Max Eberl – Azubi im 3. Lehrjahr?!

Es war nicht das Jahr des Max Eberl. Kritik und Schelte von allen Seiten, besonders Seitens der Fans. Als Praktikant tituliert, von der „Initiative Borussia“ gar diffamiert – wahrlich kein einfaches Jahr, keine einfache Saison für den noch so jungen Sportdirektor. Ein Blick über den Tellerrand hinaus bringt indes eine ganz andere Sichtweise…

 

 

Natürlich kann man Max Eberl Misserfolge nachsagen. Das sportliche Abschneiden der Mannschaft – zum Teil. Was aber  kann man Sportdirektor Max Eberl mit absoluter Sicherheit vorwerfen? Im Prinzip zwei Missstände.

An erster Stelle das zu lange Festhalten an „Misserfolgstrainer“ Michael Frontzeck. Ein Team das mit lediglich 10 mickrigen Punkten und einem desaströsen Torverhältnis in die Winterpause geht, ist praktisch verloren. Ein Trainerwechsel war zum damaligen Zeitpunkt die nötige Konsequenz – Kontinuität hin oder her. Vor allem der Vergleich mit Frontzecks Stationen zuvor konnte keine andere Handlungsweise zulassen, denn sowohl in Bielefeld als auch in Aachen konnte der Trainer keine bessere Punktquote vorweisen. Das die Mannschaft in der Saison 2009/2010 „so gut“ da stand lag auch daran, dass sie am absoluten Limit spielte – einige Spieler gar darüber.

 

Der zweite große Punkt den man Eberl vorwerfen kann, ist die Tatsache mit den Außenverteidigern Levels, Daems, Jaures und Schachten in die Saison gegangen zu sein. Die beiden letztgenannten waren in der Vergangenheit öfter verletzt als kickend auf dem Platz zu sehen und bei aller Liebe – nicht Bundesliga tauglich. Beim Gladbacher Urgestein Tobias Levels scheiden sich die Geister. Kämpferisch tadellos, immer mit vollem Einsatz. Aber spielerisch? Sehr eingeschränkt und kaum als erstligareif zu bezeichnen. Einzig Kapitän Filip Daems hat die Klasse in der Mannschaft eine tragende Rolle zu spielen – wenn er denn an seinem Limit spielt und in Form ist. Aber auch der Belgier zeigte sich in der so schwachen Hinrunde als zu schwach um in der Bundesliga zu bestehen. Langsam, behäbig und mit von ihm kaum gekannten Stockfehlern, war er einer der großen Schwachpunkte seiner Mannschaft. Erst unter dem jetzigen Coach Lucien Favre fand Daems wieder zu alter Stärke zurück und ist ein wichtiger Teil seiner Mannschaft

 

Eberls Blick für Talente

 

Max Eberl bringt jedoch auch etwas mit, was einigen Managern und sportlichen Leitern im Profifußball völlig abgeht. Sein Blick für junge Talente. Eberl war es, der einst Marko Marin in der Jugend nach Mönchengladbach lotste. Der das große „Fohlentalent“ Bernhard Janeczeck für die Jugend verpflichtete. Der so oft gescholtene Sportdirektor war derjenige, der den Rohdiamant und heutige Lebensversicherung Marco Reus für „läppische“ 700.000 € an den Niederrhein holte und ihn kürzlich bis 2015 an den Verein band. Nicht gerade selbstverständlich.  Max Eberl ist nicht der in Teilen der Öffentlichkeit und Medien kolportierte „Praktikant“. Die Praktikumszeit hat der gebürtige Bayer bereits seit Jahren hinter sich. Mit großem Erfolg leitete er vor seiner Berufung zum Sportdirektor Borussias Jugend. Er war dafür verantwortlich das der VFL  heute eines der besten Jugendinternate Deutschlands besitzt, welches einige große und vielversprechende Talente beherbergt. Aus Max Eberls  Zeit als „Praktikant“ wird die Borussia vor allem in naher Zukunft den ein oder anderen „Rohdiamanten“ ernten.

 

Ein schon fast gescheiterter Rohdiamant, für dessen Verpflichtung Eberl ebenfalls verantwortlich war, könnte zu neuem Glanz erstrahlen – Raul Bobadilla. Der Argentinier, ohne Zweifel mit einer Menge Talent ausgestattet, stand sich und der Mannschaft unter dem ehemaligen Trainer Michael Frontzeck  oftmals selbst im Weg. Disziplinlos und meist Tor- und Leistungslos verspielte „Boba“ seinen Kredit am Borussia-Park. Die Folge war die „Abschiebung“.

 

Im Sommer kehrt der Argentinier zurück zur Elf vom Niederrhein und trifft dort auf  Trainer Lucien Favre, einem Trainer der in der Vergangenheit ganz andere Kaliber eines Enfant terrible , u.a. Marko Pantelic, zu Topleistungen brachte. Favre ist zuzutrauen den Büffel zu zähmen und Bobadilla auf Erfolg zu trimmen…

 

Eberls Schachzug zur Rettung?

 

Der oft gescholtene „Praktikanten-Sportdirektor“ war es auch der Lucien Favre als Trainer verpflichtete. Am Anfang belächelt ob der nicht vorhandenen „Feuerwehrmann – Attribute“ des Schweizers, zeigt sich nun wieder mal das goldene Näschen des studierten Sport-Managers. Seit Favre für die Mannschaft verantwortlich ist, mauserte sich die Borussia zu einer echten Mannschaft. Zu einer Mannschaft die, betrachtet man die Tabelle seitdem, zur Spitzengruppe der Liga gehört – mit der zweitbesten Abwehr der Liga. Ohne Eberl – kein Favre. Ohne Favre – kein Aufschwung.

 

Eberl scheint also vieles richtig gemacht zu haben. Jedenfalls mehr richtig als falsch. Ein Praktikant ist er mitnichten, eher ein Azubi. Ein Azubi im 3. Lehrjahr, der noch Erfahrung sammeln muss. War diese Saison das 3. Lehrjahr des Azubis Eberl, dann hat er nach der „verhauenen“ Prüfung „Frontzeck“, viele Prüfungen mit gut absolviert. Vielleicht gelingt am kommenden Samstag sogar das Happy-End – das Ende seiner Lehrzeit mit dem Nichtabstieg der Borussia. Zu gönnen wäre es ihm, denn auch ER war es der immer an das Wunder geglaubt hat.

 

Max Eberl und Lucien Favre – zwei die zueinander passen und ähnliche Philosophien sowie Visionen teilen. Ein mögliches „Traumduo“ für eine bessere Zukunft der Borussia, ohne Praktikant Effenberg

 

 

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veröffentlicht von Björn Brodermanns am 12. Mai
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