Luuk de Jong: Borussias Neuzugang kommt in Fahrt

Nicht wenige Beobachter der Borussia waren binnen weniger Wochen bereits ernüchtert. Was hat Sportdirektor Max Eberl nur in diesem Luuk de Jong gesehen? Zu langsam, zu behäbig und ohne Torgefahr – so zeigte sich der Niederländer in den ersten Wochen in Mönchengladbach. Doch der 22-jährige Rekordeinkauf hat sich zuletzt entwickelt, die Formkurve zeigt steil nach oben.

Tatsächlich weckte de Jong teilweise den Anschein, als käme die Bundesliga noch ein Weilchen zu früh für ihn. Man war geneigt sich zu fragen, wie denn die unglaubliche Bilanz von 25 Toren in 31 Ligaspielen für Twente Enschede in der vergangenen Spielzeit zustande kam. Der Niederländer schaffte es im Trikot der Borussia kaum an einem Gegenspieler vorbei zu kommen, geschweige denn einen Ball gewinnbringend zu verarbeiten.

Eingewöhnungszeit nur allzu logisch

„Luuk braucht Zeit“, war der Tenor rund um den Borussia-Park. Lucien Favre und Max Eberl wussten um die nötige Eingewöhnungszeit ihres „Stareinkaufs“ aus der Erendivisie. Eine neue Mannschaft, eine neue Umgebung und eine wesentlich anspruchsvollere Liga – viele Stolpersteine für einen gerade mal 22-Jährigen bei seiner ersten Station im Ausland.

Sein Schweizer Coach baute nichtdestotrotz auf den noch schwächelnden Angreifer und schenke ihm sein Vertrauen. So stand de Jong – abgesehen von einer Rotationsmaßnahme auf Zypern und einem verletzungsbedingten Ausfall in Dortmund – immer in der Startelf der Fohlen. Nun scheint sich das Vertrauen langsam aber sicher auszuzahlen. Der 22-Jährige zahlt es seinem Trainer und der Mannschaft mit Toren zurück.

De Jong ein klassischer Stürmer für die „Box“

War der niederländische Nationalspieler im Spiel der Borussia vor einigen Wochen noch beinahe gänzlich isoliert, deutet er seine herausragenden Qualitäten aktuell mehr als nur an – auch weil seine Mitspieler endlich zu verstehen scheinen, wie man den 22-Jährigen richtig in Szene setzt. „Ich bin ein typischer Strafraumspieler, der die Bälle im Strafraum braucht. Dann mache ich Tore“, sagt de Jong, der dennoch unterstreicht, kein Stehgeiger zu sein.

Luuk de Jong geht tatsächlich vielen Bällen entgegen, holt sich die Anspiele bereits im zweiten Drittel des Platzes und ist sich nicht zu schade ordentlich in die Zweikämpfe zu gehen. Beim so wichtigen 2:0-Sieg gegen Eintracht Frankfurt fing bereits bei ihm die Abwehrarbeit an. Dadurch gewann die Borussia endlich wieder an Stabilität und einen Hauch alter Kompaktheit.

Der Niederländer arbeitet nach hinten mit

Mittelfeldspieler Thorben Marx analysierte nach dem Spiel gegen die Mannschaft aus der Main-Metropole treffend: „Heute war es von der ganzen Mannschaft erstmal das erste Ziel zu Null zu spielen. Das hat heute bereits vorne geklappt, da haben wir die Räume schon zugestellt.“ Doch nicht nur in der Rückwärtsbewegung ist de Jong aktuell wertvoll für die Borussia.

Dem beinahe Tor des Jahres gegen Nürnberg, als der Stürmer per Seitfallzieher spektakulär den Pfosten traf, folgte ein Kopfballtreffer gegen Fenerbahce Istanbul und ein wichtiges Tor gegen Eintracht Frankfurt. Beide Treffer zeugten von seinem unglaublichen Torinstinkt, von Dingen, die man nicht lernen kann. Beim zwischenzeitlichen 1:0 gegen die Türken wusste der Torjäger instinktiv wo er zu stehen hatte, ohne den Ball wirklich im Blick zu haben. Sein Tor gegen die Hessen am vergangenen Sonntagnachmittag sprach zudem eine klare Sprache: Wenn Luuk de Jong den Ball serviert bekommt, kann sich der Torhüter warm anziehen.

Spielweise muss weiter angepasst werden

Was (noch) fehlt, sind mehr brauchbare Anspiele, sind mehr gefährliche Flanken seiner Mitspieler. Das System der Borussia ist leider noch zu sehr auf die Künste eines Marco Reus ausgelegt. Mit de Jong muss anders gespielt werden. Anspiele in den Fuß und präzise Flankenbälle von außen statt langer Bälle in die Tiefe. Mittelfeldspieler Havard Nordtveit zeigte in den vergangenen Spielen, wie es gehen kann. Eine gefährliche Flanke auf den Niederländer und ein zentimetergenauer Pass in den Lauf machten zwei Assists für den Norweger und zwei wichtige Tore für den 12,5 Millionen teuren Neuzugang aus der Erendivisie.

Die Chancen stehen gut, dass de Jong nun endlich angekommen ist in Mönchengladbach. Sein Trainer Lucien Favre zeigte sich zufrieden mit seinem Starstürmer: „Es ist positiv, dass er Tore macht.“ Zugleich mahnte der Romand allerdings, wohl auch um den 22-Jährigen vor zu hohen Erwartungen zu schützen: „Er ist aber noch jung und hat noch ein paar Sachen zu lernen.“

In Luuk de Jong schlummern zweifellos unglaubliche Qualitäten. Wenn es Lucien Favre gelingt, diese zutage zu fördern und die Mannschaft weiter auf ihren Stürmer auszurichten, wird man in Mönchengladbach noch viele hervorragende Treffer des sympathischen Niederländers bewundern können. (Foto: jdp-fotos.com)

PS: Kennst du schon unseren kostenlosen Newsletter? »Hier« kannst du unseren kostenlosen Newsletter abonnieren.

veröffentlicht von Björn Brodermanns am 09. Oktober
Diesen Artikel empfehlen:
 
Kommentieren via Facebook neu