Luuk de Jong ein Totalausfall – Juan Arango endgültig der König des Borussia-Parks

Es war noch lange nicht alles Gold was gegen die TSG 1899 Hoffenheim glänzte. Dennoch fuhr die Borussia einen verdienten und vor allem wichtigen Sieg gegen den „Angstgegner“ aus dem Kraichgau ein. Wir haben ein bisschen genauer hingesehen und den Spielern ein Zeugnis ausgestellt…

Marc-André ter Stegen: Es war ein recht ruhiger Nachmittag für Borussias Keeper. Wenn er gebraucht wurde, war er stets präsent. Einziger grober Fehler: In der 22. Spielminute spielte ter Stegen einen gravierenden Fehlpass, wodurch Tony Jantschke in den Zweikampf musste und dabei die Gelbe Karte kassierte. Nach einem Zusammenprall mit Martin Stranzl war der 20-Jährige leicht gehandicapt – das Innenband im Knie hatte einen leichten Schlag davongetragen. Beim zwischenzeitlichen 1:1, als ter Stegen den ersten Einschussversuch aus kürzester Distanz noch abwehren konnte, hatte er keine wirkliche Abwehrchance. Note: 2-

Filip Daems: Weder Fisch noch Fleisch – der Kapitän hatte einen mittelmäßigen Tag erwischt. Neben vielen guten Anspielen gesellten sich auch immer wieder kleinere Fehler ein. Auch in der Defensive gaben sich Gut- und Böse die Klinke in die Hand. Agierte Daems bisweilen solide, ließ er sich vor dem 1:1 viel zu einfach von Vukcevic überlaufen. Stark in der 88. Minute, als er in höchster Not zur Ecke klärte. Note: 3-

Roel Brouwers: Kam für den kurzfristig erkrankten Alvaro Dominguez ins Team und machte seine Sache wir immer sehr solide. Auf Roel Brouwers ist einfach immer Verlass – der Niederländer ist definitiv einer der Edelreservisten der Liga. Einziger echter Wermutstropfen: Dem 30-Jährigen unterliefen einige Abspielfehler im Spielaufbau. Zudem kam er beim 1:1 gegen Firmino zu spät – was aber wohl dem groben Schnitzer seinen belgischen Kapitäns geschuldet war. Kurz vor Ende der Spielzeit sicherte Brouwers seiner Elf mit einer starken Kopfballabwehr das so wichtige 2:1. Note: 3

Martin Stranzl: Der Österreicher agierte wie schon gegen Dynamo Kiew ruhig, sachlich und unaufgeregt. Stranzl versuchte sich immer wieder am Spielaufbau –  mit eher durchwachsenden Ergebnissen. Im Zweikampfverhalten ist Stranzl allerdings kaum noch zu verbessern. Der 32-Jährige steht gut, antizipiert den Großteil der Situationen und ist im Luftkampf meist obenauf. Beim 1:1 stand Stranzl allerdings schlecht zum Gegenspieler und konnte nur noch vergeblich reingrätschen. Ähnlich wie bei Kollege Brouwers ist dies jedoch dem Fehler von Filip Daems in der Entstehung des Treffers geschuldet. Note: 3

Tony Jantschke: Wohin geht die Reise des U21-Nationalspielers? Wie gegen Kiew wechselten sich in seinem Spiel Licht und Schatten ab. Stark als er seinem Gegenspieler in der 12. Spielminute auf unnachahmliche und faire Art und Weise den Ball weggrätschte. Dennoch hatte Jantschke immer wieder arge Probleme im Passspiel und vor allem im Spielaufbau. Da muss einfach mehr kommen von einem Spieler, der technisch derart gut geschult ist. Borussias Rechtsverteidiger sah in der 22. Minute ohne eigene Schuld die Gelbe Karte, nachdem ihn Torhüter ter Stegen nach einem Fehlpass in die Bredouille brachte. Note: 3-

Havard Nordtveit: Der Norweger muss sich dringend steigern. Derart viele schlampige Zuspiele über die ganz kurze Distanz kann sich der VfL aktuell einfach nicht erlauben. Lucien Favre nennt es „zu viele einfache Ballverluste im Mittelfeld“. Augenscheinlich liegt das Problem des Norwegers in der fehlenden Konzentration. Anders kann man seinen völlig missglückten Freistoß in der 2.Spielminute nicht erklären. Havard Nordtveit verdient sich zudem den unrühmlichen Titel des Chancentod. Gegen 1899 Hoffenheim hatte Gladbachs Kämpfer wieder einmal eine hunterprozentige Chance auf dem Fuß. Note: 3-

Granit Xhaka: Einmal mehr wurde klar, das der Schweizer noch Zeit benötigt um das Spiel seiner Mannschaft wirklich zu forcieren. Trainer Favre mahnt nicht umsonst in jeder Woche um Nachsicht mit seinem defensiven Mittelfeldspieler. Xhaka wirkt in einigen Situationen gedanklich sowie körperlich zu langsam, was dann in allzu leichte und vor allem unnötige Ballverluste mündet. Der 19-Jährige steckt dennoch zu keiner Sekunde auf und erzwingt so die positiven und für seine Elf gewinnbringenden Aktionen. So leitete er in der 10. Spielminute mit einem seiner vielen Ballgewinne einen schnellen Konter ein. Absolut löblich: Xhaka ist der Kilometerfresser der Elf vom Niederrhein – kein Spieler läuft mehr als der Schweizer. Gladbachs noch stotternder Mittelfeldmotor, der vor beiden zu den Toren führenden Standards  das Foul zog, sah  in der 88. Minute nach einem harten Tackling an Vukcevic die Gelbe Karte. Note: 3-

Juan Arango: Arango, Arango, Arangoooooooal – der Venezolaner ist aktuell Borussias Lebensversicherung. Bis auf ganz wenige verunglückte weite Diagonalpässe klappte beim linken Mittelfeldspieler einfach alles. Seine scharfe Freistoßflanke vor dem 1:0 durch Hanke, sein Zucker-Absatzkick auf den sich im Abseits befindenden Luuk de Jong und nicht zuletzt das so wichtige 2:1 – Arangos linkes Zauberfüßchen ist ein Genuss. Vor allem auffällig: Der einst so laufschwache Venezolaner ist auf der gesamten Wiese zu finden und scheut keinesfalls die Defensivarbeit. Beim Freistoßtor zum 2:1 zeigte sich Arango als echter Fuchs. Während 90 Prozent aller Protagonisten den Ball einen halben Meter nach vorne verlegt hätten, legte er sich den Ball etwas mehr als einen Meter nach hinten. So ergab sich für den Kunstschützen die perfekte Ausgangsposition zu diesem herrlichen Treffer, der ihn wohl endgültig zum König des Borussia-Parks krönte. Note: 2

Alexander Ring: Der Finne steht aktuell in einer Entwicklungsstufe: Vom Ergänzungsspieler zur möglichen Stammkraft. Um sich tatsächlich das Prädikat Stammspieler zu verdienen, muss Ring jedoch wesentlich klarer in seinen Aktionen werden. Viele missglückte Pässe und einige Probleme an seinem Gegenspieler vorbeizukommen, schmälern ein wenig die Leistung des 21-Jährigen. So vertändelte er in der 52. Spielminute einen aussichtsreifen Angriff, obwohl er endlich einmal an seinem Kontrahenten vorbei war. Note: 3-

Mike Hanke: „Vader Abraham“ is back. Jedenfalls fast. Schon zu Beginn merkte man dem ehemaligen Nationalspieler an, dass er unbedingt wieder die erste Kraft in Borussias Angriff sein will. Hanke kam entgegen, ging weite Wege und zeigte sich wie gewohnt kämpferisch. In der ersten Spielminute hatte der 28-Jährige bei einem komplizierten Fallrückzieher noch Pech – beim 1:0 machte er nach guter Freistoßflanke von Arango alles richtig, als er sich gegen Beck hervorragend durchsetzte. In der Folgezeit merkte man Hanke allerdings die noch fehlende Fitness an. Die Auswirkung: Einige viel zu leichte Ballverluste. Seine Auswechselung in der 73. Minute war deshalb folgerichtig. Note: 3

Luuk de Jong: Der Niederländer ist aktuell die „ärmste Sau“ im Team. Bei der aktuellen Spielweise des Teams ist de Jong einfach außen vor und ohne jegliche Anbindung zum Spiel. Neben jener fehlenden Anbindung ans Team zeigte de Jong allerdings auch viele eigene Schwächen. Die Ballannahme sowie Ballführung sind teils von gravierenden technischen Mängeln geprägt. Dennoch gibt der Nationalspieler nicht auf und zeigt viel Bewegung – allerdings oftmals die falsche. So ist de Jong der Spieler mit den wenigsten Ballkontakten (34) und blieb dementsprechend ohne Torschuss. Schwach war vor allem auch seine Zweikampfführung. Der Niederländer verlor 65 Prozent seiner Zweikämpfe – seine Auswechslung in der 80. Spielminute war daher mehr als überfällig. Gladbachs Rekordtransfer benötigt augenscheinlich Zeit – Zeit, die ihm hoffentlich auch von den Fans zugestanden wird. Note: 4-

Patrick Herrmann ab 63. Minute: Der Shootingstar liegt aktuell einen Wimpernschlag hinter Alexander Ring. Eine Tatsache, die gar nicht so schlecht ist. So kann sich Herrmann nach seiner Verletzung ohne Druck wieder in Top-Form bringen. Die erste Aktion auf dem Platz war gleich gefährlich für die Hoffenheimer, die nur zur Ecke klären konnten. Ansonsten war neben dem Monieren eines vermeintlichen Handspiels seines Gegenspielers nicht viel von Herrmann zu sehen. Note: 4+

Branimir Hrgota ab 73. Minute: Der Schwede kam, sah und gefiel. Hrgota machte da weiter, wo er in der Vorbereitung aufgehört hat. Schnell, dynamisch und völlig ohne Respekt zeigte er Trainer Favre und allen Beobachtern, welches Talent in ihm steckt. In einer Situation versuchte er den ehemaligen Nationalspieler Andreas Beck „auf einem Bierdeckel“ auszudribbeln, was ihm den Szenenapplaus der Fans einbrachte. Nur drei Minuten nach seiner Einwechselung brachte er in Höhe des Fünfers ein starkes Zuspiel nach innen – leider erreichte er de Jong damit nicht. Lucien Favre wird sich überlegen den Schweden gegen Kiew von Anfang an zu bringen. Immerhin brachte Hrgota in den wenigen Minuten mehr Schwung in die Partie als Kollege de Jong in seiner 80-minütigen Spielzeit. Note: 3+

Igor de Camargo ab 80. Minute: Konnte sich nicht mehr positiv in die Notizbücher eintragen. In der 81. Spielminute vertändelte er eine durchaus hoffnungsvolle Spielszene. Zudem entschied er sich drei Minuten vor Schluss bei einem Konter für den falschen und ungenauen Pass. Hätte der Belgier eine Grußkarte an die Kugel geklebt, wäre wenigstens klar gewesen, an wen dieser Ball gehen sollte. Zu allem Überfluss musste de Camargo in der 89. Spielminute zwingend rechts raus auf Hrgota spielen. Hat er aber nicht. Stattdessen zeigte der Belgier seine egoistische Seite. Ohne Note

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 26. August
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