Lucien Favre schlägt Alarm: „Diese Mannschaft ist in seriöser Gefahr“

Mit 2:3 verlor die Borussia am vergangenen Wochenende ihr Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg. Es war eine Niederlage, die ebenso schmerzte, wie sie überflüssig war. Die „Clubberer“ kamen zweimal durch vermeidbare Standards zum Torerfolg, einzig das 2:3 durch den Japaner Hiroshi Kiyotake, der die beiden Treffer zuvor bereits vorbereitete, war durch dessen Einzelleistung sehenswert herausgespielt.

Zum ersten Mal unter der Leitung von Trainer Lucien Favre hat der VfL in der Bundesliga drei Gegentore kassiert. Das letzte Mal unterlief das der Borussia am 12. Februar 2012 unter Michael Frontzeck beim 1:3 beim FC St. Pauli. Drei Ligaspiele, ein Sieg gegen kriselnde Hoffenheimer, ein mageres Remis beim Aufsteiger aus Düsseldorf und nun die schmerzliche Heimniederlage gegen die Franken – in Mönchengladbach ist die Realität zurückgekehrt.

Schwere Saison: Favre längst vorbereitet

Kampf statt mitreißenden „Champagner-Fußball“ , Borussia Mönchengladbach statt „Borussia Barcelona“. Während sich bei den meisten Beobachtern schon so etwas wie Ernüchterung breitmachte, war Favre auf diesen Moment längst vorbereitet. Der Romand war es, der bereits zum Ende der vergangenen Spielzeit erste Alarmsignale von sich gab und diese unmittelbar vor dem Beginn der aktuellen Saison noch einmal intensivierte.

„Es wird eine schwierige Saison“, hatte Favre beinahe gebetsmühlenartig gepredigt. „Uns ist durch die Abgänge das Rückgrat genommen worden.“ Beinahe niemand wollte auf den Erfolgstrainer hören, kaum jemand nahm dessen Worte ernst. Wohl zu oft warnte der der Schweizer in der näheren Vergangenheit vor einem sportlichen Rückschritt, der letztlich (bislang) ausblieb.

Der Trainer sieht auch positive Dinge

Nun bewahrheiten sich seine Warnungen – praktisch zum ersten Mal in seiner bis dato so hervorragenden Amtszeit. Schaute Lucien Favre nach dem Spiel gegen Nürnberg deshalb verhältnismäßig positiv drein? Wohl kaum. Dem sympathischen Schweizer geht eher nicht um das Eintreffen seiner Einschätzungen. Viel mehr dürften die positiven Aspekte der Niederlage für ihn zählen. Er habe „positive Dinge gesehen“. Dinge, über die Favre eigenem Bekunden nach jetzt noch nicht reden möchte.

Bereits unmittelbar nach Spielende wird bei ihm bereits der Aufarbeitungsprozess begonnen haben. Was viele nicht einmal zu denken wagen, dürfte beim Romand bereits vorgegriffene Realität sein: Gladbach befindet sich auf dem Weg in eine schwierige Situation, die kommenden Wochen werden zeigen, wohin der Weg geht. Im Prinzip gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder geht die junge Mannschaft mittelfristig durch ein größeres Tal oder binnen kürzester Zeit gestärkt und gut gerüstet aus dieser Momentaufnahme hervor.

Keine Krise

Lucien Favre, ein absoluter Realist in Reinkultur, dürfte auf beide Szenarien vorbereitet sein. „Es ist eine extrem schwierige Saison, das kann ich jetzt garantieren“, sagt der Schweizer mahnend und führt aus: „Die Mannschaft ist in seriöser Gefahr.“ Das Wort Krise nahm er dabei nicht in den Mund – weil es keine ist. Es ist vielmehr eine Phase.

Eine schwierige Phase, in der es seriös zu arbeiten und vor allem die Ruhe rund um den Borussia-Park zu bewahren gilt. Vielleicht redet Lucien Favre dann in wenigen Wochen auch wieder gerne über die positiven Dinge. (Foto: jdp-fotos.com)

PS: Kennst du schon unseren kostenlosen Newsletter? »Hier« kannst du unseren kostenlosen Newsletter abonnieren.

veröffentlicht von Björn Brodermanns am 18. September
Diesen Artikel empfehlen:
 
Kommentieren via Facebook neu