

Bei Fortuna werden die treuen Fans bestraft, die seit Jahren selbst in den entlegensten Winkeln der Fußballniederungen ihrem Verein die Treue gehalten haben und den Aufstieg, in die Beletage, nicht einmal genießen, geschweige denn gebührend feiern konnten.

Noch schlimmer ist die „Akte Geisterspiel“ für die große und treue Anhängerschaft aus Mönchengladbach. Deren Fans wurden in der Vergangenheit im Vergleich zu Fangruppierungen anderer Vereine kaum bis gar nicht auffällig. Die letzten Derbys gegen den Erzrivalen aus Köln waren allesamt verhältnismäßig ruhig – man hat sportliche Gesichtspunkte walten lassen. Auf „Rache“ nach diversen Attacken der „Ultragruppierung Wilde-Horde“, hat man nahezu gänzlich verzichtet.

Als man selbst in einer ähnlichen Situation war, wie die Fortuna im Sommer, behielt man trotz aller Brisanz die Contenance. Im entscheidenden Relegationsrückspiel der Saison 2010/2012 in Bochum stürmten die vielen mitgereisten Fans nicht den Platz. Man feierte. Ausgelassen, euphorisch, emotional – aber friedlich.

Nun also soll die Borussia für die angeblichen Verfehlungen anderer büßen? Man hätte für Ihr gefordertes Geisterspiel auch einen anderen Gegner wählen können. Einer, der den Gästeblock beinahe unangetastet lässt. Mehr als 10.000 Fans sollen ihren Verein in der 30 Kilometer entfernten Stadt nun also nicht anfeuern dürfen? Kein Support? Keine Emotionen? Sie rauben der Bundesliga mit dieser Ansetzung das, was sie ausmacht. Sie entziehen ihr die Leidenschaft, die Emotionen und das Wichtigste – die treuen Fans. Die Fans sind die Seele der gesamten Liga. Daran sollten Sie bei aller Diskussion um Pyrotechnik und Gewalt auch einmal denken.

Sollte es am Ende tatsächlich zu einem Geisterspiel kommen, werden Sie sich ins eigene Fleisch schneiden, liebe DFL. Die Altstadt in Düsseldorf wird überflutet sein. Ein Meer aus Grün-weiß und Rot. Bleibt nur zu hoffen, auch für Sie, dass sich beide Lager der Sache gemeinsam verschreiben. „In den Farben getrennt, in der Sache vereint“– es wäre der einzig logische Schritt beider Lager.

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 26. Juni
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