Luuk de Jong – Geduld ist eine Tugend

Borussias Neuzugang Luuk de Jong spaltet derzeit Fans, Beobachter und selbst die Medien. Einigen Fans des VfL stinkt das ganz gewaltig. Unser Leser Marc Schmitz hat sich so seine Gedanken gemacht und diese in einem Gastbeitrag zum Ausdruck gebracht. Für den Inhalt ist ausschließlich Marc verantwortlich und muss nicht zwingend mit unserer Meinung einhergehen…

Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie sich ein Teil der angeblich „besten Fans der Welt“ in schöner Regelmäßigkeit verhält. Wie das berühmte Fähnchen im Wind. Noch vor wenigen Wochen konnte man es kaum erwarten, dass ein gewisser Luuk de Jong endlich an den Niederrhein wechselt, um dort die Lücke zu schließen, die Marco Reus hinterlassen hat.

Und da liegt schon der erste Fehler. Reus ist aktuell einer der besten Spieler Europas. Ein solcher Spieler wäre für keinen Verein der Liga in der Kürze der Zeit zu ersetzen. Nicht für die Bayern, nicht für Dortmund und eben ganz bestimmt nicht für unsere Borussia. Wer das nicht verstehen kann oder will, hat von Fußball genau so viel Ahnung wie eine Kuh vom Eierlegen.

Hinzu kommt, dass unser Spiel nicht nur komplett auf Marco Reus zugeschnitten war – es war geradezu abhängig von ihm. Eine gewisse Umstellung des gesamten Systems wäre sogar mit ihm ratsam gewesen. Nun ist es unabdingbar, denn Reus ist weg und einen Zweiten wird es wahrscheinlich die nächsten 20 – 30 Jahre nicht mehr geben. „Ausnahmesportler“ nennt man so was.

Aber lassen wir das Thema Reus. Es gehört der Vergangenheit an – so schade es auch ist. Wenden wir uns stattdessen wieder der Gegenwart zu. Und die heißt Luuk de Jong. Ich empfinde es schon als einigermaßen grotesk und befremdlich, wie schnell sich die Stimmung in Bezug auf den Jungen gedreht hat und zu kippen droht. Ja, er ist der teuerste Einkauf der Vereinsgeschichte. Aber die Tatsache hat er sich nicht ausgesucht.

Luuk de Jong ist das, was wir uns seit Jahren wünschen: Ein Stürmer mit scheinbar angeborenen Torinstinkt. Diesen hat er meiner Meinung sogar jetzt schon unter Beweis gestellt – auch wenn er noch nicht getroffen hat. Würden die ganzen Kritiker und Zweifler, die jetzt bei jeder Gelegenheit betonen das de Jong „ein Flop“ ist, dies auch sagen, wenn er in Aachen und Düsseldorf getroffen hätte? Wohl kaum. In beiden Spielen gab es Situationen, in denen der Niederländer im Prinzip alles richtig gemacht hat, aber eben mit viel Pech an den Reflexen der jeweiligen Torhüter scheiterte. So etwas passiert im Fußball.

Niemand bestreitet das Luuk bislang noch die nötige Bindung im Spiel der Borussia fehlt. Aber ihm deswegen bereits jetzt jegliche Qualität abzusprechen ist in meinen Augen nichts anderes als erbärmlich. Hat schon mal jemand darüber nachgedacht, dass sich sowohl die Mannschaft als auch der Jong mitten in der Findungsphase befinden?

Einerseits muss sich der Niederländer an seine neue Mannschaft und eine neue, viel stärkere Liga gewöhnen, andererseits muss sich das Team an einen komplett neuen Spielertyp gewöhnen. Wer hier glaubt, dass dieser Prozess nach einer Saisonvorbereitung von sechs Wochen und einigen Testspielen abgeschlossen sein kann oder gar muss, der irrt gewaltig. Ein solcher Prozess benötigt Zeit.

Vor allem dann, wenn so wie in unserem Fall auch noch ein funktionierendes System angepasst und verändert werden muss. Ist das alles wirklich so schwer zu verstehen? Und wenn es bei den „besten Fans der Welt“ anscheinend nicht dazu langt, dies zu verstehen, wäre es dann nicht wenigstens mal angebracht einem de Jong die Eingewöhnung so leicht wie nur irgend möglich zu machen?

Geht mal davon aus das Borussias Neuzugang mehr damit geholfen wäre, wenn man Druck von ihm nehmen würde, anstatt täglich neuen zu erzeugen, indem man ihm unter die Nase reibt, dass er der teuerste Einkauf der Vereinsgeschichte ist. Das weiß de Jong schon selbst. Aber genau das macht die Sache nicht wirklich einfacher. Man bedenke: Der Junge ist gerade mal 22.

Sein erstes Tor würde er mit Sicherheit auch lieber heute als morgen schießen, soviel dürfte klar sein. Gebt allen Beteiligten doch einfach mal die nötige Zeit. Ein gewisser Mario Gomez wechselte einst für 30 Mio. Euro von Stuttgart nach München und kam in seiner ersten Saison auf sage und schreibe zehn Saisontore. Ein ziemlich mieser Wert für einen der 30 Mio. gekostet hat oder?

Hätten die Bayern an ihn die gleichen Maßstäbe angelegt, wie es einige von uns bei de Jong tun, dann hätten sie ihn wohl bereits nach der ersten Saison in die Wüste geschickt – oder in die Isar geschmissen. Luuk wird seine Tore machen. Davon bin ich überzeugt.

Und wenn es soweit ist, dann werden die gleichen die bereits heute kein gutes Haar an ihm lassen, ihm zu Füßen liegen und betonen, dass sie es ja eigentlich schon immer gewusst haben. Womit wir dann wieder bei den „Fähnchen im Wind“ wären.

In diesem Sinne: Immer Geduld mit den jungen Pfer…ähm Fohlen.

 

 

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 05. September
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